Rückkehr ins Büro - Apple-Mitarbeitende wettern gegen Tim Cooks neue Homeoffice-Regeln
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Rückkehr ins BüroApple-Mitarbeitende wettern gegen Tim Cooks neue Homeoffice-Regeln

Der Chef des Tech-Konzerns hat genug von Videokonferenzen und ruft die Angestellten zurück ins Büro. Der Personalexperte hat kein Verständnis für den Entscheid und sieht darin fehlendes Vertrauen.

von
Fabian Pöschl
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Apple-Chef Tim Cook hat eine Rückkehr ins Büro verordnet.

Apple-Chef Tim Cook hat eine Rückkehr ins Büro verordnet.

AFP
Videokonferenzen könnten die Distanz zwar verringern,  aber nicht alles ersetzen.

Videokonferenzen könnten die Distanz zwar verringern, aber nicht alles ersetzen.

via Reuters
Deshalb sollen die Apple-Mitarbeitenden drei Tage pro Woche im Büro arbeiten.

Deshalb sollen die Apple-Mitarbeitenden drei Tage pro Woche im Büro arbeiten.

AFP

Darum gehts

  • Apple will seine Mitarbeitenden zurück ins Büro holen.

  • Einige Angestellte wehren sich dagegen.

  • Sie wollen selbst entscheiden können, wo sie arbeiten.

  • Bei Google waren die Angestellten damit erfolgreich.

Zoff im Apple-Hauptquartier in Cupertino. Die Mitarbeitenden sind sauer auf ihren Chef Tim Cook, weil er sie vom Homeoffice ins Büro zurückholen will. Ab September sollen die meisten von ihnen mindestens drei Tage in der Woche im Büro arbeiten, und zwar am Montag, Dienstag und Donnerstag.

Cook teilte den Angestellten in einem Brief mit: «Wir wissen, dass viele von Ihnen gerne wieder persönlich mit Ihren Kollegen im Büro zusammenkommen würden. Wir haben einander gefehlt.» Videokonferenzen könnten die Distanz zwar verringern, aber nicht alles ersetzen.

Google-Personal drohte mit Kündigung

Doch andere Stimmen habe Cook nicht beachtet, werfen ihm nun mehrere Angestellte in einem internen Brief vor. Sie hätten das Gefühl, sich zwischen ihren Familien, ihrem Wohlbefinden und der Zugehörigkeit zu Apple entscheiden zu müssen, wie «The Verge» berichtet.

80 Mitarbeitende unterzeichneten den Brief und fordern, selbst entscheiden zu können, wo sie arbeiten. Ein Firmen-Sprecher sagte auf Anfrage, dass Apple keinen Kommentar dazu geben will. Doch es scheint gut möglich, dass die Angestellten mit ihren Forderungen durchkommen. Denn auch Google rückte zuletzt von einer Verordnung mit weniger Homeoffice nach zahlreichen Kündigungsandrohungen vielfach wieder ab.

Vertrauen die Tech-Chefs ihren Angestellten nicht?

Dass ausgerechnet die digitalisierten Tech-Buden ihren Angestellten keine Wahl beim Homeoffice lassen wollen, ist für Personalexperte Matthias Mölleney unverständlich. «Das sind zwar coole Unternehmen, die in der Technologie top sind. Aber das bedeutet nicht, dass sie das auch im Umgang mit Menschen sind und ihren Angestellten vertrauen», so Mölleney.

Der Experte glaubt aber, dass sich der Apple-Chef einsichtig zeigen wird. «Tim Cook war wohl völlig überrascht von den Reaktionen der Mitarbeitenden und wird vermutlich Verständnis zeigen», sagt Mölleney. Ansonsten könne Apples eigentlich guter Ruf leiden und der nächste Tech-Superstar würde sich dann gut überlegen, ob er in einem Unternehmen mit einer solchen Personalkultur arbeiten möchte.

Auch für den Personalentwickler Urs Kaufmann von der Firma Consilias Partner ist das Homeoffice trotz Apples Entscheid nicht tot. «Wir haben in der Krise gesehen, dass Homeoffice funktioniert und viele Vorteile bietet», so Kaufmann. In Zukunft werde es noch mehr Mischformen geben, bei denen die Mitarbeitenden einige Tage im Büro und andere Tage zuhause arbeiten.

Trotz Pflicht wenig Homeoffice

In der Schweiz gab es trotz der bis Ende Mai bestehenden Homeoffice-Pflicht nur eine leichte Zunahme der Heimarbeit. Nur 50,9 Prozent der Erwerbstätigen arbeiteten laut einer Umfrage von Comparis im Februar mehr als einen halben Tag pro Woche zuhause. Das sind nur knapp neun Prozentpunkte mehr gegenüber 2019 (42,2 Prozent der Erwerbstätigen).

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