Aktualisiert 23.01.2015 16:47

Trotz Währungsvorteil

Apple hält an hohen iPhone-Preisen fest

Viele Produkte werden durch den starken Franken günstiger. Nur Apple senkt seine Preise nicht. Die Konsumentenschützer üben Kritik.

von
cls
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Tim Cook
Tim Cook

Apple-CEO Tim Cook zeigt der Öffentlichkeit am 9. September an einer Präsentation in Cupertino das neue iPhone 6. Zweieinhalb Monate nach Verkaufsstart gibt es aber immer noch Lieferschwierigkeiten. Verzögert Apple die Produktion absichtlich?

Keystone/AP/Marcio Jose Sanchez
Experten sind sich über diese Frage uneinig. 20-Minuten-Leser U. G.* aus Zürich muss aber auf jeden Fall noch bis Januar auf sein neues Handy warten.

Experten sind sich über diese Frage uneinig. 20-Minuten-Leser U. G.* aus Zürich muss aber auf jeden Fall noch bis Januar auf sein neues Handy warten.

iPhone 6 und 6 Plus
iPhone 6 und 6 Plus

Die neuen iPhones sind riesig. Sowohl das Modell mit 4,7 Zoll als auch das iPhone 6 Plus mit 5,5-Zoll-Display sind deutlich grösser als das iPhone 5S (4 Zoll).

Keystone/Monica Davey

Der Schweizer Franken hat nach der Aufgabe des Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank gegenüber dem Euro stark gewonnen. Zahlreiche Produkte wie beispielsweise Lebensmittel werden drastisch billiger. Experten gehen auch davon aus, dass der Euro zum Dollar noch stärker abwertet – bis hin zur Parität.

Von den neuen Realitäten am Devisenmarkt profitiert auch Technologie-Gigant Apple. Der Import von US-Produkten in die Schweiz wird jetzt günstiger. So verbessert sich die Gewinnmarge der Kalifornier. Das Plus gibt Apple bis anhin nicht an seine Kunden weiter, wie die «Handelszeitung» schreibt. Das Unternehmen hält zum jetzigen Zeitpunkt die Preise für iPhones, iMacs, iPads und Co. konstant. Eine Ausnahme sind Musik-Preise. Im iTunes-Store kosten die Titel neu 1.90, 1.50 und 0.90 Franken statt bisher 2.20, 1.60 und 1.10 Franken.

Preise im App-Store erhöht

Entwickelt sich ein Wechselkurs zu Ungunsten von Apple, reagiert der Konzern aber sehr wohl. So hat das Unternehmen vor zwei Wochen die Preise von Apps in Kanada, Norwegen und in der Europäischen Union angepasst. Anwendungen der günstigsten Kategorie kosten statt 0.89 Euro jetzt 0.99 Euro. Das ist ein Plus von mehr als zehn Prozent. Apps, für die vorher 5.99 Euro fällig wurden, sind seit kurzem sogar einen ganzen Euro teurer. Das entspricht einem Plus von fast 17 Prozent.

Ein Mitgrund für diese Preiserhöhungen sind allerdings auch Mehrwertsteuer-Anpassungen in Europa. So hat die EU ihre Gesetzgebung in diesem Bereich geändert. Digitale Produkte müssen neu in dem Land versteuert werden, in dem der Kunde wohnt, was in den meisten Fällen zur Anwendung eines höheren Steuersatzes führt.

Der Technologiekonzern reagiert also im einen Fall auf veränderte Devisenkurse, im anderen nicht. Das verstimmt die Stiftung für Konsumentenschutz: «Apple nutzt seine Marktmacht aus», wie Präsidentin und SP-Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo zur «Handelszeitung» sagt.

Um einen möglichen Konjunkturabschwung einzudämmen, sei es zentral, dass diese Währungsgewinne an die Endkunden weitergegeben werden. Durch konsequente Preissenkungen könne zudem der Anreiz, im Ausland einzukaufen, reduziert werden.

Preiszuschlag Schweiz

Birrer-Heimo befürchtet, dass in vielen Branchen die Währungsgewinne von grossen Konzernen und ausländischen Produzenten ganz oder teilweise einbehalten werden und so gar nicht erst in der Schweiz ankommen. Und da oft Parallelimporte verhindert würden, sei das Problem des «Preiszuschlags Schweiz» nach wie vor gross.

Die Preise für iPhones sinken vorerst zwar nicht. Der Firma ist aber zugutezuhalten, dass die App-Preise Anfang Jahr nicht erhöht wurden, wie dies in der EU geschah. Auch die Preise für Apple-Produkte blieben in den letzten sechs Monaten konstant, obschon der Franken gegenüber dem Dollar 2014 stark an Wert verloren hat.

Andere reduzieren bereits

Andere Elektronikfachhändler haben ihre Preise bereits reduziert. Stefanie Hynek, Pressesprecherin von Digitec, sagt, bei Digitec sei es üblich, «die Preise laufend dem Marktlevel anzupassen und somit auch Preisvorteile weiterzugeben». Auch der Onlinehändler Brack.ch gibt den Effekt direkt an die Kunden weiter. «Bis dato sind bereits 10'000 Produkte im Preis reduziert worden», sagt Mediensprecher Daniel Rei zur «Handelszeitung».

Auch Media-Markt und Interdiscount haben Anfang Woche versprochen, bei allen Neubestellungen Druck auf die Lieferanten zu machen und die Währungsdifferenz unmittelbar an die Kunden weiterzugeben.

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