Balgach SG: Appenzeller baut allein ein 25-Tonnen-Schiff

Aktualisiert

Balgach SGAppenzeller baut allein ein 25-Tonnen-Schiff

Ein Appenzeller baut ganz alleine ein 25 Meter langes und 25 Tonnen schweres Boot. Er will den Rest seines Lebens auf dem Wasser verbringen.

von
viv

Kapitän Urs Wildisen stellt sein Projekt vor. (Video: viv)

25 Meter lang, fünf Meter breit und über 25 Tonnen schwer – Urs Wildisen arbeitet an einem Mammutprojekt. Der 58-Jährige ist dabei, sich ein grosses Schiff ganz alleine zu bauen, ohne professionelle Unterstützung. Bis auf ein paar Kollegen, die ihm hin und wieder unter die Arme greifen, muss er alles selbst machen; so hat er sich das vorgenommen

Sein Ziel ist es, den Lebensabend in den Kanälen Europas zu verbringen: «Basel, Rotterdam, Frankreich», der Appenzeller schwärmt schon von der Zunkunft. «Meine einzige Geliebte ist das Schiff», sagt er. «Schon von klein an hat es mir das Wasser angetan.»

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Urs Wildisen arbeitet in Balgach an einem Riesenprojekt.

Urs Wildisen arbeitet in Balgach an einem Riesenprojekt.

viv
Er ist dabei eine 25 Meter lange...

Er ist dabei eine 25 Meter lange...

viv
...25 Tonnen schwere...

...25 Tonnen schwere...

viv

«Schweissen konnte ich vor dem Lesen»

Wenn jemand ein solches Boot selber bauen kann, dann Urs Wildisen. Der Besitzer einer Bootsfahrschule verbrachte sein Leben auf dem Wasser, arbeitete auf Werften, war Kapitän von Frachtschiffen, Tankern und Personenschiffen. Zudem sei er schon immer technisch begabt gewesen: «Schweissen konnte ich, bevor ich lesen und schreiben gelernt habe», sagt Wildisen.

1697 Arbeitsstunden hat der Appenzeller bisher in sein Mega-Projekt gesteckt. Die Schale ist schon fast fertig. Unter Zeitdruck fühlt sich Wildisen nicht: «Ich hantiere hier rum, weil es mir Freude macht. Ich schätze, dass ich in rund zwei Jahren fertig bin, einen Termin setze ich mir aber nicht.»

Halbe Million Budget

Das Schiff soll über eine grosse Fläche an Solaranlagen verfügen. «Es fährt dann mit Hilfe der Sonnenenergie rund 10 Stundenkilometer», so Wildisen. «Wenn es mal schneller gehen muss, kann ich den Dieselmotor anwerfen.» Für sein Projekt greift der Kapitän tief in die Tasche: Das Budget liegt bei rund einer halben Million Franken.

Zu Wasser gelassen soll das Schiff dereinst in Basel werden. Konkrete Pläne wohin die Reise geht, hat Wildisen aber noch nicht: «Der Start wird von Basel nach Mainz und von dort über den den Main zum Donaukanal bis nach Wien sein», sagt er. Wie es dann weitergeht, wisse es noch nicht, er habe ja noch Zeit. Im Moment will er sich ganz auf den Schiffbau konzentrieren.

«Urs, du brennst!»

Dabei kann so manch ein Unfall passieren: Sein Hemd ist übersät mit Brandlöchern und auch seine Haut ist von so mancher Verbrennung und Schürfung gezeichnet. «Der heftigste Unfall passierte mir beim Schweissen. Mein Hemd hatte Feuer gefangen und ein Kollege schrie schon: ‹Urs, du brennst!›» erzählt der 58-Jährige. «Ich hatte nur noch drei Zentimeter Schweissnaht vor mir, also habe ich das kurz fertig gemacht. Danach musste ich mir das brennende Hemd schnell von dem Körper reissen – ist ganz schön heiss geworden.»

Fest steht schon jetzt der Name der Schiffes: «Ich werde es nach dem Sternbild Orion taufen. Der Name gefällt mir und er ist vor allem unkompliziert, sonst können ihn die Franzosen wieder nicht aussprechen», scherzt Wildisen.

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