Basel: Gericht verdonnert Maturanden dazu, vierte Klasse zu wiederholen

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BaselGericht verdonnert Maturanden dazu, vierte Klasse zu wiederholen

Weil er 24 Prozent seiner Maturarbeit «weitgehend wörtlich» aus dem Internet kopiert hatte, ohne Quellen anzugeben, schloss ihn das Rektorat von der Maturprüfung aus. Dagegen wehrte sich der Gymnasiast vor Gericht – und verlor.

von
Steve Last
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Ein Basler Gymnasiast wurde von der Maturprüfung 2022 ausgeschlossen.

Ein Basler Gymnasiast wurde von der Maturprüfung 2022 ausgeschlossen.

Pexels/Armin Rimoldi (Symbolbild)
Statt die Quellen sauber anzugeben, soll er rund ein Viertel seiner Maturarbeit «weitgehend wörtlich» aus dem Internet kopiert haben, so der Vorwurf des Rektorats.

Statt die Quellen sauber anzugeben, soll er rund ein Viertel seiner Maturarbeit «weitgehend wörtlich» aus dem Internet kopiert haben, so der Vorwurf des Rektorats.

Pexels/Lum3n (Symbolbild)
Der Fall landete vor dem Appellationsgericht. Das Gericht anerkannte zwar, dass der Rektor den Entscheid nicht habe allein fällen dürfen. Dieser werde damit aber nicht nichtig und die Konsequenzen blieben bestehen.

Der Fall landete vor dem Appellationsgericht. Das Gericht anerkannte zwar, dass der Rektor den Entscheid nicht habe allein fällen dürfen. Dieser werde damit aber nicht nichtig und die Konsequenzen blieben bestehen.

Kanton BS/Juri Weiss

Darum gehts

  • Das Rektorat eines Basler Gymnasiums schloss einen seiner Maturanden von der Prüfung im Jahr 2022 aus. 

  • Der Gymnasiast soll 24 Prozent seiner Maturarbeit ohne Quellenangaben aus dem Internet kopiert haben.

  • Der junge Mann wehrte sich gegen die Strafe. Trotz Fehler des Rektors muss er die vierte Klasse aber wiederholen.

Beim Abschreiben ertappt wurde ein Maturand im Kanton Basel-Stadt. Knapp ein Viertel seiner Maturarbeit soll der Gymnasiast «weitgehend wörtlich» aus dem Internet kopiert haben, ohne Quellen angegeben zu haben, so der Vorwurf des Rektorats. Dieses habe daraufhin verfügt, dass der junge Mann im 2022 seine Maturprüfung nicht ablegen, dafür die vierte Klasse wiederholen kann. Dies geht aus einem kürzlich veröffentlichten Urteil des Appellationsgerichts Basel-Stadt hervor.

Gegen diesen Entscheid wehrte sich der Gymnasiast zunächst beim Erziehungsdepartement, das seine Beschwerde abwies. Dann wandte er sich an den Regierungsrat, der den Rekurs ans Appellationsgericht weitergab. Der Maturand forderte, dass seine Maturarbeit benotet und er die mündliche Prüfung dazu nachholen kann. Zudem solle er zu allen Maturprüfungen dieses Jahr zugelassen werden.

«Mangelhaft, aber nicht böswillig falsch»

Der anwaltlich vertretene Gymnasiast griff die Entscheidung des Rektorats, ihn von den Prüfungen auszuschliessen, vor allem in einem Punkt an. Zunächst sei das Rektorat gar nicht dafür zuständig, über die Zulassung oder Nichtzulassung zu entscheiden. Dadurch sei die gegen ihn ausgesprochene Strafe ohnehin nichtig. Damit spiele es auch keine Rolle, dass er seine Beschwerde zu spät einreichte.

Aus einem nichtigen Entscheid dürften keine Konsequenzen entstehen. Zudem klagte er, die Nichtzulassung sei unverhältnismässig, da er «zwar mangelhaft, aber nicht böswillig falsch zitiert» habe. Hingegen werde er durch die Sanktion «in seiner Ausbildung schwer beeinträchtigt».

Rektor handelte nicht richtig, aber der Entscheid bleibt

Das Gericht anerkannte, dass die Schulleitung – also der Rektor – den Maturanden nicht habe von den Prüfungen ausschliessen dürfen, ohne die Schulkommission einzubeziehen. Denn gemäss Verordnung des Kantons müsse den Entscheid über den Ausschluss die Kommission auf Antrag des Rektors treffen, nicht dieser alleine. Dennoch wies das Gericht die Beschwerde des Gymnasiasten ab. Denn der Rektor habe seinen Entscheid zwar anfechtbar gemacht, jedoch nicht nichtig. Die Folgen für den Maturanden bleiben damit in Kraft.

Weiter sah das Gericht die Schwere des Ausschlusses nicht so schwer, wie der Gymnasiast. Es sei im Schulwesen «nicht ungewöhnlich, dass Schülerinnen und Schüler aufgrund ungenügender Leistungen ein Schuljahr wiederholen müssen», heisst es. Der Kläger wird also die vierte Klasse wiederholen müssen und seine Matur im 2023 ablegen müssen, sofern er den Fall nicht vor Bundesgericht zieht.

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