Aktualisiert 21.06.2010 15:22

Foxconn

Apple-Zulieferer in der Kritik

Ein Undercover-Reporter hat aufgedeckt, unter was für Arbeitsbedingungen Fabrikarbeiter in China iPhones, iPads und iPods fertigen müssen.

von
mbu
Ein Undercover-Journalist der chinesischen Zeitung «Southern Weekly» hat sich für seine Reportage in ein Foxconn-Werk eingeschlichen.

Ein Undercover-Journalist der chinesischen Zeitung «Southern Weekly» hat sich für seine Reportage in ein Foxconn-Werk eingeschlichen.

Der chinesische Konzern Foxconn ist der weltgrösste Computerzulieferer und beschäftigt alleine in seinem Werk in der südchinesischen Industriestadt Shenzhen gegen die 400 000 Mitarbeiter, schreibt die Financial Times. Das Unternehmen produziert Elektronik- und Compuertteile im Auftrag von Firmen wie Apple, Dell oder Sony. Laut einem Bericht auf dem IT-Newsportal digitimes.com wird Foxconn bis zum Jahresende 24 Millionen iPhone 4G herstellen.

In den vergangenen Monaten machte der Konzern aber in Zusammenhang mit einer unheimlichen Selbstmordreihe von sich reden. Innerhalb von sechs Monaten sollen sich insgesamt sieben Mitarbeiter in den Tod gestürzt haben. Alleine im vergangenen Monat soll es zu 30 Selbstmordversuchen gekommen sein. Die jüngste Tragödie habe sich am vergangenen Freitag ereignet.

Die chinesische Zeitung «Southern Weekly» wollte der Sache auf den Grund gehen und schickte den 20 Jahre alten Reporter Liu Zhi Yi in die Fabrik. Er arbeitete undercover während 28 Tagen am Fliessband. Der US-Blog gizmodo.com hat die Geschichte aufgenommen und ins Englische übersetzt. Der Reporter berichtet von einem enormen Druck, der auf die Arbeiter aufgesetzt wird und von extrem langen Arbeitszeiten. So seien die Mitarbeiter mehr oder weniger durchgehend im Einsatz und würden nur zum Essen und Schlafen kurze Pausen einlegen. Jeweils am zehnten des Monats wird der Lohn ausbezahlt. Er beginnt bei 130 US-Dollar monatlich. Um den Imageschaden einzudämmen sollen 100 Berater eingestellt worde sein, die das Gespräch mit gefährdeten Mitarbeitern suchen.

Ende Februar berichtete das britische Newsportal telegraph.co.uk, dass in drei Firmen, die bei Apple unter Vertrag stehen, Kinderarbeit festgestellt wurde. Sie hatten mindestens elf Personen beschäftigt, die noch keine 16 Jahre alt waren. Im jährlichen Annual Report schreibt Apple: «In jeder der drei Einrichtungen haben wir eine Überprüfung aller Beschäftigungsverhältnisse für das betreffende Jahr eingefordert, sowie eine vollständige Analyse des Rekrutierungsprozesses, um zu klären, wie Minderjährige beschäftigt werden konnten.» Apple verschwieg den Standort und die Namen der fehlbaren Unternehmen. Der Grossteil ihrer Zulieferfirmen befindet sich in China, aber auch in Taiwan, Singapur, auf den Philippinen, Malaysia, Thailand, in der Tschechischen Republik und den USA stehen Firmen unter Vertrag (20 Minuten Online berichtete).

Laut dem Bericht wurde gar in 24 Firmen der in China vorgegebene Mindestlohn von 800 Yuan (126 Franken) nicht bezahlt. Nur 65 Prozent der kontrollierten Unternehmen sollen sich an die vereinbarten Lohnvorgaben gehalten haben. Apple hat eigenen Angaben zufolge die Verantwortlichen aufgefordert, die ausstehende Differenz, Überstundenzulagen und das Krankengeld nachzuzahlen. In mindestens 55 von 102 Firmen, die Komponenten liefern, soll auch Apples vorgeschriebene Maximal-Arbeitszeit von 60 Stunden pro Woche ignoriert worden sein.

Lesen Sie auch bei unserem deutschen Partner stern.de: Thema Apple - News und Hintergründe

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