Happiger Aufpreis: Apotheker verlangen eine Generika-Gebühr
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Happiger AufpreisApotheker verlangen eine Generika-Gebühr

Ein Kunde entdeckte auf einer Abrechnung einen Zuschlag von über 20 Franken für ein Generikum. Laut dem Preisüberwacher ist das in Ordnung.

von
daw
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Empfiehlt ein Apotheker statt des Originalpräparats ein Generikum, kann er einen Substitutionszuschlag verlangen.

Empfiehlt ein Apotheker statt des Originalpräparats ein Generikum, kann er einen Substitutionszuschlag verlangen.

Keystone/Gaetan Bally
Preisüberwacher Stefan Meierhans erklärt, dies mache Sinn, da die Apotheker sonst Umsatzeinbussen erleiden würden.

Preisüberwacher Stefan Meierhans erklärt, dies mache Sinn, da die Apotheker sonst Umsatzeinbussen erleiden würden.

Keystone/Lukas Lehmann
In Schweizer Apotheken wurde laut dem Branchenverband Pharmasuisse im vergangenen Jahr in 436'000 Fällen ein günstigeres Generikum abgegeben.

In Schweizer Apotheken wurde laut dem Branchenverband Pharmasuisse im vergangenen Jahr in 436'000 Fällen ein günstigeres Generikum abgegeben.

AP/Michael Probst

Christian Häseli aus Kloten wollte Kosten sparen – und folgte der Empfehlung des Apothekers, ein Generikum zu nehmen. Dieses kostete mit 51.90 Franken nicht einmal halb so viel wie das Originalpräparat. Auf der Abrechnung seiner Krankenkasse fand er dann aber einen seltsamen Posten: Die Apotheke berechnete laut dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» 21.60 Franken zusätzlich.

Die Apotheke begründete den Aufpreis mit dem zusätzlichen Aufwand, der durch die Verschreibung eines Generikums entstehe. Tatsächlich ist eine solche Vergütung in einer Tarifvereinbarung zwischen den Krankenversicherern und dem Apothekerverband Pharmasuisse festgelegt. Demnach dürfen Apotheker 40 Prozent des Preisunterschieds zwischen Original und Generikum verrechnen, maximal aber 20 Taxpunktwerte. Das entspricht zurzeit 21.60 Franken. Den sogenannten Substitutionszuschlag dürfen sie allerdings nur bei der ersten Abgabe des Medikaments verlangen.

Mindereinnahmen wegen Generika

Gemäss Pharmasuisse geben Apotheker immer häufiger anstelle eines Originalpräparats ein günstigeres Generikum ab: 2017 war das 436'000-mal der Fall. Die Einsparung durch die Verschreibung des Generikums sei oftmals viel höher als der Zuschlag. «Von dieser Regelung profitieren die Patienten, da sich ihr Selbstbehalt verringert, und die Solidargemeinschaft aller Krankenkassenversicherten, da die Kosten im Gesundheitswesen tiefer ausfallen», sagt Sprecherin Rahel Rohrer.

Für Preisüberwacher Stefan Meierhans ist der Zuschlag in Ordnung, da er einen Anreiz schafft, dass Apotheker ein Generikum empfehlen. Ein Apotheker erhalte in der Regel zwölf Prozent des Verkaufspreises. «Das heisst, er verliert, wenn er ein günstigeres Generikum abgibt», sagt Meierhans zu SRF. Gerade bei chronisch Kranken, die ein Medikament über Jahre einnehmen würden, summierten sich diese Mindereinnahmen.

Allerdings würde sich Meierhans statt des Zuschlags ein Festbetrags-System wünschen: Dabei würde der Bund nach Ablauf des Patentschutzes eines Medikaments einen fixen Betrag festlegen, den die Kassen für eine bestimmte Menge eines Wirkstoffs vergüten dürfen. Die Hersteller der Originalmedikamente kämen so unter Druck, die Preise zu senken.

«System ist nicht zu Ende gedacht»

Auch für Ivo Meli von der Stiftung für Konsumentenschutz ist das System mit dem Zuschlag «nicht zu Ende gedacht»: «Es macht zwar Sinn, im Kampf gegen höhere Prämien den Absatz von Generika zu fördern. Der Mehraufwand der Apotheken rechtfertigt aber keinen Zuschlag von über 20 Franken.» Zudem dürfe der Zuschlag nur einmal erhoben werden. «Der Anreiz, bei chronisch Kranken das Originalmedikament abzugeben, ist für Apotheker weiterhin gross.»

Weil der Zuschlag einen Teil der Ersparnisse durch günstigere Generika wieder auffrisst, macht sich Meli für einen Systemwechsel stark: «Apotheken sollten gleich viel verdienen – egal, ob sie ein Originalmedikament oder ein Generikum verkaufen. Wir müssen von preisabhängigen Margen wegkommen.»

Einen Beitrag können übrigens auch die Ärzte leisten: Verschreiben sie einfach den Wirkstoff oder versehen sie das Rezept mit einem Vermerk, dass auch ein Generikum gegeben werden darf, dürfen die Apotheken keinen Zuschlag verrechnen.

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