Aktualisiert 12.10.2015 09:48

Grippe

Apotheker wollen impfen, obwohl sie kaum verdienen

Seit diesem Jahr können Apotheken die Grippe-Impfung anbieten – wenn das Personal die entsprechende Ausbildung hat. Doch nur fünf Kantone machen mit.

von
num
Soll in einigen Jahren Standard werden: Grippe-Impfung in der Apotheke.

Soll in einigen Jahren Standard werden: Grippe-Impfung in der Apotheke.

In den Kantonen Zürich, Bern, Freiburg, Neuenburg und Solothurn können Apotheker neuerdings ihre Kunden gegen Grippe impfen. Voraussetzung ist, dass sie über eine entsprechende Aus- und Weiterbildung verfügen. Zurzeit gibt es in der Schweiz 327 Apotheker, die diesen Fähigkeitsausweis erworben haben, 367 befinden sich laut Pharmasuisse derzeit in Ausbildung.

Um tatsächlich Kunden in der Apotheke impfen zu können, brauchen die Apotheken aber noch die Bewilligung der jeweiligen kantonalen Gesundheitsbehörden. Die Vergabe aber läuft teilweise noch harzig. Im Kanton Freiburg haben erst sieben Apotheken die Bewilligung, in Solothurn sind es nur fünf.

Anders sieht es in den grossen Kantonen aus: In Zürich wurden bis am Dienstag 24 Bewilligungen erteilt, fünf Gesuche sind noch hängig. In Bern sind es 50 Apotheker, die den Fähigkeitsausweis besitzen – wie viele sich um eine Bewilligung für das Pilotprojekt bemühen, ist noch unklar. Der Kantonsarzt rechnet aber mit bis zu 40 Gesuchen.

Warum nur in fünf Kantonen?

Dass erst in fünf Kantonen die Möglichkeit besteht, sich in der Apotheke impfen zu lassen, liegt an den jeweiligen Gesundheitsämtern. Stephanie Rohrer von Pharmasuisse erklärt: «Zustande kommt das beispielsweise auf Initiative der Kantonsparlamentarier oder der Kantonsärzte – und wenn sich da einer dagegenstemmt, wird es schwierig.» Zwar liefen in einigen weiteren Kantonen Abklärungen, «für diesen Winter dürfte es wohl nur in den besagten Kantonen möglich sein», sagt Rohrer.

Für die Apotheken lohnt sich das zusätzliche Angebot kaum. Die Ausbildung kostet, die Bewilligung schlägt in Zürich mit 120 Franken zu Buche, hinzu kommen Kosten, um die erforderliche Infrastruktur bereitzustellen. Und für eine Impfung können sie nur zwischen 30 und 40 Franken verlangen. Warum dennoch so viele Apotheker die Gelegenheit ergreifen, erklärt Michele Bordoni, Präsident des Berner Apothekerverbands: «Reiner Enthusiasmus und das Bedürfnis, sich weiterzubilden.»

Nicht für alle rentabel

Für Thomas Kurz, Vizepräsident des Solothurner Apothekervereins, sind alle diese Anforderungen derzeit eine zu hohe Hürde: «Die Ausbildung ist aufwändig und muss nach zwei Jahren wieder aufgefrischt werden.» Den Apothekern würden mit der Auffrischung unnötige Steine in den Weg gelegt, kritisiert der Präsident des Zürcher Apothekerverbands, Lorenz Schmid: «Der Kurs ist absolut nicht nötig. Die Routine ist wichtig, und die erhält man sowieso schon beim Impfen.»

Dass die Apotheker sich für den Fall eines anaphylaktischen Schocks beim Impfen ausbilden müssen, ist für Schmid unverständlich. «Den kann es theoretisch auch bei der Einnahme von Aspirin geben und kein Apotheker hat dafür jemals einen Kurs absolvieren müssen.» Trotzdem ist man bei Pharmasuisse für die Zukunft zuversichtlich. Stephanie Rohrer sagt: «Wir rechnen damit, dass es in einigen Jahren völlig normal ist, zum Impfen in die Apotheke zu gehen.»

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