Aktualisiert 01.04.2010 11:27

BrauchtumApril, April!

Jedes Jahr werden wir von den Medien in den April geschickt. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dem Brauch?

von
dhr

Wer am 1. April die Zeitung liest, darf nicht alles glauben, was da steht. Journalisten lieben es nämlich ganz besonders, ihre Leser in den April zu schicken.

Einige Aprilscherze von Medien haben es zu Berühmtheit gebracht, zum Beispiel die «Spaghetti-Ernte in der Schweiz», mit der die BBC 1957 ihre Zuschauer narrte. Zahlreiche Zuschauer wollten die «Pflanzen» danach kaufen. Oder der Newsletter der «New Mexicans for Science and Reason», der 1998 dem US-Staat Alabama unterstellte, den Wert der Zahl Pi geändert zu haben (auf den «biblischen Wert» 3,0).

Aprilnarr und Aprilscherz

Der Brauch ist jedoch viel älter: Schon im frühen 17. Jahrhundert ist für Bayern erstmals belegt, dass jemand «in den April geschickt» wurde. Etwas später taucht dann der «Aprilnarr» auf («Heut' ist der erste April, da schickt man den Narren, wohin man will»), während der «Aprilscherz» erst im 19. Jahrhundert aufgekommen ist.

Die Formen, die das Brauchtum zum 1. April kennt, sind verschieden, aber immer ist ein Moment der Täuschung vorhanden. So gibt es den Brauch, jemandem unbemerkt einen Zettel (beispielsweise in Form eines Fischs) auf den Rücken zu heften, auf dem dann «Aprilnarr» steht. Ebenfalls beliebt sind Scherze, bei denen dem nichtsahnenden Opfer etwas Unangenehmes zum Essen angeboten wird, etwa mit Senf gefüllte Pralinen.

Feilenfett oder WLAN-Kabel

Streng genommen muss das Opfer aber irgendwohin — eben «in den April» — geschickt werden. Besonders Lehrlinge wurden früher so veräppelt: Man schickte sie in der Firma los, um Dinge zu holen, die es gar nicht gibt (Feilenfett oder, moderner, WLAN-Kabel). Diese Form gibt es auch bei den Medien — so rief «Radio Z» 2001 einen Tag der offenen Tür im Wohn-Container der Casting-Show «Big Brother» in Glattfelden aus. An die 1000 Fans fielen auf die Meldung herein.

Die meisten Aprilscherze in den Medien schicken das Publikum nur im übertragenen Sinn in den April, indem ihm nämlich eine glaubwürdig klingende Falschmeldung untergejubelt wird. Nur wer besonders aufmerksam oder misstrauisch ist, wird allenfalls durch feine Übertreibungen gewarnt.

April-Brauch auf dem Rückzug

Im privaten Umfeld schwindet der Brauch allerdings zusehends dahin. Möglicherweise ist die fehlende Kommerzialisierung der Grund dafür; schliesslich ist es nicht üblich, zum 1. April Blumen oder Geschenke zu bringen. In den Medien indes ist der Aprilscherz noch quicklebendig — passen Sie also gut auf!

1. April

Der Brauch ist in allen westeuropäischen Ländern bekannt. Gepflegt wird er aber auch in Amerika, Australien, Südafrika und Indien.

In der angelsächsisch geprägten Welt feiert man den «April Fool's Day». In Frankreich heisst der Aprilnarr «Aprilfisch» («poisson d'avril»), ebenso in Italien («Pesce d'aprile»).

In Spanien hingegen verulkt man sich nicht am 1. April, sondern am 28. Dezember, dem «Día de los Santos Inocentes» («Tag der Unschuldigen Kinder»).

Der Ursprung

des Aprilscherzes liegt im Dunkeln. Es gibt aber mehrere Erklärungen, die allesamt nicht gesichert sind:

- An einem 1. April wurde Judas Ischariot geboren, der Verräter Jesu Christi. Oder er starb an einem 1. April.

- An einem 1. April fand der Höllensturz Luzifers statt.

- Bei der Regelung des Münzwesens auf dem Augsburger Reichstag von 1530 wurde auf den 1. April ein spezieller «Münztag» ausgeschrieben — der dann doch nicht stattfand. Die Spekulanten, die darauf gesetzt hatten, verloren ihr Geld und wurden dazu noch verspottet.

- Als der französische König Karl IX. 1564 den offiziellen Jahresanfang auf den 1. Januar verlegte, feierten seine Untertanen in einigen Regionen weiterhin Ende März. Sie wurden als Aprilnarren verspottet.

- Das römische Narrenfest zu Ehren des Kriegsgottes Mars soll dem Brauch Pate gestanden sein.

- Möglicherweise liegen die Ursprünge auch im indischen «Hulfest».

- Auch das unbeständige Aprilwetter soll ein Grund für den Brauch sein.

(Quelle: Wikipedia.org)

Wer schickte Sie in den April? Schreiben Sie uns an feedback@20minuten.ch.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.