Aktualisiert 02.04.2020 15:55

Codewort «Mascarilla 19»

Apotheken bieten jetzt Hilfe bei häuslicher Gewalt

Die Ausgangssperre trifft Opfer häuslicher Gewalt besonders schwer. In Spanien und Italien springen nun Apotheken in die Bresche.

von
mhu
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Um Betroffenen trotz der strikten Ausgangssperre während der Corona-Krise in Spanien zu helfen, hat das Gleichstellungsinstitut der Kanarischen Inseln die Initiative «Mascarilla 19» ins Leben gerufen.

Um Betroffenen trotz der strikten Ausgangssperre während der Corona-Krise in Spanien zu helfen, hat das Gleichstellungsinstitut der Kanarischen Inseln die Initiative «Mascarilla 19» ins Leben gerufen.

Keystone/Kiko Huesca
Mit diesem Codewort können die Opfer in jeder Apotheke auf ihre Situation aufmerksam machen.

Mit diesem Codewort können die Opfer in jeder Apotheke auf ihre Situation aufmerksam machen.

AP/Emilio Morenatti
Opfer häuslicher Gewalt können den Notruf meistens nicht wählen, da ihr Aggressor  nur wenige Schritte von ihnen entfernt ist.

Opfer häuslicher Gewalt können den Notruf meistens nicht wählen, da ihr Aggressor nur wenige Schritte von ihnen entfernt ist.

Keystone/ana Escobar

Opfer häuslicher Gewalt können den Notruf meistens nicht wählen, da ihr Aggressor nur wenige Schritte von ihnen entfernt ist. Um Betroffenen trotz der strikten Ausgangssperre während der Corona-Krise in Spanien zu helfen, hat das Gleichstellungsinstitut der Kanarischen Inseln die Initiative «Mascarilla 19» ins Leben gerufen. Mit diesem Codewort können die Opfer in jeder Apotheke auf ihre Situation aufmerksam machen.

Denn ausser dem Einkaufen und dem Gang zur Apotheke sind in Spanien kaum mehr andere Erledigungen erlaubt. «Es ist eine kollektive Herausforderung, die Coronavirus-Kurve einzudämmen, ohne dass sich häusliche Gewalt ausbreitet», sagte Institutsdirektorin Kika Fumero. Den Code «Mascarilla 19» versteht nun jeder Apotheker, der daraufhin per Notruf die Behörden alarmiert.

Mittlerweile habe sich die Idee von den Kanaren weiter ausgebreitet – Andalusien, Kantabrien sowie zahlreiche Gemeinden der Regionen Valencia, Madrid und Katalonien machen bereits mit. Zuletzt habe sich auch die Region Extremadura im Westen des Landes der Initiative angeschlossen, berichtete die Nachrichtenagentur «Europa Press».

Auch Italiens Apotheken bieten Hilfe

Auch in Italien gibt es ein ähnliches Projekt: Das Land startet eine ausgedehnte Kampagne gegen männliche Gewalt zuhause. Während die Gewaltschutzzentren seit Beginn der Epidemie einen starken Rückgang bei den täglichen Hilfe-Anrufen melden, warnen Frauenverbände vor der Gefahr, dass viele Opfer wegen der Ausgangssperre nicht den Mut zur Anzeige finden. Dies soll sich nun ändern.

Der Frauenschutzverband Staffetta democratica (Demokratische Staffel) hat sich mit der italienischen Regierung auf eine Initiative geeinigt, die es Frauen ermöglichen soll, auch in Apotheken Hilfe bei Gewalt zu fordern. Die Hotline 1522, die Anzeigen im Falle von häuslicher Gewalt sammelt, sei trotz Coronavirus rund um die Uhr aktiv.

Unterstützt wird die Kampagne von bekannten Frauen aus Politik, Kultur, Literatur und Journalismus. «Wichtig ist, jetzt zu vermitteln, dass das Schutzsystem auch in Krisenzeiten funktioniert. Sowohl die Gewaltschutzzentren als auch die Frauenhäuser bieten weiterhin ihre Unterstützungsleistungen an. In den Frauenhäusern stehen landesweit weiterhin genügend Plätze zur Verfügung», betonte die römische Anwältin Andrea Catizone, Initiatorin der Kampagne, im Gespräch mit der österreichischen Nachrichtenagentur APA. (mhu/sda)

Schutz- und Beratungsangebote in der Schweiz überlastet

Infolge der Corona-Krise wird auch in der Schweiz ein Anstieg der häuslichen Gewalt befürchtet. Laut Terre des Femmes Schweiz sind die Beratungs- und Schutzangebote bereits jetzt überlastet, nicht immer erreichbar und müssten aufgrund der Empfehlung, zuhause zu bleiben, neue Unterstützungswege aufbauen.

Nach wie vor fehlten in der Schweiz Angebot wie zum Beispiel eine 24-Stunden-Beratung oder die Unterstützung für marginalisierte Gewaltbetroffene, schreibt Terre des Femmes Schweiz in einer Mitteilung vom Dienstag. Aktuell spitzten sich diese Versäumnisse drastisch zu, da Gewalt an Frauen und häusliche Gewalt zunähmen.

Bereits vor zwei Jahren ist in der Schweiz die Europaratskonvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt in Kraft getreten. Die Corona-Krise zeigt nach Ansicht von Terre des Femmes Schweiz die Dringlichkeit einer umfassenden Umsetzung dieser Verpflichtungen. (sda)

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