04.08.2015 15:29

Neues GeschäftsfeldApple will zum Mobilfunk-Anbieter werden

Apple möchte in Zukunft nicht nur Handys verkaufen, sondern auch ein eigenes Mobilnetz anbieten. Das Ziel: Die Kunden noch stärker an sich binden.

von
K. Wolfensberger
Apple möchte seinen Fans bald nicht nur die Hardware verkaufen, sondern auch als Mobilfunkanbieter auf dem Markt auftreten.

Apple möchte seinen Fans bald nicht nur die Hardware verkaufen, sondern auch als Mobilfunkanbieter auf dem Markt auftreten.

Bisher kennt man Apple primär als Verkäufer von hochwertiger Hardware. Ob iPhone, iPad oder Macbook – um die Produkte des Konzerns aus Cupertino ist eine Art Kult entstanden. Laut einem Bericht des Portals Business Insider möchte Apple nun auch als Mobilfunkbetreiber auftreten. Das bedeutet: Kunden würden von Apple nicht nur das Gerät kaufen, sondern auch direkt via Apple-Netz telefonieren und mobil surfen.

Um das neue Netz aufzubauen, möchte Apple mit verschiedenen bereits existierenden Anbietern kooperieren. Verhandlungen mit europäischen und amerikanischen Telekomfirmen seien bereits am Laufen, heisst es in dem Bericht. Der Vorteil für die Kunden wäre hier laut Oliver Zadori vom Vergleichsdienst Dschungelkompass, dass das Handy jeweils automatisch auf das Netz mit dem bestem Empfang umgeschaltet würde, sofern mehr als ein Netzbetreiber teilnimmt. Wann genau ein solches Netz tatsächlich lanciert wird, ist derzeit allerdings noch unklar, erste Tests seien aber laut «Business Insider» bereits geplant.

Apple hat genug Geld

Doch wie realistisch sind die Pläne? Hannes Lubich, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), geht davon aus, dass Apple der Wandel zum Mobilfunkanbieter glücken könnte. Der Grund: Apple verfügt über ausreichend finanzielle Ressourcen. «Wenn die Kriegskasse so gut gefüllt ist wie bei Apple, kann man es sich leisten, einen solchen Dienst zu Beginn querzusubventionieren», sagt Lubich zu 20 Minuten.

Oliver Bendel, ebenfalls Professor an der FHNW, ergänzt, dass es für Apple ein Vorteil sei, dass die Firma keine eigenen Netze aufbauen müsse. «Die technische Umsetzung ist somit relativ einfach und günstig», sagt Bendel. Der Konzern habe ausserdem die Macht, Preise drücken zu können, um sein Angebot für die Kunden lukrativ zu machen.

Vorteil im Vergleich zur Konkurrenz

Um im Markt Fuss zu fassen, könnte Apple ausserdem spezielle Packages anbieten, so wie dies auch andere Telekom-Firmen tun. Das heisst: Der Konzern könnte seine Geräte günstiger abgeben, falls die Kunden einen längerfristigen Vertrag abschliessen. Experte Lubich erklärt, dass Apple dann vom Netz über das Gerät bis hin zum Betriebssystem als Alleinanbieter die Beziehung zum Kunden dominieren könnte. Ein grosser Vorteil im Vergleich zur Konkurrenz.

Doch es dürfte Apple nicht nur um die Akquise von neuen Kunden gehen. «Wenn Apple alle Services aus einer Hand anbietet, dann erhält der Konzern auch die alleinige Kontrolle über alle Kundendaten», sagt Lubich. Längerfristig dürfte sich so mehr Geld verdienen lassen als durch den alleinigen Verkauf von Geräten. Denn es gilt: Wer über die Daten verfügt, kann den Nutzern am besten individuell auf sie zugeschnittene Werbung anbieten.

Private übernehmen die Infrastruktur

Schliesslich steht das Vorpreschen Apples laut Bendel noch für eine andere Entwicklung: die immer stärkere Dominanz privater Unternehmen bei der Bereitstellung zentraler Infrastrukturen. Diese ist aus Sicht der Unternehmen folgerichtig, aus Sicht der Kunden aber nicht unproblematisch. Man muss bedenken, dass Infrastrukturen früher vom Staat verantwortet wurden. «Wenn wie heute Grosskonzerne für sie verantwortlich sind, kann dies längerfristig die Informationsfreiheit gefährden», warnt Bendel.

Apple-Sim-Karte

Bereits heute bietet Apple Besitzern eines iPads die Möglichkeit eine spezielle Sim-Karte für den Gebrauch im Ausland zu kaufen: Die Apple Sim. Sie ist auch in der Schweiz erhältlich und ermöglicht es Kunden, den Mobilfunkanbieter zu wechseln und einen jeweils passenden Tarif zu finden. (kwo)

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