15.07.2020 08:40

Zwei FrontenApple muss Kunden Geld zurückzahlen und kämpft in Europa um Milliarden

Apple muss sich heute gleich mit zwei Rechtsstreiten auseinandersetzen: Einerseits können Kunden jetzt Geld für ältere, verlangsamte iPhone-Modelle verlangen, andererseits droht dem Konzern, Milliarden an Steuern nachzahlen zu müssen.

von
Dominique Zeier
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Apple muss sich in einem Rechtsstreit gegen die Rückzahlung mehrerer Milliarden Euro an Steuern in Irland rechtfertigen.

Apple muss sich in einem Rechtsstreit gegen die Rückzahlung mehrerer Milliarden Euro an Steuern in Irland rechtfertigen.

KEYSTONE
Apple argumentiert, die irische Tochter Apple Sales International (ASI) sei lediglich für den Vertrieb von Geräten des Konzerns ausserhalb Nord- und Südamerikas zuständig gewesen – während die eigentlichen Werte vor allem in den USA geschaffen worden seien.

Apple argumentiert, die irische Tochter Apple Sales International (ASI) sei lediglich für den Vertrieb von Geräten des Konzerns ausserhalb Nord- und Südamerikas zuständig gewesen – während die eigentlichen Werte vor allem in den USA geschaffen worden seien.

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Ausserdem können Apple-Kunden ab sofort Geld für ältere iPhone-Modelle zurückfordern.

Ausserdem können Apple-Kunden ab sofort Geld für ältere iPhone-Modelle zurückfordern.

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Darum gehts

  • Apple wird diese Woche an zwei Fronten belagert.
  • Einerseits können Kunden von nun an Geld für künstlich verlangsamte iPhones zurückverlangen.
  • Andererseits geht am Mittwoch der Rechtsstreit in Irland in die nächste Runde.
  • Dabei soll entschieden werden, ob Apple einen Rekordwert an 13 Milliarden Euro an Steuern nachbezahlen muss.

Apple-Kunden, die gewisse Modelle früherer iPhones gekauft haben, haben nun Anspruch auf eine Entschädigung von rund 25 Dollar pro Handy. Dies hat eine Sammelklage in den USA ergeben, die dagegen vorgegangen ist, dass das Unternehmen gewisse Smartphones nach einiger Zeit absichtlich verlangsamt hat. Insbesondere betroffen sind die Modelle iPhone 6, 6 Plus, 6S, 6S Plus, 7, 7 Plus und SE, die vor dem 21. Dezember 2017 auf den Markt gekommen sind.

Wer mehr als ein Smartphone dieser Modelle besessen hat, darf auch mehrere Klagen einreichen, berichtet CNN. Diese können online oder via Post bis zum 6. Oktober eingereicht werden. Wie hoch die Entschädigung genau sein wird, hängt allerdings davon ab, wie viele Klagen eingereicht werden. Im März hatte Apple versprochen, bis zu 500 Millionen Dollar für die Auszahlung der Kläger aufzuwenden.

Wieso hat Apple Handys künstlich verlangsamt?

Im Dezember 2017 hat Apple erstmals zugegeben, ihre Mobiltelefone nach einer gewissen Zeit absichtlich zu verlangsamen. Dies wurde mittels Software-Updates durchgeführt und führte zu vielen wütenden und aufgebrachten Kunden. Einige behaupteten, Apple verlangsame die Telefone nur deshalb, um Kunden dazu zu verleiten, die neusten iPhone-Modelle zu kaufen. Tatsächlich wurden die älteren Modelle aber verlangsamt, um Probleme mit den alten Lithium-Ionen-Batterien zu umgehen, die mit der Zeit zu plötzlichen Abstürzen des Telefons führen konnten. Apple hatte sich später für diese Praxis entschuldigt und den betroffenen Kunden einen Batterieaustausch für anfänglich 79 und später 29 Dollar angeboten.

Zweiter Rechtsstreit in Irland

Dies ist allerdings nicht der einzige Rechtsstreit, mit welchem Apple sich diese Woche herumschlagen muss. Im Streit um die Rekord-Steuernachzahlung von 13 Milliarden Euro in Irland wird an diesem Mittwoch ebenfalls die erste Gerichtsentscheidung fallen. Für die EU-Kommission könnte der politisch aufgeladene Konflikt zur wichtigen Weichenstellung in ihrem jahrelangen Ringen mit diversen Mitgliedsstaaten um Steuervergünstigungen für Unternehmen werden. Es ist gut möglich, dass der Fall nach dem Urteil des EU-Gerichts in Luxemburg in die nächste Instanz beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) geht.

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hatte Apple im August 2016 aufgefordert, die Milliardensumme in Irland nachzuzahlen, weil das Land dem Konzern eine unzulässige Sonderbehandlung bei den Steuerkonditionen gewährt habe. Irland und Apple wehren sich dagegen. Der iPhone-Konzern betonte vor dem EU-Gericht, dass die Erträge der zwei irischen Tochterfirmen, um die es geht, vor allem in den USA zu versteuern gewesen seien.

Angst vor Rufschädigung

Bei dem Streit geht es nicht nur um viel Geld. Für die in Europa oft gefeierte Kommissarin Vestager war der aufsehenerregende Fall ein Höhepunkt ihrer bisherigen Laufbahn. Eine Niederlage könnte ein entsprechend schwerer politischer Rückschlag für sie werden. Zudem könnte der Fall für weiteren Zündstoff im Streit zwischen den USA und Europa über die Besteuerung amerikanischer Unternehmen sorgen. Und für Apple geht es auch um den Ruf: Der iPhone-Hersteller will sich nicht als Steuerflüchtling und Trickser bezeichnen lassen.

Denn Apple argumentiert, die irische Tochter Apple Sales International (ASI) sei lediglich für den Vertrieb von Geräten des Konzerns ausserhalb Nord- und Südamerikas zuständig gewesen – während die eigentlichen Werte vor allem in den USA geschaffen worden seien. «Das iPhone, das iPad, der App Store und alle anderen Produkte und Dienste von Apple wurden anderswo entworfen und entwickelt.» Deswegen wäre es falsch, auf die Gewinne aus dem internationalen Geschäft, die sich in Irland ansammelten, Steuern in dem Land zu bezahlen, wenn diese bereits in den USA bezahlt wurden.

(SDA)

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13 Kommentare
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Schrottkenner

16.07.2020, 07:46

Angst vor Rufschändung? also jeder der bisschen etwas über elektrogeräte versteht würde sich nie solchen mist ins haus holen. viel zu überteuert, viel zu beschränkt, updates für hersteller im Vorab gibt es nicht erst immer hinterher, und wenn man auf die Bedienung setzt so tut es mir leid könnt Ihr euch für 1/4 des Preises einen normalen PC kaufen und Ubuntu drüber klatschen windows lässt das zu ;)

Eine Frage

15.07.2020, 11:55

Die Frau Margrethe Vestager, ist die nun juristisch oder politisch an der Sache interressiert? Wäre wohl besser wenn juristisch!

Chinese

15.07.2020, 11:00

Deshakb besitze ich auch ein günsiges, Performance starkes Xiaomi und kein Apfel.