Aktualisiert 11.11.2004 11:04

Arafat: Der umstrittene Kämpfer ist gestorben

Trauer über den Tod des unermüdlichen Kämpfers für ihre Sache bei den Palästinensern - Freude über den Tod eines Terroristen in Israel. Der palästinensische Präsident Jassir Arafat ist am Donnerstag um 3.30 Uhr im Alter von 75 Jahren in einem Militärspital bei Paris gestorben.

«Ein grosses Herz hat aufgehört zu schlagen», sagte Arafats Sekretär Tajib Abdel Rachim am Morgen in Ramallah. Der Palästinenserführer war seit dem 29. Oktober in der Klinik bei Paris behandelt worden. Er litt nach Angaben der Palästinenser zuletzt an Gehirnblutung und Organversagen.

Zum amtierenden Nachfolger war nur Stunden vor Arafats Tod der bisherige Parlamentspräsident Rauhi Fattuh ernannt worden. Der Präsident hatte seit Tagen in einem tiefen Koma gelegen.

Vor Arafats Hauptquartier in Ramallah fuhren am frühen Morgen Autos mit schwarzen Fahnen, während in den Radiosendern aus dem Koran gelesen wurde. Das PLO-Exekutivkomitee will am Morgen über die weiteren Schritte nach dem Tod von Jassir Arafat beraten.

Trauerfeier am Freitag

Für Arafat soll in Kairo eine Trauerzeremonie ausgerichtet werden. Begraben werden soll der Palästinenserführer, der die Politik im Nahen Osten über Jahrzehnte mitbestimmt hat, auf dem Gelände seines Hauptquartiers in Ramallah.

Arafats Sekretär rang beim Verlesen einer vorbereiteten Würdigung zum Teil mit den Tränen. Der Palästinenserführer habe eine «grenzenlose Liebe» für das palästinensische Volk gehabt, welches er dem Traum von einem palästinensischen Staat näher gebracht habe, sagte Rachim.

Bereits kurz nach dem Tod von Arafat sprachen Politiker auf der ganzen Welt ihr Beileid aus, darunter auch Bundesrat Joseph Deiss. «Ich möchte dem palästinensischen Volk das aufrichtige Beileid aussprechen, jetzt, da der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde gestorben ist», sagte der Bundespräsident. Deiss würdigte Arafat als offene und charismatische Persönlichkeit.

Der französische Präsident Jacques Chirac würdigte derweil Arafats Mut und festen Überzeugungen. Arafat habe den palästinensischen Kampf für einen eigenen Staat verkörpert, erklärte Chirac in Paris.

Kondoliert auch auch Israels Verbündeter, US-Präsident George W. Bush. Der Tod des 75-Jährigen sei ein bedeutsamer Augenblick für die Palästinenser und deren Streben nach Frieden und einem unabhängigen Staat, der mit seinen Nachbarn in Frieden lebe, erklärte Bush in Washington.

Widerstandskämpfer

Arafats Lebensziel war die Schaffung eines Staates für sein Volk. In seinem jahrzehntelangen Kampf dafür stieg er von einer Ikone der Guerillakämpfer in aller Welt zu einem Friedensnobelpreisträger auf.

Seit dem Scheitern eines Nahost-Gipfeltreffens in den USA im Jahr 2000 wurde der Friedensprozess jedoch wieder unter Gewalt und Terror begraben.

In jüngster Zeit formierte sich auch unter den Palästinensern verstärkt Widerstand gegen Arafats Führungsstil. Seine Kritiker warfen ihm Korruption, Vetternwirtschaft und eine weitgehende Konzentration der Macht in seinen Händen vor.

In den letzten drei Jahren isolierte ihn die israelische Regierung in seinem Hauptquartier in Ramallah von der Welt. Ministerpräsident Ariel Scharon machte ihn für Terroranschläge auf Israelis verantwortlich und drohte ihm sogar die gezielte Tötung an.

(sda)

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