Arabische Welt denkt über Irak-Lektion nach
Aktualisiert

Arabische Welt denkt über Irak-Lektion nach

Nach der Gefangennahme Saddam Husseins machen sich Ernüchterung und Nachdenklichkeit in der arabischen Welt breit.

Politiker und Wissenschaftler fragen sich, ob die Bilder von der Demütigung des einst so mächtigen irakischen Herrschers möglicherweise einen Lernprozess in Richtung Demokratie in Gang setzen.

Die Gefangennahme sei eine Lektion für alle, «die wissen sollten, dass Demokratie wichtig ist und dass die Menschen bei den Entscheidungen ein Mitspracherecht haben sollten», sagte der frühere jordanische Vizeministerpräsident Ajman Madschali der Nachrichtenagentur AP. «Aber unglücklicherweise haben sich viele Führungen in der arabischen Welt von ihrem Volk distanziert, und diese sollten wissen, dass sie ein ähnliches Schicksal wie Saddam haben könnten.»

Unter der Überschrift «Lektionen für Saddams Gesinnungsbrüder» schrieb der Chefredakteur der kuwaitischen Zeitung «El Sijassah», Ahmed el Dscharrallah, dass die Festnahme des gestürzten Staatschefs ein Schock sei für «alle bösen Regime, die bis jetzt dem Beispiel Saddams gefolgt sind und seine Methoden der Tyrannei und des Despotismus verwendet haben». Diese Regime wüssten, dass sie «die Gefangenen der Parolen» seien, «mit denen sie ihr Volk belügen».

In Saudi-Arabien erklärte der Politikwissenschaftler Dawud el Schirian, dass die Gefangennahme Saddam Husseins eine positive Entwicklung in der arabischen Politik sei. Für einige Herrscher könnten sich die jüngsten Ereignisse aber als weniger positiv erweisen. «Zum ersten Mal wird ein arabischer Diktator für seine Handlungen zur Rechenschaft gezogen», sagte El Schirian. Dies werde den Menschen auf der Strasse Mut machen, verstärkt ihre Rechte einzufordern. Repressive Regierungen in der arabischen Welt müssten nun erkennen, «dass eine Gesellschaft ohne Institutionen, Menschenrechte und Demokratie das gleiche Schicksal ereilen wird wie Saddams Regime».

In einigen Hauptstädten der Welt gehe die Angst um, dass die USA auch ihr Regime militärisch beseitigen und dabei erneut auf eine Zustimmung der Vereinten Nationen verzichten könnten, meint der kuwaitische Politikwissenschaftler Abdul Ridha Asiri. «Es gibt jetzt eine internationale Polizeimacht, die mit oder ohne legale Rechtfertigung intervenieren kann.» (dapd)

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