06.10.2017 03:53

Reiche Privatpatienten

Arabische Patientin liess sich 500 Decken schicken

Immer mehr reiche Patienten aus dem Ausland wollen sich am Unispital Basel behandeln lassen. Das Geschäft mit Medizintouristen aus Russland und dem Mittleren Osten boomt.

von
rob
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«Welcome at the University Hospital Basel!» – das Basler Unispital hat einen speziellen Service ausschliesslich für ausländische Patienten.

«Welcome at the University Hospital Basel!» – das Basler Unispital hat einen speziellen Service ausschliesslich für ausländische Patienten.

Die sogennanten Medizintouristen stammen meist aus Russland oder dem Mittleren Osten. Die Behandlung sowie alle zusätzlichen Dienstleistungen zahlen sie aus eigener Tasche.

Die sogennanten Medizintouristen stammen meist aus Russland oder dem Mittleren Osten. Die Behandlung sowie alle zusätzlichen Dienstleistungen zahlen sie aus eigener Tasche.

Ruesch Productions
Für das Spital ist das ein lukratives Geschäft. «Es ist ein Bereich, wo das Spital Geld verdienen kann, das wiederum den restlichen Patienten zugute kommt», erklärt Simone Rüdlin, Leiterin des International Service im Unispital.

Für das Spital ist das ein lukratives Geschäft. «Es ist ein Bereich, wo das Spital Geld verdienen kann, das wiederum den restlichen Patienten zugute kommt», erklärt Simone Rüdlin, Leiterin des International Service im Unispital.

Ruesch Productions

«Geht nicht, gibt es nicht», so das Credo des International Service des Universitätsspitals Basel. Das sagt Simone Rüdlin, Leiterin des Service-Centers im Unispital, das sich gezielt den nicht-europäischen Patienten, sogenannten Medizintouristen widmet. Ob Dolmetscher, Limousinenservice oder die Übernachtung im Les Trois Rois – zusammen mit einer Mitarbeiterin ermöglicht Rüdlin den Privatpatienten einen reibungslosen Aufenthalt im Spital und in Stadt Basel.

«Die meisten unserer Patienten stammen aus Russland und dem Mittleren Osten und schätzen die hohe Qualität des Unispitals», sagt Rüdlin. Es seien Selbstzahler, die sich an das Basler Unispital wenden. «Oft sind vermögende Menschen und solche, die den Aufenthalt von ihrer Firma oder von ihrer Regierung bezahlt bekommen.» Seit 2007 werde ihnen dieser Service und damit ein konstanter Ansprechpartner angeboten – auch, um die Klinik zu entlasten: «Wir überbrücken sprachliche und kulturelle Barrieren, die den Regelbetrieb sonst stören könnten.»

Ein lukratives Geschäft für das Unispital

Für das Unispital ist es ein lukratives Geschäft. Die Medizintouristen zahlen jegliche Zusatzleistungen sowie eine Dienstleistungspauschale, die bei einem Schweizer Patienten nicht anfällt. Berechnet wird nach einem Auslandstarif, der höher ausfällt. «Es ist ein Bereich, wo das Spital Geld verdienen kann, das wiederum den restlichen Patienten zugute kommt», erklärt die Leiterin. Besser oder schneller behandelt als ein Schweizer Privatpatient werde man deshalb nicht: «Es gibt keine Priorisierungen. Die medizinische Behandlung ist für alle gleich.»

Laut Rüdlin hat der Medizintourismus in den letzten Jahren zugenommen. Auch aufgrund von Reise-Agenturen, die gezielt medizinische Aufenthalte im Ausland organisieren. «In Russland sind solche Agenturen Usus», erzählt Rüdlin. Auch das Unispital stehe mit diesen Agenturen in Kontakt. Vermehrt würden auch Anfragen aus dem fernen China eintrudeln. Laut Rüdlin bieten die grösseren Spitäler in der Schweiz diesen Service an.

Kein Wunsch zu kurios, um nicht erfüllt zu werden

Die oft gut betuchten Medizintouristen bringen dem Unispital dabei nicht nur Geld, sondern auch kuriose Geschichten. Laut Rüdlin reiste eine Patientin aus den Arabischen Emiraten gleich mit ihrer ganzen Security-Entourage an, die sich um das Spital herum positionierte. Wieder zurück in den Emiraten meldete sie sich dann per Telefon, um 500 Decken aus dem Aufwachraum für sich und ihre Familie zu bestellen. «Sie seien so angenehm gewesen, hat sie gesagt. So etwas erlebt man aber vielleicht einmal im Leben», erzählt Rüdlin.

Einer anderen Patientin ebenfalls aus den Emiraten gelüstete es im Spital nach einem rotbackigen Apfel – und das so sehr, dass sie Rüdlin um halb 12 Uhr in der Nacht zuhause anrief. Da Rüdlin eng mit dem Trois Rois zusammenarbeitet, fragte sie telefonisch im Hotel nach, ob sie noch einen roten Apfel im Kühlraum hätten. «Der Sekretär der Patientin, den sie aus den Emiraten mitgebracht hatte, ging den Apfel schliesslich im Hotel für sie holen», schliesst Rüdlin.

Mit diesem Imagefilm wirbt das Basler Unispital um reiche, internationale Kundschaft. (Video: Universitätsspital Basel/Ruesch Productions)

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