Aktualisiert

Datenschutz-AlbtraumApp erkennt auf den ersten Blick, wer Sie sind

Die russische Bilderkennungs-Software der Findface-App versetzt Datenschützer in Aufregung. Die Entwickler sehen vor allem eines: das grosse Geschäft.

von
lia
1 / 2
Mit nur einem Schnappschuss lässt sich auf der russischen App Findface die Identität der Person auf dem Foto ermitteln. Trefferquote: 70 Prozent. Anfangs verkauften die Entwickler das Ganze als witzige Dating-Hilfe.

Mit nur einem Schnappschuss lässt sich auf der russischen App Findface die Identität der Person auf dem Foto ermitteln. Trefferquote: 70 Prozent. Anfangs verkauften die Entwickler das Ganze als witzige Dating-Hilfe.

Screenshot Youtube
Inzwischen ist jedoch klar, dass sie sich ihre Ziele viel höher gesteckt haben. Die Vision der Russen: In Zukunft soll jeder, der Informationen im Netz preisgibt, mit ihrer Software identifiziert werden können. Das könnte unter anderem für die Polizei, aber auch für die Werbebranche spannend sein. (Im Bild: Die Findface-Website)

Inzwischen ist jedoch klar, dass sie sich ihre Ziele viel höher gesteckt haben. Die Vision der Russen: In Zukunft soll jeder, der Informationen im Netz preisgibt, mit ihrer Software identifiziert werden können. Das könnte unter anderem für die Polizei, aber auch für die Werbebranche spannend sein. (Im Bild: Die Findface-Website)

Findface.ru

500'000 Nutzer nach drei Monaten – die App Findface hat Russland innerhalb kürzester Zeit im Sturm erobert. Das Konzept: Jeder kann jeden fotografieren, das Bild in der Anwendung hochladen und so herausfinden, wer die Person ist. Und das mit einer Trefferquote von 70 Prozent.

Und damit lässt sich ziemlich viel Blödsinn anstellen: Die Findface-App wurde sowohl von Usern zur Entanonymisierung von Porno-Stars als auch von einem Künstler zur Identifizierung von Passanten verwendet. Dies zog nicht nur den Zorn von Datenschützern, sondern auch Schlagzeilen aus aller Welt nach sich. Das Ziel, die Technologie mithilfe der App bekannt zu machen, hatten die Entwickler da bereits geschafft.

Jeder soll gefunden werden können

Bisher basieren die Treffer nur auf dem Abgleich der Fotos mit Profilbildern auf dem russischen Social Network Vkontakte, das über 200 Millionen Mitglieder zählt. Wer dort kein Profil hat, ist also sicher. Zumindest noch. Geht es nach den Entwicklern, dem 26-jährigen Artem Kukharenko und dem 29-jährigen Alexander Kabakov vom russischen Start-up N-Tech.Lab, soll sich das laut einem Bericht des «Guardian» jedoch sehr bald ändern.

Die Vision der Russen: In Zukunft soll jeder, der Informationen im Netz preisgibt, mit ihrer Software identifiziert werden können. Die Technologie könnte mit jeder Foto-Datenbank der Welt zusammenarbeiten und dabei auch noch schneller sein als jede andere Bildererkennungs-Software bisher. Viel schneller sogar. Der Algorithmus soll mehr als eine Milliarde Bilder in weniger als einer Sekunde durchforsten können. Das zumindest behauptete Kabakov in einem Interview.

«Der Mensch steht unter ständiger Beobachtung»

Sie seien bereits von der russischen Polizei kontaktiert worden, die Verdächtige mithilfe der App identifizieren konnte: «Es ist verrückt. Es waren Fälle dabei, bei denen die Ermittlungen seit Jahren stockten und jetzt abgeschlossen werden konnten», sagt Kabakov. Man stehe nun vor der Vertragsunterzeichnung mit der Stadt Moskau, um einen Weg zu finden, den Findface-Algorithmus offiziell in die Polizeiarbeit zu integrieren.

Ausserdem liesse sich die Technologie im Shoppingbereich einsetzen. Kabakov schwebt vor, dass Kunden beispielsweise beim Betrachten einer Stereo-Anlage gefilmt werden. Der Verkäufer könnte die Identität des Kunden mithilfe der Findface-Technologie herausfinden und so auf ihn zugeschnittene Werbung an diesen adressieren. «Unsere Bewegungen, Interessen und vieles mehr werden bereits aufgezeichnet. Der Mensch muss einfach verstehen, dass er in der modernen Welt immer unter technischer Beobachtung steht. Damit muss er einfach leben.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.