Aktualisiert 17.02.2016 11:46

GerichtsurteilApple soll iPhone hacken

Das FBI versucht seit zwei Monaten das Smartphone des San-Bernardino-Attentäters zu entsperren – erfolglos. Ein Gericht fordert nun von Apple ein neues Hilfsmittel.

von
ofi
Apple muss ein Hintertürchen einbauen: iphone 5C. (Archivbild)

Apple muss ein Hintertürchen einbauen: iphone 5C. (Archivbild)

EPA/Kay Niedfeld

Das FBI ist verzweifelt. Seit dem Terroranschlag in San Bernardino vor rund zwei Monaten mühen sich die Ermittler mit dem iPhone von Syed Rizwan Farook ab. Bisher ohne auf die Daten zugreifen zu können. FBI-Chef James Comey sagte sogar schon vor dem US-Senat, seine Leute seien nicht in der Lage, das Gerät zu entschlüsseln, wie die «Süddeutsche Zeitung» berichtet.

Das Problem: Auf dem iPhone 5C des Attentäters ist das Betriebssystem iOs 9 installiert, das die Möglichkeit bietet, das Gerät zu verschlüsseln. Und dieses Programm bietet einen starken Schutz. Wird zehnmal ein falsches, sechsstelliges Passwort eingegeben, werden automatisch sämtliche Daten auf dem Gerät gelöscht. Ausserdem gibt es einen Verzögerungsmechanismus, der die Passworteingabe ab dem fünften Versuch stufenweise bis zu einer Wartezeit von mehreren Jahren sperrt.

«Angemessene technische Unterstützung»

Ein US-Gericht hat nun bei Apple Unterstützung beim Entsperren des iPhones des Attentäter von San Bernardino eingefordert. Damit gerät der Konzern in der aktuellen Debatte um Verschlüsselung und Terrorbekämpfung stärker unter Druck.

Apple solle den Behörden «angemessene technische Unterstützung» beim Knacken des Passworts zum Entsperren des iPhones leisten, erklärte die kalifornische Richterin Sheri Pym. Es geht vor allem um die Aufhebung der Funktion, die alle Daten des Geräts löscht. Ausserdem solle Apple dem FBI ermöglichen, die Passwörter nicht über den Bildschirm, sondern über elektronische Schnittstellen einzugeben.

Apple wehrte sich gegen «Hintertüren»

Apple betont stets, dass der Konzern technisch nicht in der Lage sei, die Verschlüsselung der Geräte und Daten auszuhebeln. Wie andere Technologie-Unternehmen wehrt sich Apple auch vehement gegen Forderungen nach «Hintertüren» für Behörden. Das Argument ist, dass solche Lücken nicht nur von Ermittlern, sondern auch von Kriminellen ausgenutzt werden könnten.

Apple-Chef Tim Cook hat mit einem Statement auf der Apple-Website auf die Forderung reagiert. Er nennt die richterliche Forderung einen «noch nie dagewesenen Schritt, der die Sicherheit der Apple-Kunden gefährdet». Datenverschlüsselung sei von existenzieller Bedeutung. «Wir haben die Daten sogar ausserhalb unseres eigenen Zugriffs gestellt, weil wir glauben, dass der Inhalt Ihres iphones uns nichts angeht.»

Die «Washington Post» schrieb unter Berufung auf Industriekreise, für Apple sei es derzeit auch nicht möglich, die automatische Löschfunktion nach Eingabe falscher Passwörter abzuschalten. Die Firma könne theoretisch aber eine neue Software dafür schreiben.

Apple ficht FBI-Forderung an

Mit einer solchen Software könnten die Ermittler sogenannte Brute-Force-Angriffe durchführen. Dabei werden Millionen von möglichen Passwort-Kombinationen probiert, ohne die Daten auf dem Gerät zu gefährden. Selbst mit diesem Hilfsmittel könnte es aber sehr lange dauern, den Code zu knacken. Wie Matthew Green, Professor für Kryptografie an der Johns Hopkins Universität der Washington Post erklärte, könne es im Extremfall bis zu zehn Jahren dauern ein starkes, sechsstelliges Passwort zu finden.

Zwar kooperiere Apple im Rahmen seiner Möglichkeiten uneingeschränkt mit dem FBI, schreibt Cook in seinem Statement, doch die Forderung der Regierung nach einer Hintertür ins iOS-System gehe zu weit. «Wir fechten die Forderung des FBIs an, weil wir glauben, dass dadurch genau jene Freiheiten und Freiräume untergraben werden, die unsere Regierung beschützen will.» (ofi/sda)

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