06.10.2019 13:17

Überfüllte ZügeApp zeigt freie Sitzplätze, SBB lässt Kunden stehen

Die SBB liess wieder Leute wegen vollen Zügen stehen. Pendler ärgern sich, denn laut Angaben der Bahn gab es noch freie Sitzplätze.

von
ehs
1 / 11
Wer am Samstagabend ohne Reservation vom Tessin in die Deutschschweiz fahren wollte, brauchte viele Geduld. Zwei Züge nacheinander waren überfüllt, in Bellinzona durften keine Leute mehr einsteigen (Symbolbild).

Wer am Samstagabend ohne Reservation vom Tessin in die Deutschschweiz fahren wollte, brauchte viele Geduld. Zwei Züge nacheinander waren überfüllt, in Bellinzona durften keine Leute mehr einsteigen (Symbolbild).

Keystone/Gaetan Bally
Der dritte Zug dann durfte wegen der vielen Leute nicht durch den Basis-Tunnel, sondern musste die alte Bergstrecke benutzen. Das resultierte in einer Verspätung von einer Stunde.

Der dritte Zug dann durfte wegen der vielen Leute nicht durch den Basis-Tunnel, sondern musste die alte Bergstrecke benutzen. Das resultierte in einer Verspätung von einer Stunde.

Screenshot SBB
Die Züge von Zürich ins Tessin waren schon am frühen Samstagmorgen, 5. Oktober, völlig überfüllt.

Die Züge von Zürich ins Tessin waren schon am frühen Samstagmorgen, 5. Oktober, völlig überfüllt.

Leser-Reporter

Die Reise in den Süden und zurück wurde für viele SBB-Passagiere am Wochenende zur Geduldsprobe. Bereits am Samstagmorgen waren Züge in den Süden so voll, dass Passagiere aussteigen mussten, damit diese weiterfahren konnten. Aus Sicherheitsgründen dürfen Züge nur bis zu einer bestimmten Belegung durch den Gotthard-Basistunnel fahren (20 Minuten berichtete).

Am Samstagabend waren die Züge in der Gegenrichtung wieder überfüllt, so dass Passagiere in Bellinzona stehen gelassen mussten. Züge, die um 19.02 und 20.02 Uhr abfahren sollten, waren bereits komplett voll, so dass Passagiere auf den Zug um 20.32 Uhr ausweichen mussten. Weil dieser ebenfalls überbelegt war, fuhr er über die alte Bergstrecke – und kam mit einer Stunde Verspätung in Zürich an. Insgesamt kamen so bis zu zweieinhalb Stunden Verspätung für Betroffene zusammen.

Belegungsanzeige ist ungenau

Allerdings: Laut Angaben in der SBB-App waren diese Züge nicht voll, sondern sollten noch über freie Sitzplätze verfügen. Das zeigt ein Screenshot, den eine betroffene Kundin auf Twitter geteilt hat. «S0viel zur Auslastungsanzeige...», schreibt sie dazu.

SBB-Sprecher Daniele Pallecchi sagt, bei den Belegungsanzeigen handle es sich um Prognosen. Die würden zwar gewisse dynamische Entwicklungen berücksichtigen, um eine Echtzeit-Angabe handle es sich aber nicht. Die Situation am Wochenende sei speziell gewesen: Vielerorts sei Beginn der Herbstferien gewesen, gleichzeitig sei das Wetter im Norden schlecht und im Süden gut gewesen.

Nicht ohne Reservation

«An solchen Wochenenden sollen Kunden unbedingt eine Reservation vornehmen», sagt Pallecchi. Das sei direkt aus der App heraus machbar. Schweizer Kunden seien sich zwar gewöhnt, immer und überall ohne Anmeldung einen Zug benützen zu können. An solchen Extrem-Tagen ändere sich das auf den Verbindungen in den Süden aber gerade. Das sei auch Ausdruck der stark gestiegenen Nachfrage auf dieser Strecke.

Die SBB sei vorbereitet gewesen: «Jedes verfügbare Rad ist gerollt», so Pallecchi. Auch Reservezüge aus Zürich und dem Tessin seien gefahren. Der Einsatz von Doppelstock-Zügen ins Tessin sei aber noch nicht möglich. «Zwischen 7 und 9 Uhr morgens und etwa 17 und 20 Uhr abends für die Heimreise empfehlen wir eine Reservation.» Wer stressfrei reisen wolle, sollte zudem tendenziell Züge nach und von Italien meiden.

Insgesamt handle es sich nicht einmal um ein Promille der Verbindungen, für die eine Reservation nötig sei. Stressig sei die Situation indes nicht nur für die betroffenen Passagiere. «Unsere Mitarbeiter tun alles Mögliche», sagt Pallecchi. «Es tut ihnen weh, denn die Leute nicht zufrieden sind.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.