Bargeldlos 3.0: Apple Pay könnte den Geldverkehr umkrempeln
Aktualisiert

Bargeldlos 3.0Apple Pay könnte den Geldverkehr umkrempeln

Zahlen mit dem Handy oder der Smart-Uhr: Das vom Computerkonzern Apple gestern vorgestellte neue Modell dürfte sich rasch durchsetzen.

von
Isabel Strassheim

Was zunächst wenig spektakulär neben der neuen Apple Watch und dem iPhone 6 erschien, dürfte die grösste Brisanz in sich bergen: Apple Pay, das bargeldlose Bezahlsystem, das Tim Cook gestern in Cupertino präsentiert hat. Es könnte die gute alte Kreditkarte ersetzen. Das Potenzial ist gross, denn jeden Tag werden allein in den USA Transaktionen im Umfang von rund 12 Milliarden Dollar durchgeführt.

Für das neue System ist ein NFC-Chip nötig, deswegen wird es nur für die neuen iPhones einsetzbar sein. Der berührungslose Bezahldienst ähnelt zwar den bereits im Markt befindlichen Angeboten wie etwa Google Wallet oder von Swisscoms Tapit, das seit diesem Juli lanciert ist. Android-Handys mit NFC-Chips gibt es schon, das Zahlen per Handy aber hat sich bislang nirgends durchgesetzt. Apple aber hat im Smartphone-Bereich in den USA bis heute einen Marktanteil von 40 Prozent, heisst es bei Spiegel Online. Deswegen könnte Apples neues System sich nun auch als wegweisend zeigen.

Entscheidende Marktmacht von Apple und Partnern

Partner für den Bezahldienst sind unter anderen die US-Ladenketten Staples, Subway, McDonald's, Macy's, Whole Foods, Disney, Nike und Toys "R" Us. Es ist die Marktmacht von Apple wie auch von diesen Partnern, die entscheidend ist. Zunächst startet der Dienst im nächsten Monat in den USA, wann er nach Europa kommt, ist noch unklar.

Bei Coop wie auch Migros sind sämtliche Kassen bereits mit NFC-fähigen Terminals ausgestattet. «Grundsätzlich steht der Einführung von Apple Pay bei uns sicher nichts im Weg», sagt ein Coop-Sprecher zu 20 Minuten. Auch die Kassen von McDonald's Schweiz sind schon NFC-fähig; wann das Bezahlen mit Apple Pay hier startet, ist einer Sprecherin zufolge noch offen.

Bezahlen mit der Uhr könnte sich durchsetzen

«Schafft Apple es, mit seinen neuen Geräten schnell grosse Kundenzahlen zu erreichen - und die Geschichte legt nahe, dass das klappen könnte -, könnte mit einem Mal auch das Zahlen mit dem Handy - oder der Uhr - zur Alltagsgeste werden», schreibt Spiegel Online.

Ben Milne, Chef des Internetbezahl-Networks Dwolla, bleibt allerdings kritisch: Apple Pay werde sich zwar auf einem gewissen Niveau durchsetzen, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Aber Apple müsse die hohen Transaktionskosten, die momentan noch mit dem bargeldlosen Zahlungsverkehr verbunden sind, erst noch angehen, um sich breiter durchzusetzen.

Apple hat den Vorteil, dass der Konzern auf mehreren Hundert Millionen Kreditkartendatensätzen der eigenen Kunden sitzt, heisst es auf NZZ online. Laut Apple-Manager Eddy Cue sollen demnach Kreditkartennummern weder auf Apple-Servern noch auf iOS-Geräten gespeichert werden. Jede Transaktion werde durch eine eindeutige Nummer abgesichert. Angeblich erfährt der Konzern dabei keine Details. Apple habe American Express, Mastercard und Visa im Boot, so NZZ online.

Was ist ein ? Das Kürzel steht für Nahfeldkommunikation (near field communiciation). Es ist ein international festgesetzter Standard, den nicht nur Apple, sondern auch Swisscom verwendet. Er dient der von Daten. Und wird eingesetzt bei Schliessanlagen für die Zutrittskontrolle ohne Badge oder Schlüssel. Oder für papierlose Eintrittskarten. Auch für Bezahlsysteme, die ohne Karten und berührungslos funktionieren, findet er Verwendung. (ish)

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