10.03.2020 12:05

Enttäuschte EntwicklerApple blockiert Schweizer Coronavirus-App

Apple hat seine Richtlinien im App Store verschärft. Fast alle Apps, die mit dem Coronavirus zu tun haben, werden darum abgelehnt. Auch Schweizer Entwickler sind betroffen.

von
B. Scherer

So hätte die Schweizer App zum Coronavirus aussehen sollen.

Eine interaktive Karte zeigt an, wo wie viele Coronavirus-Fälle vorkommen, und alle zwei bis drei Stunden gibt es eine Erinnerung daran, sich die Hände zu waschen: Diese Leistung hätte die neue Schweizer App Corona Saver angeboten. Doch daraus wird nichts – die App wurde von Apple abgelehnt.

Grund dafür sei eine Änderung in den Richtlinien des App Stores, erklärt Natanael Wildermuth. Der Entwickler wollte zusammen mit einem Kollegen eine neue Schweizer App zum Coronavirus lancieren. «Es ist schade, dass das Projekt abgelehnt wurde – es wäre eine wirklich coole und nützliche App geworden», sagt Wildermuth.

Weisung vom Bund für alle zugänglich machen

Ziel der Schweizer Entwickler war es, eine App zur Sensibilisierung der Bevölkerung zu lancieren. «Darin wären die Handlungsanweisungen des Bundes für alle Schweizer einfach zugänglich gewesen.» Zudem hätte die App die Nutzer aktiv darauf hinweisen können, die Weisungen zu befolgen.

Viel Geld und Zeit verliert Wildermuth zum Glück nicht, denn Apple hat das Vorhaben bereits im Keim erstickt. «Wir haben erst drei Tage mit einem Team in den USA und ein paar wenige Tausend Franken investiert.» Enttäuscht sei er trotzdem.

Im App Store von Google wäre die Schweizer App sehr wahrscheinlich zugelassen worden. Doch: «Dann hätten wir viele Leute nicht erreicht. In der Schweiz nutzen immerhin rund ein Drittel der Leute ein iPhone», erklärt Wildermuth.

Apps nur von Institutionen erwünscht

Dass Apple bei der Zulassung von Apps strenger ist als Google, sei nichts Neues, sagt Digitalexperte Matthias Stürmer von der Universität Bern: «Trotzdem bin ich beeindruckt, dass Apple Apps so stark reguliert.»

Konkret schreibt Apple neu vor, dass Apps, die heikle und regulierte Bereichen wie das Gesundheitssystem betreffen, nur noch von Institutionen entwickelt werden dürfen. Das heisst: In gewissen Bereichen werden Apps von einem einzelnen Entwickler nicht mehr zugelassen.

Qualität für Nutzer steigt

«Damit will Apple wohl die Verbreitung von Fake News und Verschwörungstheorien verhindern», erklärt Stürmer. Für viele Entwickler bedeute das weniger Freiheit und Innovation, dafür steige die Qualität der Apps für die Nutzer. Schliesslich können nur noch offizielle Stellen Informationen über das Virus in Apps verbreiten. «Das ist in diesem Fall sicher sinnvoll.»

Den Entwicklern rät Stürmer, mit Fachleuten von grösseren Institutionen wie Spitälern und Behörden zusammenzuarbeiten, um eine App zu lancieren. Allerdings müsse dann damit gerechnet werden, dass die Entwicklung länger dauere. Denn grössere Institutionen unterziehen den Inhalt einer längeren Überprüfung. «Ansonsten könnten Entwickler ihre Analysen und Visualisierungen auf einer Mobile-Website veröffentlichen», sagt Stürmer. Dort gebe es keine Restriktionen.

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