26.10.2020 12:13

«Heute ist Zahltag»Jetzt gehen die Pflegenden auf die Strasse

Im Rahmen der nationalen Protestwoche finden an verschiedenen Orten der Schweiz Aktionen des Pflegepersonals statt.

von
Gianni Walther
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In der Zentralschweiz startete die Protestwoche des Pflegepersonals mit einer Spalieraktion vor der Kantonsratssitzung auf der Allmend in Luzern.

In der Zentralschweiz startete die Protestwoche des Pflegepersonals mit einer Spalieraktion vor der Kantonsratssitzung auf der Allmend in Luzern.

Mathias Raeber, VPOD Zentralschweiz
Wegen des Coronavirus hält der Luzerner Kantonsrat seine Session in der Messe Luzern ab.,

Wegen des Coronavirus hält der Luzerner Kantonsrat seine Session in der Messe Luzern ab.,

Wikimedia/ Messe Luzern AG
Im Kantonsratssaal sind die Platzverhältnisse zu eng.

Im Kantonsratssaal sind die Platzverhältnisse zu eng.

lu.ch

Darum gehts

  • Vor der Kantonsratssession in Luzern haben Angestellte im Gesundheitswesen protestiert.

  • In der Schweiz werden ab jetzt bis am Samstag an vielen Orten Pflegefachpersonen auf die Strasse gehen. Am Dienstag etwa gibt es Protestmärsche in Luzern, Basel und Zug.

  • Sie fordern mehr Rechte und bessere Arbeitsbedingungen.

  • Der Abschluss der Protestwoche findet am Samstag auf dem Bundesplatz in Bern statt.

In der Schweiz beginnt heute eine «Protestwoche» des Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner SB, der am Samstag in Bern seinen Abschluss auf dem Bundesplatz findet. Bereits am Montagmorgen haben sich rund 25 Personen vor der Kantonsratssitzung in Luzern zu einer Spalieraktion versammelt. Es hätten sich Personen aus allen Gesundheitsbereichen an der Aktion beteiligt, sagte Viviane Hösli, Regionalsekretärin der Gewerkschaft VPOD Zentralschweiz.

In der Zentralschweiz schlossen sich der Berufsverband für Pflegepersonal SBK und die Gewerkschaften Syna und VPOD zum Gesundheitsbündnis zusammen und organisieren verschiedene Aktionen.

Mehr Rechte und bessere Arbeitsbedingungen gefordert

Das Pflegepersonal fordert konkrete Massnahmen, um die zweite Welle an Ansteckungen mit dem Coronavirus besser bewältigen zu können und eine qualitativ hochwertige Pflege in der Zukunft zu gewährleisten. «Gesundheit darf etwas kosten», stand etwa auf einem Schild einer Protestteilnehmerin. «Applaus war gestern… heute ist Zahltag!!!», steht auf einem weiteren Schild. Damit spielt die Protestteilnehmerin auf eine Aktion hin, die im vergangenen März in der Schweiz stattgefunden hatte. An zahlreichen Orten bedankte sich die Bevölkerung für den Einsatz des Personals mit einem Applaus.

Das Zentralschweizer Bündnis etwa fordert mehr Rechte am Arbeitsplatz, bessere Arbeitsbedingungen und dass Umkleidezeit als Arbeitszeit gilt.

Applaus für das Spitalpersonal: So klatschten die Schweizer im März für die unermüdliche Arbeit der Angestellten im Gesundheitsbereich. Das Personal fordert nun abvessere Arbeitsbedingungen.

Die Forderungen bringt das Bündnis zudem in einer Petition an die Zentralschweizer Spitäler zum Ausdruck. Diese soll im Verlaufe des Novembers an die Arbeitgeber übergeben werden, wie das Bündnis in einer Medienmitteilung schreibt.

Am Dienstag finden in der Zentralschweiz zwei Spaziergänge mit dem Titel «Walk of Care» statt. Sie beginnen um 17 Uhr auf beim Mühlenplatz in Luzern und beim Gewerblich-industriellen Bildungszentrum in Zug und dauern maximal eine Stunde. In Luzern ist eine kurze Ansprache von Yvonne Ribi, Geschäftsführerin des Berufsverbands der Pflegenden, geplant.

Am Donnerstag ist eine weitere Spalieraktion vorgesehen. Und zwar in Zug: Um 7.45 Uhr versammelt sich Pflegepersonal vor der Dreifach-Turnhalle der Kantonsschule, wo das Kantonsparlament ab 8.30 Uhr tagen wird.

Politische Unterstützung für die Anliegen

In Luzern setzt sich auch die kantonale SP ein für das Pflegepersonal. Am Montag teilte die Partei mit: «Von den Balkonen und im Regierungsgebäude wurde geklatscht, die Zeit schien reif für bessere Arbeitsbedingungen für das Pflegepersonal. Doch dann passierte: nichts. Trotzdem wird nun während der zweiten Welle wieder der volle Einsatz des erschöpften Pflegepersonals erwartet.» Die SP hat deshalb in Luzern ein Vorstosspaket «zur Stärkung der Pflegeberufe» eingereicht.

Protest auch in Neuenburg

Mit einer Kundgebung vor einem Spital in Neuenburg hat am Montag eine landesweite Protestwoche des Gesundheitspersonals begonnen. Die Beschäftigten im Gesundheitswesen kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen, sie fordern eine Corona-Prämie und Lohnerhöhungen.

Das Bündnis Gesundheit kritisierte an einer Medienkonferenz die mangelnde Wertschätzung gegenüber denjenigen, die an vorderster Front gegen die Coronavirus-Pandemie kämpfen. Politische Behörden und Arbeitgeber müssten den Beschäftigten im Gesundheitswesen den grösstmöglichen Schutz bieten, anstatt ihre Rechte zu unterdrücken.

(SDA)

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