Aktualisiert 01.07.2014 15:28

Werbung mit Biss

Apotheke lässt Stech-Mücken auf Kunden los

Für die Promotion ihrer Salbe gegen Insektenstiche liess sich eine Apotheke in Zürich etwas Besonderes einfallen. In einem Kasten warten stechfreudige Mücken auf mutige Passanten.

von
Kevin Villiger
300 Mücken warten in diesem Glaskasten auf die Arme von Passanten.

300 Mücken warten in diesem Glaskasten auf die Arme von Passanten.

Vor der Tür der Apotheke Stadelhofen steht bis am Mittwochabend ein Glaskasten mit 300 frisch gezüchteten Mücken. Dort können sich Mutige stechen lassen. Eine neugierige Passantin wagt den Versuch und ihre anfängliche Skepsis schwindet schnell, als sie merkt, dass die Mückenstiche mehr kitzeln als weh tun. Nach der kleinen Mutprobe lässt sie sich mit dem hauseigenen Insektenstichmittel behandeln und zeigt sich mit der Wirkung zufrieden.

Die Aktion ist gemäss Inhaber Rudolf Andres unter anderem eine Reaktion auf das gute Feedback von Kunden, die letzten Sommer nach ihrem Badi-Besuch wegen Instektenstichen die Apotheke aufgesucht hatten. «Wir geben keine Wirkungsversprechen ab», sagt Andres. «Ob und wie gut die Mittel wirken, kann jede und jeder selber erfahren.»

Keine Ansteckungsgefahr

Bedenken bezüglich Übertragungskrankheiten zerstreut Andres mit dem Hinweis, dass die Mücken frisch gezüchtet wurden und somit vorher noch keine anderen Menschen gestochen hätten. Im Normalfall seien sie nach einer «Mahlzeit» für zwei Tage satt - also bis zum Ende der Promotion. «Die Wahrscheinlichkeit für eine Ansteckung mit einer gefährlichen Krankheit ist nicht höher als bei einem Stich von einer frei fliegenden Mücke», sagt Andres. Zudem habe man sich beim tropischen Institut diesbezüglich vorher informiert.

Gemäss Nadja Brodmann von der Geschäftsleitung des Tierschutzvereins Zürich existiert für die Haltung von Insekten - anders als zum Beispiel für Säugetiere - für solche Werbezwecke keine gesetzliche Grundlage. Zwar sei es auch im Fall von Insekten ethisch fragwürdig, sie in einem unnatürlichen Lebensraum einzusperren. «Solange den Bedürfnissen der Mücken jedoch Rechnung getragen wird, kann so eine Aktion durchaus toleriert werden», sagt Brodmann.

Der Selbstversuch des 20-Minuten-Reporters vor Ort endete übrigens nicht mit dem Kauf der kühlenden Salbe, sondern mit der Erkenntnis, entweder für kleine Mücken zu dicke Haut an den Händen zu haben oder schlicht ungeniessbares Blut zu besitzen.

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