Keynote: Apple bringt das iPad
Aktualisiert

KeynoteApple bringt das iPad

9,7-Zoll-Display, iBooks, bis zu 64 Gigabyte Flash-Speicher und günstiger als das iPhone: Steve Jobs hat in San Francisco den lang erwarteten Tablet-PC vorgestellt, der im Vergleich mit dem Smartphone allerdings einen wichtigen Mangel hat.

von
Henning Steier und Manuel Bühlmann

Traditionell spannt der Apple-Boss seine Zuhörer am Anfang seiner Präsentationen auf die Folter. Auch seine heutige Keynote begann Steve Jobs mit Zahlen zum App Store. 140 000 der kleinen Programme für iPhone und iPod touch seien mittlerweile zu haben. «Wir haben mittlerweile über 250 Millionen iPods verkauft und 284 Apple Stores rund um den Globus eröffnet», sagte Jobs. Dann ging er relativ schnell zu dem über, worauf alle gewartet hatten. Man habe etwas zwischen Notebook und Smartphone entwickelt, sagte Jobs - den iPad. In der Präsentation war allerdings ein offensichtlicher Mangel zu sehen: Flash wird nicht unterstützt - wie man es vom iPhone kennt. Auch vom Apfel-Smartphone bekannt: Das Display lässt sich drehen und der Bildschirminhalt wandert mit. Der Apple-Chef präsentierte anschliessend zahlreiche Anwendungsbeispiele wie das bekannte E-Mail-Programm, Google Maps, iTunes Store Kalender. Fotos kann man wie gehabt nach Orten und Gesichtern sortieren.

Das iPad kommt mit einem kapazitiven 9,7-Zoll-Multitouch-Display mit einer Auflösung von 1024 x 768 Pixeln und einer Flash-Speicherkapazität von 16, 32 oder 64 Gigabyte zum Kunden. Der von Apple entwickelte Prozessor namens A4 ist mit einem Gigahertz getaktet. Das iPad misst rund 24 x 19 x 13 Zentimeter. Das Version mit WLAN bringt etwa 680, die Variante mit UMTS 730 Gramm auf die Waage. Der Akku soll seinen Angaben zufolge rund zehn Stunden reichen. Wie vermutet, sollen alle Apps auch für das iPad erhältlich sein. Ob er im Unterschied zum iPhone mehrere Anwendungen gleichzeitig ausführen kann, wurde bislang nicht erwähnt. Jobs kündigte an, das Software Development Kit noch heute freizugeben, so dass sie ihre Apps aufs iPad bringen können.

Vorerst nur in den USA erhältlich

Apples Vize-Chef Phil Schiller zeigte anschliessend die Benutzeroberfläche des Tablet-Computers, welche an das iPhone OS erinnert. Für verschiedene Anwendungen sollen jeweils spezifische Tastaturen eingeblendet werden. Für die Programme aus Apples Bürosuite iWork, Pages, Numbers und Keynote, verlangt Apple jeweils 9,99 US-Dollar. Entscheidend für einen Erfolg des iPad dürfte sein, wie stark Mobilfunkprovider ihn subventionieren. In zwei Monaten soll die Version ohne 3G weltweit angeboten werden, die Version mit WiFi und 3G in drei Monaten in den Vereinigten Staaten und ausgewählten Ländern. Steve Jobs sagte zu diesem Thema nur, dass man mit Providern verhandele und sich bis Juli geeinigt haben wolle. Steve Jobs gab einen Deal mit dem US-Provider AT&T bekannt: Für 250 Megabyte Datenvolumen werden 14,99, für eine Flatrate 29,99 US-Dollar fällig. Die Benutzung der AT&T-Hotspots ist im Preis enthalten. Laut Jobs könnten Kunden den Vertrag mit AT&T jederzeit kündigen. Die Preise liegen bei 499 Dollar für die WiFi-Version mit 16 Gigabyte. Die 64-Gigabyte-Variante kostet 699 Dollar. Die teuerste Variante mit 64 Gigabyte und 3G kostet 829 Dollar.

Kurz gesagt: Das iPad ist ein überdimensionaler iPod touch, Fotos machen kann man mit ihm nicht. Im Gegensatz zum iPod touch hat das iPad aber ein Mikrofon an Bord, so dass man über VoIP-Dienste wie Skype telefonieren kann. Allerdings fehlt dem Tablet-PC GPS, so dass man wie beim iPod touch auf per WLAN auf eine Datenbank zugreifen muss, wenn man seinen Standort bestimmen will. Diese Ortung ist verglichen mit dem iPhone allerdings ungenau. Ausserdem zeigte der Apple-Chef einiges an Zubehör für den Tablet-PC: unter anderem eine Dockingstation samt Tastatur, eine auch als Ständer nutzbare Hülle sowie einen SD-Kartenleser.

Zeitung lesen und Videos schauen

Nachdem Mark Hickey von Gameloft einen kurzen Ausblick auf den First Person Shooter «Nova» gegeben hatte, betrat Martin Nisenholtz von der New York Times die Bühne. «Unsere iPhone App wurde bereits drei Millionen Mal heruntergeladen. Aber für das iPad wollten wir etwas Spezielles entwickeln», sagte er und präsentierte ein paar Ausschnitte der Printausgabe auf dem Display. Nutzer können im Unterschied zu klassischen eBook-Readern auch direkt Videos auf einer digitalen Zeitungsseite schauen. Navigiert wird über Dropdown-Menüs, die sich direkt über die Seite legen.

Allerdings ist fraglich, ob sich mit Büchern und Magazinen für elektronische Lesegeräten das grosse Geld verdienen lässt. Denn 20 Minuten Online begab sich bereits im Herbst 2009 auf Piratenfahrt durchs Internet und fand zahlreiche Belege, dass den Verlagen ein ähliches Schicksal drohen könnte wie der Musikindustrie: Denn Bestseller und ePaper lassen sich problemlos in einschlägigen Foren finden und herunterladen.

Im Vorfeld war von vielen Tech-Bloggern spekuliert worden, dass Apple mit dem iPad Amazons eBook-Reader Kindle angreifen würde. Und genau dies kündigte Jobs an: «Amazon hat grossartige Pionierarbeit geleistet. Wir stehen auf ihren Schultern. Unsere App heisst iBooks.» Zum Start habe man unter anderem die Verlage Penguin, MacMillion sowie Simon & Schuster als Partner gewonnen. Verkauft werden die Bücher im ePub-Format über den eigenen iBookstore, der zum Marktstart des iPad in den USA verfügbar sein soll. Ob er auch in Europa zeitgleich geöffnet wird, gab Apple bislang nicht bekannt, dafür aber dass eBooks anders als auf dem Kindle angezeigt werden, nämlich wie reale Bücher mit jeweils zwei Seiten. Man kann sich aber auch nur eine Seite präsentieren lassen. «Es gibt 75 Millionen Leute, die wissen, wie man das iPad benutzt, denn so viele haben entweder ein iPhone oder einen iPod touch gekauft», gab sich Steve Jobs gewohnt optimistisch. Ausserdem habe Apple 125 Millionen Kunden-Accounts von Kunden, welche ihre Kreditkartendaten hinterlegt haben.

Neuer Versuch

Lange hatte die Welt gerätselt, ob Steve Jobs sich an seine Worte erinnern würde, die eine prominente Tech-Bloggerin ausgegraben hat. Kara Swisher erinnerte in ihrem Blog BoomTown an ein Interview, das Steve Jobs im Mai 2004 ihrem Kollegen Walt Mossberg gegegeben hatte. In diesem hatte er auf die Frage, warum Apple keinen zweiten Newton gebaut hatte, gesagt: «Ich bin genauso stolz auf die Produkte, die wir gemacht haben wie auf jene, welche wir nicht entwickelt haben.»

Apple hatte seine PDAs der Serie Newton 1993 präsentiert. Weil sie sich trotz Innovationen wie Handschrifterkennung und Touchscreen nicht durchsetzen konnte, wurde sie 1998 eingestellt - unter der Federführung von Steve Jobs. Newton war dabei der Name des Betriebssystems, der sich aber als Oberbegriff eingebürgert hat. Das Gros der Geräte wurde unter der Bezeichnung MessagePad verkauft.

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