Autopapst Ferdinand Dudenhöffer: «Apple hat keine Chance gegen Tesla»
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Autopapst Ferdinand Dudenhöffer«Apple hat keine Chance gegen Tesla»

Kommt wirklich bald ein Apple-Auto auf die Strassen? Wer ist die Konkurrenz? Und was hat Apple der Branche zu bieten? Autopapst Ferdinand Dudenhöffer im Interview.

von
Raphael Knecht
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Apple will mit einem eigenen E-Auto Tesla Konkurrenz machen.

Apple will mit einem eigenen E-Auto Tesla Konkurrenz machen.

Details zu dem selbstfahrenden Auto sind kaum bekannt, aber es soll bereits 2024 auf den Markt kommen.

Details zu dem selbstfahrenden Auto sind kaum bekannt, aber es soll bereits 2024 auf den Markt kommen.

Illustration: Carwow.co.uk
Autopapst Ferdinand Dudenhöffer bezweifelt, dass das Auto wirklich lanciert wird.

Autopapst Ferdinand Dudenhöffer bezweifelt, dass das Auto wirklich lanciert wird.

Nicolas Blandin/dpa-tmn/dpa

Darum gehts

  • Apple tüftelt am selbstfahrenden Auto.

  • Doch technisch dürfte die Firma kaum Chancen gegen die Konkurrenz haben.

  • Ob das Fahrzeug wirklich jemals erscheinen wird, bezweifelt der Autopapst.

2024 soll ein selbstfahrendes E-Auto von Apple auf die Strassen kommen. Das wäre für den Konzern der Eintritt in den Automarkt. Sein grösster Konkurrent wäre dann Tesla. Die Informationen über den geplanten Marktstart stammen von Brancheninsidern – Apple selbst bleibt stumm. Wie wahrscheinlich es ist, dass aus dem «Project Titan» effektiv was wird, sagt Autopapst Ferdinand Dudenhöffer vom Duisburger Center Automotive Research im Interview:

Herr Dudenhöffer, Apple will bald ein E-Auto lancieren – gegen wen tritt der Konzern an?

Allen voran kommt natürlich Tesla, dicht gefolgt vom Volkswagen-Konzern. Auch in China gibt es einige Unternehmen, die schon sehr weit sind. Grundsätzlich arbeiten aber alle grossen Autobauer am eigenen E-Auto und investieren viel Geld. Ohne elektrischen Antrieb geht im Automarkt der Zukunft gar nichts.

Hat Apple überhaupt eine Chance gegen Schwergewichte wie Tesla?

Nein, Apple hat keine Chance gegen Tesla. Der Name Apple reicht nicht aus, um eine Automarke aufzubauen und sich gut zu positionieren. Der Konzern kennt sich mit Smartphones und Infotainment-Software aus – damit kann er noch nicht Auto fahren. Apple versteht nichts von E-Auto-Batterien oder -Sensoren.

Aber mit «Project Titan» sollen die Kompetenzen ja erweitert werden…

Ja, und das Projekt läuft schon seit fast zehn Jahren. Bisher konnte Apple nie eine Innovation vorweisen, die für Autos relevant wäre. Schauen Sie sich mal Tesla an: Der Autobauer bringt Jahr um Jahr neue Innovationen auf den Markt und behauptet sich so an der Spitze. Hingegen hat Apple in den vergangenen Jahren auch im Kerngeschäft mit den Smartphones seine führende Stellung nicht mit Innovationen ausbauen können.

Apple zeigte Elon Musk die kalte Schulter

Tesla könnte nach Angaben des Konzernchefs Elon Musk heute in der Hand des Softwareriesen Apple sein. Wie Musk auf dem Kurznachrichtendienst Twitter am Dienstag bestätigte, habe er sich «in den dunkelsten Tagen der Produktion des Modells 3» an seinen Apple-Kollegen Tim Cook gewandt, um einen möglichen Verkauf der Elektroautomarke zu erörtern. Aber: «Er lehnte ein Treffen ab.» Der damalige Kaufpreis hätte bei einem Zehntel des gegenwärtigen Wertes des Unternehmens gelegen, so Musk.

Nun soll Apple ein Durchbruch mit Monocell-Batterien gelungen sein. Könnte das nicht ausschlaggebend sein?

Monocell ist nicht neu. Da sind alle grossen Hersteller dran. Zudem wissen wir nichts Konkretes über den Apple-Durchbruch. Ich habe im Batteriegeschäft im Leben noch nie eine Innovation von Apple gesehen. Im Gegensatz dazu hat das Forschungsunternehmen Quantumscape erst grad angekündigt, dass man 2024 zusammen mit VW die Massenproduktion von Feststoffbatterien starten wolle. Solche Akkus bieten kürzere Ladezeiten und höhere Energiedichte – das sind konkrete Verbesserungen.

Hat Apple keine Stärken, die im Automarkt zum Tragen kommen könnten?

Apple kennt sich mit Software aus – Autos brauchen Software. Da hat der Konzern einen Zugang zum Markt. Ich könnte mir auch vorstellen, dass Apple künftig für eine Automarke den Zentralcomputer entwickelt. Aber da muss sich der Konzern auf unendlich viel Konkurrenz von anderen Softwarefirmen gefasst machen. Google etwa ist Apple Lichtjahre voraus.

Apple soll eine Auto-Lancierung für 2024 anpeilen – wird das was?

Die Wahrscheinlichkeit geht gegen null. Es gibt ja bislang auch keine offizielle Ankündigung von Apple selbst. Wenn sie doch was bringen, wird die Lebensdauer des Projekts nicht lange sein. Das ist oft so. Erinnern Sie sich, als der Staubsaugerhersteller Dyson ankündigte, ein E-Auto bauen zu wollen? Das ist auch ganz schnell wieder verschwunden. Und Google-Tochter Waymo hat Milliarden Dollar in ihr Autoprojekt gesteckt – bis heute ist daraus nichts geworden. Dabei hat Waymo sicher mehr Kompetenzen im Automarkt als Apple.

Warum will Apple überhaupt ein Auto bauen?

Der Konzern sucht seit langer Zeit ein neues Standbein, um seine starke Abhängigkeit vom Smartphonegeschäft ablegen zu können. Aber das wird nicht der Automarkt sein. Apple wird sich zurückziehen.

Fokus aufs iPhone im E-Auto

Den Bericht, dass Apple für 2024 die Lancierung eines Autos plant, wollte der Konzern bisher nicht kommentieren. Das Unternehmen hielt sich in der Vergangenheit generell sehr bedeckt, was «Project Titan» betrifft. Darum ist unklar, wie weit Apple bei der Entwicklung eines Autos ist und welche konkreten Ziele der Konzern dabei verfolgt. Das Projekt wurde 2014 ins Leben gerufen. 2017 bestätigte CEO Tim Cook erstmals öffentlich, dass Apple an Software für selbstfahrende Autos arbeitet.

Ökonom Andreas Herrmann von der Universität St. Gallen ist der Meinung, Apple sollte Batterietechnologie und Steuerungssoftware anderen Unternehmen überlassen. Dann könne der Konzern sich auf die Integration des iPhone ins eigene Smart-Auto konzentrieren: «Dass Apple das kann, daran habe ich keine Zweifel.» Würde Apple so vorgehen, sei es auch eher wahrscheinlich, dass der Konzern 2024 tatsächlich ein eigenes Auto lancieren wird. Apple könnte dann davon profitieren, dass die Firma bereits dank ihrer anderen Produkte sehr treue Kunden hat, wie Herrmann zu 20 Minuten sagt: «Es wird viele geben, die die Automarke Apple cool finden.»

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