Aktualisiert 13.01.2018 19:13

«LegalFling»App soll Sex vertraglich regeln

Anwender können Sex-Anfragen mit eigenen verbindlichen Kriterien senden. Der Vertrag sei rechtlich bindend, sagen die App-Entwickler.

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dk
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Mit der App «LegalFling» soll es bald möglich sein, sich bei Sexkontakten rechtlich abzusichern.

Mit der App «LegalFling» soll es bald möglich sein, sich bei Sexkontakten rechtlich abzusichern.

Stevan Bukvic/Valentina Sproge
«Jemanden vor dem Sex um eine Unterschrift auf einem Vertrag zu bitten, ist unangenehm. Darum haben wir ‹LegalFling› entwickelt», sagt Rick Schmitz, CEO von LegalThings.

«Jemanden vor dem Sex um eine Unterschrift auf einem Vertrag zu bitten, ist unangenehm. Darum haben wir ‹LegalFling› entwickelt», sagt Rick Schmitz, CEO von LegalThings.

Mit der App soll genau definiert werden können, welche Kriterien beim Geschlechtsverkehr zum Zug kommen dürfen.

Mit der App soll genau definiert werden können, welche Kriterien beim Geschlechtsverkehr zum Zug kommen dürfen.

Die holländische Softwarefirma LegalThings hat eine App entwickelt, mit der man für sexuelle Kontakte rechtlich verbindliche Verträge abschliessen kann. «LegalFling» bietet den Nutzern die Möglichkeit, per Tastendruck die Zustimmung für einvernehmlichen Sex zu geben.

«Jemanden vor dem Sex um eine Unterschrift auf einem Vertrag zu bitten, ist unangenehm. Darum haben wir ‹LegalFling› entwickelt», sagt Rick Schmitz, CEO von LegalThings. Mit der App soll genau definiert werden können, welche Kriterien beim Geschlechtsverkehr zum Zug kommen dürfen. Sei es Sex ohne Kondom, BDSM-Praktiken oder das Fotografieren oder Filmen des Akts – ein Bruch des Vertrags soll laut den Entwicklern rechtliche Konsequenzen haben.

Rechtssicherheit für alle

«LegalFling» wurde als Folge der #MeToo-Bewegung konzipiert. Die Entwickler wollen laut eigenen Angaben die Möglichkeit bieten, vor dem Geschlechtsverkehr genau festzuhalten, was erlaubt ist und was nicht. Über die App lässt sich das Gegenüber benachrichtigen, dass eine Anfrage über einvernehmlichen Sex eingegangen ist. Wenn die Person die Anfrage bestätigt, geht er oder sie eine rechtlich bindende Vereinbarung ein. «Nein bedeutet aber immer noch Nein», schreiben die Entwickler. Wenn während des Sex also Nein gesagt wird, habe sich die andere Person natürlich daran zu halten.

Wenn eine Person die Vereinbarung verletzt, kann er oder sie im schlimmsten Fall vor Gericht landen – so die Idee. Wenn also ein nicht für die Öffentlichkeit gedachtes Foto oder Video seinen Weg ins Internet finden würde, hätte man ein Mittel in der Hand, um die verantwortliche Person zur Rechenschaft zu ziehen. Im Gegensatz dazu soll die App auch all jenen Rechtssicherheit geben, die sich bisher vor einem falschen Vergewaltigungsvorwurf fürchteten.

Absicherung für MGTOW-Männer

«Der beste Schutz gegen Anschuldigungen ist, konsequent nur einvernehmliche Handlungen vorzunehmen», sagte Nicolas Zogg, der Pressesprecher des Schweizer Dachverbands Schweizer Männer- und Vaterorganisationen, im Zusammenhang mit MGTOW-Männern (Männer, die ihren eigenen Weg gehen), die sich vor falschen Vergewaltigungsvorwürfen fürchten. Besonders für diese Männer könnte die App also interessant sein.

Laut den Entwicklern müssen sich User auch nicht um ihre sensiblen Daten sorgen, denn jeder Vertrag sei von Blockchains abgesichert. Das sind erweiterbare Listen von Datensätzen, die durch kryptografische Verfahren miteinander verkettet sind. Damit wird beispielsweise auch die Kryptowährung Bitcoin geschützt. Apple und Google müssen «LegalFling» allerdings noch genehmigen, damit die Anwendung in den Stores zum Download bereitstehen kann.

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