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Surf-BlogApnoe – in 20 Meter Tiefe mit nur einem Atemzug

Wird man von der Welle begraben, schlägt beim Surfen die Euphorie schnell in Todesangst um. Ein Freediving-Kurs gibt Selbstvertrauen.

von
Melanie Keller
30.11.2016
Das Wort Apnoe kommt aus dem Griechischen und bedeutet «ohne Luft». Freediving ist die älteste und ursprünglichste Form des Tauchens und wurde früher wie auch heute noch praktiziert, um Nahrung zu beschaffen.

Das Wort Apnoe kommt aus dem Griechischen und bedeutet «ohne Luft». Freediving ist die älteste und ursprünglichste Form des Tauchens und wurde früher wie auch heute noch praktiziert, um Nahrung zu beschaffen.

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Am Seil geht es kopfüber Richtung Meeresgrund.

Am Seil geht es kopfüber Richtung Meeresgrund.

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Am Ende des Seils befindet man sich in 20 Meter Tiefe.

Am Ende des Seils befindet man sich in 20 Meter Tiefe.

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Es ist komplett still um mich herum, das einzige Geräusch kommt aus meinem Inneren. Ein komisches Glucksen, so als ob ich mich im Beatboxen versuchen würde. Mache ich aber nicht. Ich befinde mich gerade sechzehn Meter unter Wasser, ohne Atmungsgerät. Obwohl alles in mir nach Luftholen schreit, tauche ich immer weiter in die Tiefe. Neben mir ist unser Instruktor Kirill. Gekonnt schwebt er auf meiner Höhe und macht mit seinen Fingern ein unmissverständliches Zeichen: Ich solle lächeln.

Freediving als Vorbereitung fürs Surfen

Wir haben einen zweitägigen Freedive-Kurs für Surfer im idyllischen Fischerdorf von Amed an der Nordostküste von Bali, gebucht. Freediven, oder auf Deutsch Freitauchen, ist die Kunst, mit nur einem einzigen Atemzug so tief oder so lange wie möglich hinunterzutauchen. Die Weltrekorde liegen dabei bei 281 Meter und bei 11:85 Minuten. Unser Ziel ist nicht die Tiefe. Je grösser die Welle, desto länger wird man von ihr unter Wasser gedrückt – im Extremfall können diese sogenannten Hold-Downs mehrere Minuten dauern. Und wenn einen die Welle so richtig durchwirbelt, fühlt es sich wie im Schleudergang einer Waschmaschine an. Panik und Orientierungslosigkeit sind dabei nicht selten. Mit dem Freedive-Training möchten wir uns für genau solche Situationen wappnen.

Der erste Teil des Kurses findet im Trockenen statt. Auf Yogamatten sitzend, folgen wir Kirills Einführung zum Freediven und lernen verschiedene Entspannungs- und Atmungstechniken. Auch kleine Tricks sind dabei, die uns helfen, im Wasser zu relaxen. Lächeln wir zum Beispiel, interpretiert das unser Körper positiv und entspannt sich. Die mentale Stärke ist ein wesentlicher Aspekt beim Freediven. Je besser man seine Reflexe und Instinkte kennt, desto einfacher kann man sie unter Wasser einsetzen und kontrollieren. Und je entspannter Körper und Geist, desto kleiner ist der Sauerstoffbedarf.

Entspannt 20 Meter runter mit nur einem Atemzug

Ob die Theorie auch wirklich funktioniert und die

Trockenübungen etwas gebracht haben, zeigt sich in der Praxis. Wir tauchen nacheinander in die Tiefe. An der Boje ist ein Seil befestigt und dient uns als Orientierung. Während den ersten Versuchen bin ich noch nervös und ungeduldig, von Entspannung keine Spur. Viel zu schnell gebe ich dem inneren Drang hochzutauchen nach. Wir machen jedoch schnell Fortschritte und werden immer routinierter. Das Kopfüber-Tauchen ist mittlerweile selbstverständlich. Auch das komische Glucksen stört mich nicht mehr. Dieser Reflex resultiert aus dem steigenden CO2-Level im Blut und ist unbedenklich – der Körper verfügt noch über genügend Sauerstoffreserven.

Am zweiten Tag erlebe ich mein persönliches Highlight: Das Tauchen empfinde ich nun als fast meditativ, das Lächeln kommt von allein. Ich geniesse die Ruhe, die mich umgibt, und betrachte fasziniert die Unterwasserwelt. Etwas berauscht komme ich zurück an die Oberfläche und erfahre die Tiefe meines Tauchgangs: 20 Meter – mit nur einem Atemzug!

Das Freediving-Training kann ich jedem Surfer empfehlen. Mit einem Tauchdrill ging der Kurs auch speziell auf die stressige Situationen ein, die wir beim Wellenreiten erleben. Die Natur wird immer unberechenbar sein, aber dank der Erfahrung des Apnoe-Tauchens begegnen wir hohen Wellen in Zukunft viel relaxter.

Layback Travel

Melanie Keller und Gabriel Wappler haben sich dem Surfen verschrieben. Im August 2015 brach das Paar seine Zelte in der Schweiz ab und startete in Asien seine Weltreise. Das Datum der Rückkehr ist noch offen. Auf 20 Minuten sowie im Online-Magazin Laybacktravel.com dokumentieren die Schweizer Surfer ihre Erlebnisse und teilen ihr Wissen.

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