Shooter-Game: «Apex Legends» sorgt für Zoff in der Familie

Publiziert

Shooter-Game«Apex Legends» sorgt für Zoff in der Familie

Die «Fortnite»-Alternative «Apex Legends» ist erst ab 16 Jahren freigegeben. Konflikte seien vorprogrammiert, sagt ein Fachmann.

von
B. Zanni
1 / 8
Gameprofis handeln den neuen Battle-Royal-Shooter bereits als «Fortnite»-Killer. Einen Haken gibt es aber: Während die Altersempfehlung beim Vorgänger «Fortnite» 12 Jahre betrug, empfiehlt die Pegi-Altersbewertung «Apex Legends» erst ab 16 Jahren.

Gameprofis handeln den neuen Battle-Royal-Shooter bereits als «Fortnite»-Killer. Einen Haken gibt es aber: Während die Altersempfehlung beim Vorgänger «Fortnite» 12 Jahre betrug, empfiehlt die Pegi-Altersbewertung «Apex Legends» erst ab 16 Jahren.

Screenshot/Youtube
In die Kategorie der Games ab 16 Jahren fallen Spiele, in denen Gewalt oder Sexualität auf einer sehr glaubwürdigen und wirklichkeitsnahen Ebene stattfinden.

In die Kategorie der Games ab 16 Jahren fallen Spiele, in denen Gewalt oder Sexualität auf einer sehr glaubwürdigen und wirklichkeitsnahen Ebene stattfinden.

Stevan Bukvic
Dirk Bosmans von Pegi sagt, dass im Spiel eine Reihe von modernen Militärwaffen wie Pistolen, Scharfschützengewehre, automatische Gewehre, Splittergranaten und Messer zum Einsatz kommen.

Dirk Bosmans von Pegi sagt, dass im Spiel eine Reihe von modernen Militärwaffen wie Pistolen, Scharfschützengewehre, automatische Gewehre, Splittergranaten und Messer zum Einsatz kommen.

Screenshot/Youtube

Nur eine Woche nach dem Erscheinungsdatum hat «Apex Legends» bei den Spielern die 25-Millionen-Marke geknackt. Gameprofis handeln den neuen Battle-Royale-Shooter bereits als «Fortnite»-Killer. Einen Haken gibt es aber: Während die Altersempfehlung beim Vorgänger «Fortnite» 12 Jahre betrug, empfiehlt die Pegi-Altersbewertung «Apex Legends» erst ab 16 Jahren. Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle USK in Deutschland setzt die Grenze sogar bei 18 Jahren.

In die Kategorie der Games ab 16 Jahren fallen Spiele, in denen Gewalt oder Sexualität auf einer sehr glaubwürdigen und wirklichkeitsnahen Ebene stattfinden. Dirk Bosmans von Pegi sagt, dass im Spiel eine Reihe von modernen Militärwaffen wie Pistolen, Scharfschützengewehre, automatische Gewehre, Splittergranaten und Messer zum Einsatz kommen. «Erfolgreiche Treffer einer Schusswaffe schwächen den Charakter, was durch Blutspritzer und sinkende Lebenspunkte sichtbar wird.» Habe dessen Zustand einen kritischen Punkt erreicht, werde er unbeweglich, sterbe schlussendlich, komme wieder zu sich oder werde von einem Teammitglied wiederbelebt.

«Konflikte sind vorprogrammiert»

Michael In Albon, Jugendmedienschutz-Beauftragter von Swisscom, ist überzeugt: «Wenn ‹Apex› denselben Drive bekommt wie ‹Fortnite›, wird dies zu Konflikten zwischen Eltern und Kindern führen.» Die Altersgrenze liege nicht umsonst bei 16 Jahren. «Unter 16-Jährige dürfen keine gewaltverherrlichenden Inhalte zu sehen bekommen.» Sie könnten solche nicht oder schlechter verarbeiten. «Auch können sie nicht abschätzen, wie solche Inhalte sie beeinflussen.» Die meisten Eltern würden Mühe haben, dies den Kindern klarzumachen, wenn sie ihnen zuvor «Fortnite» erlaubt hätten.

Er rät Eltern, hart zu bleiben: «Es ist strafbar, wenn man seinem Kind Zugang zu nicht altersgerechten Spielen verschafft. Dafür reiche, dass Eltern von Klassenkameraden die Polizei informierten.

«Mein Vater kontrolliert meinen PC regelmässig»

Einige Schweizer Kinder sind aber bereits im «Apex»-Fieber. Auch Floran (11) möchte das Game nur allzu gern herunterladen, er will aber keinen Streit riskieren: «Mein Vater kontrolliert meinen PC regelmässig und würde mir ein solches Spiel nicht erlauben.» Doch seine Kollegen seien bereits ziemliche «Suchtis». Floran sagt, er beuge sich den Regeln seiner Eltern. «Man wird sonst nur schlecht in der Schule.»

Strikt gegen das Game sind auch die Eltern von David (11) und Ben (10). «Ich darf nicht einmal ‹Fortnite› spielen», klagt David. Weil er es wie all seine Freunde auch gern gespielt hätte, habe es manchmal zu Diskussionen mit den Eltern geführt. Mutter Simona (48) sagt: «Gewalttätige Spiele sind nicht gut für das Gehirn und machen aggressiv.» Um sicherzugehen, dass ihre Söhne keine solchen Games herunterladen, hätten deren Handys keinen Internetempfang. «Zudem dürfen sie pro Tag nur noch maximal 30 Minuten gamen. Der Kinderarzt hat gesagt, dass alles darüber schädlich sei.» Gegen Geschicklichkeitsspiele wie Happy Glass habe sie dagegen nichts einzuwenden. «Aber auch solche Spiele sollen meine Söhne mit Mass konsumieren.»

«Meine Eltern hindern mich nicht am Spielen»

Andere Eltern sind weniger streng. So spielt Arthik (15) zwei Stunden lang täglich «Apex Legends». «Dass es Blut hat, ist mir gar nicht aufgefallen», sagt er. Kollegen hätten ihn mit dem Spielen angesteckt. «Toll finde ich es, weil es so realitätsnah ist und die Charaktere verschiedene Eigenschaften haben.» Seine Eltern hätten kein Problem mit dem Game. «Sie finden, dass in dem Spiel ja nur Roboter vorkommen – das gibt es in der echten Welt ja nicht.»

Demnächst lade er sich das neue Erfolgsspiel herunter, sagt auch der 14-jährige Nick*. «‹Apex› ist noch realer als ‹Fortnite›. Die Waffen wirken echter und man kann mit Fäusten kämpfen.» All seine Kollegen spielten das Game. «Knallt man Menschen in einem Game ab, heisst das nicht, dass man es auch im echten Leben macht. Das machen nur psychisch Gestörte», sagt Ben. Seine Eltern hinderten ihn nicht am Spielen. «Sie wissen, dass ich zwischen der Game- und der echten Welt unterscheiden kann und haben mir darum bis jetzt noch kein Game verboten.»

* Name der Redaktion bekannt

Kindersicherung

Die Konsolen bieten Eltern verschiedene Möglichkeiten an, um den Gamekonsum ihrer Kinder zu steuern. Auf der Playstation etwa kann der Besitzer des Familienaccounts eine Kindersicherungssperre für gewisse Mitglieder einrichten. Für Eltern mit Kindern, die auf einer Nintendo Switch spielen, bietet Nintendo eine App namens «Parental Controls» an.

Deine Meinung