Corona-Proteste : Apple und Elon Musk gegen Chinas Demonstranten

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Corona-Proteste Apple und Elon Musk helfen Chinas Regime gegen die Demonstranten 

Bei den Protesten gegen die Corona-Politik der Kommunistischen Partei und Präsident Xi Jinping mischen Techkonzerne wie Apple und Twitter mit – und unterstützen das Regime. 

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Mit starker Polizeipräsenz und … 

Mit starker Polizeipräsenz und … 

REUTERS
 … Online-Zensur reagiert China auf die Proteste gegen die staatlichen Corona-Massnahmen.

 … Online-Zensur reagiert China auf die Proteste gegen die staatlichen Corona-Massnahmen.

via REUTERS
Die Wut über die strikte Null-Covid-Politik in China hatte sich in den vergangenen Tagen in landesweiten Protesten entladen.

Die Wut über die strikte Null-Covid-Politik in China hatte sich in den vergangenen Tagen in landesweiten Protesten entladen.

via REUTERS

Darum gehts

  • China reagiert mit Online-Zensur auf die beispiellosen Proteste.

  • Apple hat dort die Funktion der Dateitransferfunktion AirDrop eingeschränkt.

  • Diese war zuvor genutzt worden, um Passanten unerkannt regierungskritische Flugblätter zu schicken.

  • Bereits 2019 hatte Apple während der Proteste in Hongkong Apps im App-Store, die Demonstranten zur Kommunikation genutzt hatten. 

  • Auf Twitter konnten am Sonntag dagegen kaum Informationen über die Proteste gefunden werden, stattdessen gab es Erotikspams, suchte man auf Chinesisch danach. 

  • Das liegt auch daran, dass alle Angestellten, die für chinesische Einflussoperationen zuständig waren, Twitter mittlerweile verlassen haben, schreibt die «Washington Post». 

China reagiert mit Online-Zensur auf die beispiellosen Proteste gegen die strengen staatlichen Corona-Massnahmen. Die Behörden löschten offenbar sämtliche Berichte zu den Protesten in chinesischen Online-Netzwerken. Suchbegriffe zu zentralen Orten der Proteste wurden aus der Online-Plattform Weibo getilgt. Auch Videos aus dem Onlinedienst WeChat verschwanden. 

Auch Apple mischt mit. Der Konzern hat in China die Dateitransferfunktion AirDrop deutlich eingeschränkt – offenbar still und heimlich beim neusten iPhone-Update, wie unter anderem  der «Guardian» berichtet.

Über AirDrop lassen sich Fotos, Videos und andere Dateien an andere Apple-Geräte in der Nähe schicken. Das Spezielle: AirDrop umgeht das Internet, weil es die Daten über ein lokales Netzwerk sendet. Damit kann so auch der Zensur ein Schnäppchen geschlagen werden.

In China wurde sie etwa genutzt, um auf gut gefüllten Plätzen unerkannt Flugblätter in Umlauf zu bringen, welche die Kommunistische Partei oder den chinesischen Präsidenten Xi Jinping kritisierten. 

Automatisch abgeschaltet

Jetzt aber können chinesische iPhone-Besitzer und -Besitzerinnen ihre Dateien nur noch während zehn Minuten an Leute senden, die sich nicht unter ihren Kontakten befinden. Dann wird die Funktion automatisch ausgeschaltet. 

Ein Student in Peking (26) bestätigte gegenüber 20 Minuten, dass er seine Airdrop-Funktion seit etwas mehr als einer Woche nur mit dieser zeitlichen Einschränkung nutzen könne. Nicht nur er geht davon aus, dass die stille Änderung der AirDrop-Funktion auf Bitten der chinesischen Regierung zurückgeht. Apple kommentierte Anfragen dazu bislang nicht.

Apple löschte Apps

Während der «Guardian» davon ausgeht, dass «das Unternehmen nun die Einführung der Funktion auf der ganzen Welt plant», schreiben andere Medien, dass die AirDrop-Änderung nur Geräte betreffe, die in China verkauft wurden. 

Die eingeschränkte Airdrop-Funktion ist nur ein Beispiel, wie Apple der chinesischen Regierung die Hand reicht. Bereits 2019 löschte das Unternehmen Apps vom App-Store, die Demonstranten während der Hongkonger Proteste gegen China zur Kommunikation und Planung nutzten. 

Auch Twitter scheint Peking Hand zu reichen

Apple scheint auch nicht der einzige Tech-Konzern zu sein, der Peking Gefälligkeiten erweist. Wer am Sonntag auf Twitter auf Chinesisch nach den Orten suchte, an denen die regierungskritischen Demonstrationen stattfanden, der erhielt statt Berichten über das Geschehen vielmehr  jede Menge Erotikwerbung. 

Die unzähligen Spam-Tweets waren mit den Städtenamen oder den genauen Orten von Demonstrationen versehen, sodass Berichte von den Protesten komplett untergingen. Einige der Konten, die den Spam verbreiteten, sollen zuvor monate- oder jahrelang keine Inhalte veröffentlicht haben, schreibt die «Washington Post». Der Verdacht liegt nahe, dass diese Konten von der chinesischen Regierung betrieben werden. 

«Alle Angestellten für chinesische Einflussoperationen sind weg»

Noch eine weitere Massnahme scheint in Gang gesetzt worden zu sein: Auf die Proteste vom Sonntag verbreitete sich auf Twitter ein inhaltlich unverfänglicher Hashtag massenhaft auf Chinesisch. Der Hashtag gehört mit mehreren Hunderttausend Beiträgen zu den am meisten genutzten chinesischsprachigen Schlagworten, so Spiegel.de. Er könnte so ebenfalls dafür sorgen, dass Informationen über die Proteste weniger leicht zu finden waren.

Diese Ablenkungsmanöver sind auch durch den neuen Kurs von Twitter-Chef Elon Musk möglich geworden. So erklärte ein ehemaliger Twitter-Mitarbeiter in der «Washington Post»: «Alle Angestellten, die für chinesische Einflussoperationen zuständig waren, haben das Unternehmen verlassen.» 

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(gux)

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