Werbung im Klassenzimmer: Apple lockt Schweizer Lehrer mit Luxus-Trips

Aktualisiert

Werbung im KlassenzimmerApple lockt Schweizer Lehrer mit Luxus-Trips

Apple zeigt Schweizer Lehrern in Fünf-Sterne-Resorts in Irland und den USA die neusten Produkte. Zurück in der Schule sollen die Pädagogen für den IT-Konzern werben. Bestechung?

von
Stefan Heusser
Lehrer oder Jünger? Schweizer Dozenten liessen sich von Apple die Weiterbildung bezahlen.

Lehrer oder Jünger? Schweizer Dozenten liessen sich von Apple die Weiterbildung bezahlen.

Der IT-Gigant Apple lädt Schweizer Lehrer zu Weiterbildungszwecken nach Irland und in die USA ein. Dies berichtet die «Handelszeitung» am Donnerstag. Die Pädagogen wohnen Vorträgen und Workshops bei und kehren als sogenannte «Apple Distinguished Educators» aus ihren Bildungswochen zurück. Fortan «unterstützen sie den Einsatz von Apple-Produkten» an der Schule. So schreibt es Apple auf der firmeneigenen Website.

Wegen der entstehenden Abhängigkeiten zwischen Konzern und Dozenten seien solche Gratisreisen «höchst problematisch», sagt Beat Zemp, Präsident des Lehrerverbandes LCH, zu 20 Minuten. Noch weiter geht laut «Handelszeitung» Peter Baumann vom Verband der Schulleiter VSLCH: «So lassen sich Schulen kaufen und verlieren ihre Unabhängigkeit.» Die Grenze zur Bestechung und damit auch zur Illegalität sei fliessend.

Innovativ sein im Fünf-Sterne-Resort

Sechs Schweizer Lehrer sollen diesen Sommer auf Kosten des kalifornischen Konzerns ihr IT-Wissen im Fünf-Sterne-Resort «Fota Island» in Irland aufgefrischt haben. Dafür mussten sie sich bei Apple aktiv bewerben. So wie Christoph Moser, Lehrer an der HFW Bern, der dazu einen zweiminütigen Videofilm eingereicht hat: «Darin musste ich gegenüber Apple darlegen, warum ich ein innovativer Lehrer bin», wie er in der «Handelszeitung» erklärt.

Andere IT-Schwergewichte wie Microsoft, Adobe oder Samsung bemühen sich zwar auch darum, ihre Hard- oder Software in die Klassenzimmer – und damit die Hände zukünftiger User – zu bringen, doch handle es sich dabei um nicht-exklusive Angebote, auf welche die Konkurrenz zum Beispiel mit speziellen Bildungsrabatten reagieren könne, weiss Lehrer-Präsident Zemp. «Wir wollen keine amerikanischen Verhältnisse, bei denen eine Firma wie Coca-Cola die Schule sponsert, auf dem Dach ein Werbeplakat und im Eingang der Schule eine Eismaschine installiert.» Dass Apple für die Lehrertrainings implizit Gegenleistungen erwarte, liege auf der Hand.

«Sich dem Kontakt mit Firmen nicht verweigern»

Für Christian Wasserfallen, Präsident der nationalrätlichen Bildungskommission, sind die Geschäftsbemühungen Apples hingegen legitim. «Es ist wichtig, dass die Lehrer sich dem Kontakt mit Firmen und Verbänden nicht verweigern und sich möglichst breit über neue Produkte informieren. Nur so bleiben sie in der Informatik am Ball.» Nur weil einige Lehrer Apple-Fans sind, dürfe eine Schule sich zwar nicht mit Apple-Produkten ausstatten. «Doch die verschiedenen Möglichkeiten zu unterrichten muss man kennen – um sich dann für die beste Lösung entscheiden zu können.»

Keinen Mehrwert in einer Bildungsreise nach Kalifornien oder Irland sieht SP-Ständerätin Anita Fetz: «Das halte ich für äusserst fragwürdig.» Die Schule soll ihrer Ansicht nach vom Einfluss der Werbung und der Firmen frei bleiben. Lehrer, die sich von Computerkonzernen einspannen liessen, sollten erst nach Asien reisen: «Dort können sie sich ansehen, wie die Produkte, die sie propagieren wollen, hergestellt werden.»

Apple Schweiz war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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