Aktualisiert 05.02.2017 16:03

Heikle SubstanzenApotheker sollen mögliche Terroristen melden

Nitrate, Aceton, Wasserstoffperoxid – solche gängigen Chemikalien können zum Bau von Bomben verwendet werden. Nun sollen Apotheker dem Fedpol verdächtige Kunden melden.

von
kün
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Die Apother sollen dem Fedpol verdächtige Kunden melden. Per E-Mail oder Anruf auf eine Hotline. (Symbolfoto)

Die Apother sollen dem Fedpol verdächtige Kunden melden. Per E-Mail oder Anruf auf eine Hotline. (Symbolfoto)

Keystone/Gaetan Bally
Die Apotheker sollen sich «keiner Gefahr aussetzten», sondern sich so viele Informationen wie möglich zur Person merken, schreibt das Fedpol. Ausserdem soll die Überwachungskamera eingeschalten und Gegenstände aufbewahrt werden, die die verdächtige Person angefasst hat – um diese später auf Fingerabdrücke und DNA-Spuren prüfen zu können. (Symbolfoto)

Die Apotheker sollen sich «keiner Gefahr aussetzten», sondern sich so viele Informationen wie möglich zur Person merken, schreibt das Fedpol. Ausserdem soll die Überwachungskamera eingeschalten und Gegenstände aufbewahrt werden, die die verdächtige Person angefasst hat – um diese später auf Fingerabdrücke und DNA-Spuren prüfen zu können. (Symbolfoto)

Keystone/Gaetan Bally

Der Dachverband Pharmasuisse hat seinen Mitgliedern letzten Monat ein Schreiben des Bundesamts für Polizei (Fedpol) weitergeleitet. Das Schreiben fordert die Apotheker auf, sich aktiv am Kampf gegen den Terrorismus zu beteiligen, schreiben die «SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche».

Das Fedpol weist darin auch auf verdächtiges Verhalten von Kunden hin: Wer sich beispielsweise nervös verhält, eine ungewöhnlich grosse Menge einer Chemikalie kaufen will oder keine Auskunft über die geplante Verwendung geben will, könnte terroristische Motive haben.

15 frei verkäufliche Substanzen

Apotheker verkaufen Substanzen, die unter anderem zum Bau von Bomben verwendet werden können. So zum Beispiel Wasserstoffperoxid, das in Desinfektionsmitteln vorkommt, Natriumperchlorat in Medikamenten oder Nitrate in Düngemitteln. Insgesamt listet das fedpol 15 frei verkäufliche Chemikalien auf, bei welchen erhöhte Aufmerksamkeit geboten ist.

Auch auf den «gleichzeitigen Kauf von Mess- und Mixbehältern», eine «unübliche Kombination von Produkten» oder die «Barzahlung von unüblich hohen Geldbeträgen» soll speziell geachtet werden.

Das Personal in Apotheken, Drogerien und weiteren Detailhändlern solle sich jedoch «keiner Gefahr aussetzten», heisst es in dem Fedpol-Schreiben weiter. Im Verdachtsfall sollen Angestellten die Überwachungskamera einschalten, sich möglichst viele Details zum Kunden notieren und Dokumente oder Gegenstände aufbewahren, welche der Verdächtige berührt hat – es könnten DNA-Spuren nachweisbar sein.

Kriminelle weichen in die Schweiz aus

Das Rundschreiben sei jedoch lediglich als Übergangslösung gedacht, schreibt die «SonntagsZeitung». Der Bundesrat hat das Justizdepartement im Dezember beauftragt, bis Ende 2017 ein neues Gesetz zu erarbeiten, dass den Zugang zu heiklen Substanzen reguliert.

Die EU hat dies bereits getan, weshalb Kriminelle nun auf die Schweiz ausweichen könnten.

Der Bundesrat schlägt vor, dass die Strenge der Regelung von der Konzentration abhängt: Tiefe Konzentrationen sollen keinen Einschränkungen unterliegen. Die Regelungen würden lediglich für Privatpersonen gelten, Berufsleute wie Landwirte wären nicht betroffen. (kün/sda)

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