Sicherheit an Mega-Events: App soll Massenpaniken verhindern
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Sicherheit an Mega-EventsApp soll Massenpaniken verhindern

Forscher haben eine App entwickelt, die das Verhalten von Menschenmassen in Echtzeit berechnet - und so für Sicherheit sorgt. Erstmals zum Einsatz kommt sie in der Silvesternacht in Zürich.

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sda/owi

Um Grossanlässe sicherer zu machen, werden Besucherströme künftig in Echtzeit berechnet und auf interaktiven Karten dargestellt. Dazu haben europäische Forscher eine App entwickelt, die in der Silvesternacht in Zürich erstmals in der Schweiz zur Anwendung kommt.

Rund 200'000 Zuschauerinnen und Zuschauer sehen sich für gewöhnlich das Feuerwerk über dem Zürcher Seebecken an. Erstmals werden in diesem Jahr auch Smartphone-Besitzer dabei sein, deren Aufenthaltsort von Forschern registriert wird. Die offizielle App zum Silvesterzauber kann den Standort der Smartphone-Besitzer übermitteln und der Polizei auf einer interaktiven Karte frühzeitig zeigen, wo sich kritische Menschenansammlungen bilden (siehe Diashow). Dies teilten die ETH Zürich, die Stadtpolizei Zürich und die Veranstalter des Feuerwerks am Mittwoch mit.

Besucher werden per Push-Nachricht informiert

Kommt es zu einer kritischen Situation, kann die Polizei die Besucher mit einer Push-Nachricht auf die Smartphones warnen. So sollen dereinst Gefahren wie etwa die Massenpanik an der Loveparade in Duisburg im Jahr 2010 minimiert werden. Die Anwendung ist allerdings noch in der Entwicklungsphase und wurde bisher beispielsweise an den Olympischen Spielen in London 2012 getestet. Der Silvesterzauber ist der erste Testlauf in der Schweiz.

Nach der Katastrophe mit 21 Toten an der Loveparade in Duisburg sind die Veranstalter von Grossanlässen gewarnt. «Die App ist ein Mosaikstein, um den Silvesterzauber sicherer zu machen», sagte Thomas Irniger vom Organisationskomitee.

Denkbar ist auch, dass den Besuchern per App gesagt wird, auf welchem Weg sie das Festgelände ohne grössere Staus verlassen können. Da der Standort der Festbesucher bekannt ist, können die Nachrichten ortsbezogen verschickt werden. Gibt es beispielsweise beim Bahnhof Stadelhofen eine Überlastung, werden nur Personen informiert, die sich in der Nähe aufhalten. Die Polizei kann den Nutzern so frühzeitig die bestmögliche Alternative vorschlagen, um rasch und sicher nach Hause zu kommen.

Standortdaten sind anonymisiert

Auf die anonymisierten Standortdaten haben nur die Forscher Zugriff, nicht aber die Polizei oder die Organisatoren des Silvesterzaubers. Da keine Rückschlüsse auf Personen möglich seien, habe auch der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte nichts gegen die App einzuwenden, versicherte Martin Wirz von der ETH Zürich.

Die Handy-Besitzer machen am Versuch freiwillig mit, indem sie beim Herunterladen der offiziellen Silvesterzauber-App ihr Einverständnis dazu geben. Von der App gelangen die Handydaten zu einem Server der ETH, wo sie anonymisiert werden und von dort zur Stadtpolizei, welche Zugriff auf die interaktive Menschenmassen-Karte hat. Die App kann aber auch genutzt werden, ohne die Standortdaten freizugeben. Die Anwendung für das iPhone und Android-Geräte liefert Informationen zum Festprogramm, beinhaltet einen ÖV-Fahrplan sowie eine Übersichtskarte des Festgeländes.

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