Gratis-Software: «Apple erlaubt das nicht»
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Gratis-Software«Apple erlaubt das nicht»

Ein Porno-Modus für den Firefox und der Open-Source-Browser auf dem Handy: Über diese und weitere Neuerungen hat 20 Minuten Online mit Mozilla-Chef John Lilly gesprochen.

von
Henning Steier

Nach Googles Chrome, Apples Safari und dem Internet Explorer 8 bekommt nun auch der Firefox 3.1 den so genannten Porno-Modus. Damit werden keine Daten wie Cookies oder besuchte Seiten lokal auf dem Rechner gespeichert. Anwender können die Private-Browsing-Funktion in der kürzlich erschienenden Vorabversion der zweiten Beta bereits testen.

Aktiviert man den neuen Modus, erscheint Private Browsing in der Titelzeile. Das zurzeit verwendete Logo ist allerdings nur ein Platzhalter und soll in der fertigen Programmversion durch ein schickeres ersetzt werden.

20 Minuten Online hat mit Mozilla-Boss John Lilly über den neuen Browser und die geplante Handy-Version namens Fennec gesprochen.

20 Minuten Online: Welche Neuerungen bringt die nächste Firefox-Version noch mit?

John Lilly: Weil er die Programmiersprache Javascript, mit der viele Webelemente erstellt werden, besser verarbeiten kann, wird der Browser insgesamt schneller und stabiler laufen. Die Adresszeile kann man schon seit Firefox 3.0 als Suche für besuchte Seiten benutzen. Jetzt kann man die Ergebnisse aber nach Seitentitel und Internetadresse filtern. Ausserdem können Nutzer die Suche auf ihre Lesezeichen, vergebene Schlüsselwörter oder die Chronik beschränken.

Sehen Sie sich nach neuen Partnern um, seit Google mit Chrome ebenfalls einen Open-Source-Browser anbietet?

Bislang nicht. Wir haben noch einen Vertrag bis 2011, der regelt, wie viel Geld wir von Google bekommen, weil Suchanfragen im Firefox mit der integrierten Suchleiste auf Google umgeleitet werden.

Mozilla erhält so über 80 Prozent seiner jährlichen Einnahmen von knapp 70 Millionen US-Dollar. Grund ist vor allem der Erfolge von Firefox, der im Oktober laut Net Applications auf einen Marktanteil von 19,97 Prozent kam. Wachstum verspricht auch der Browsermarkt für Handys. Warum kommen Sie mit Ihrem mobilen Browser Fennec weder aufs iPhone noch aufs Google-Handy G1?

Ganz einfach: Apple erlaubt das nicht und Googles Handy läuft mit dem Betriebssystem Android, dessen Schnittstellen Java unterstützen. Fennec nutzt aber aber die Programmiersprachen C und C++.

Strebt Mozilla einen bestimmten Weltmarktanteil für seine Produkte an?

Firefox hat etwa 200 Millionen, unser E-Mail-Programm Thunderbird acht bis zehn Millionen Nutzer. Mozilla hat andere Ziele - wir wollen die besten Produkte für alle verfügbar machen und eine offene Internet-Kultur schaffen.

Gehört zu letztgenannter auch die geplante Weitergabe von Nutzerdaten, mit der Mozilla unlängst Schlagzeilen machte?

Das ist unglücklich gelaufen und kommuniziert worden. Klar ist: Wir werden keine Daten weitergeben, wenn die Surfer nicht zugestimmt haben. Ich plädiere hier für eine sachlichere Diskussion - zumal unser Projekt namens Data noch am Anfang seiner Entwicklung steht.

Welche von Mozilla entwickelte Anwendung würden Sie am liebsten schon morgen freigeben?

Da fällt mir spontan unser Tool namens Weave ein. Damit können Daten wie Lesezeichen, Browser-Einstellungen oder besuchte Webseiten auf einem Server abgelegt werden. So stehen sie dann auch auf anderen Rechner oder beim Surfen mit dem Handy zur Verfügung.

Surfen kann man auch mit dem Kindle. Was halten Sie von Amazons eBook-Reader?

Ich habe einen und bin zufrieden damit. Vor allem auf Reisen ist er überaus praktisch. Was mich allerdings wirklich stört: Amazon bietet keine DRM-freien, elektronischen Büchern an. Ich würde sie gern auch auf anderen Geräten nutzen können. Und der integrierte Webbrowser ist nur eine Basisversion. Auch die Auflösung des Displays und dessen Farbtiefe machen das Surfen im Web nicht gerade angenehm. Daher bin ich nur selten mit meinem Kindle im Netz unterwegs.

Zur Person:

John Lilly ist seit Januar 2008 Chef der Mozilla Corporation und für den Gratis-Browser Firefox verantwortlich. Der 37-Jährige arbeitete zuvor unter anderem für Hewlett-Packard, Sun und Apple. Lilly ist Mitgründer des Sicherheitsanbieters Reactivity, der 2007 von Cisco gekauft wurde.

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