Contact-Tracing Thurgau: «Arbeit wird höher gestellt als Gesundheit der Mitarbeiter»

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Contact-Tracing Thurgau«Arbeit wird höher gestellt als Gesundheit der Mitarbeiter»

In Felben-Wellhausen arbeiten die Contact-Tracer in einem Grossraumbüro. Das passt nicht allen, denn im Thurgau gilt nach Möglichkeit eine Homeoffice-Pflicht. Die Verantwortlichen erklären sich.

von
Michel Eggimann
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Eine Mitarbeiterin des Contact-Tracing-Teams der Lungenliga Thurgau beklagt sich über die Arbeitsbedingungen. Hier im Bild Regierungsrat Urs Martin, Koordinatorin Contact Tracing Melany Vuichet und der Geschäftsführer Lungenliga TG, Hugo Bossi. 

Eine Mitarbeiterin des Contact-Tracing-Teams der Lungenliga Thurgau beklagt sich über die Arbeitsbedingungen. Hier im Bild Regierungsrat Urs Martin, Koordinatorin Contact Tracing Melany Vuichet und der Geschäftsführer Lungenliga TG, Hugo Bossi.

Lungenliga Thurgau
Sie findet es unverständlich, dass sie für ihre Arbeit als Contact-Tracerin – trotz Homeoffice-Pflicht nach Möglichkeit – ins Grossraumbüro muss. 

Sie findet es unverständlich, dass sie für ihre Arbeit als Contact-Tracerin – trotz Homeoffice-Pflicht nach Möglichkeit – ins Grossraumbüro muss.

20 Minuten
Sie erklärt: «Wir arbeiten mit unseren eigenen Handys und unseren eigenen Laptops. Homeoffice ist somit kein Problem.» (Symbolbild aus Zürich)

Sie erklärt: «Wir arbeiten mit unseren eigenen Handys und unseren eigenen Laptops. Homeoffice ist somit kein Problem.» (Symbolbild aus Zürich)

20 Minuten

Darum gehts

  • Die Thurgauer Regierung verhängte eine Homeoffice-Pflicht, sofern es die betrieblichen Umstände zulassen.

  • Die Contact-Tracer in Felben-Wellhausen arbeiten trotzdem in einem Grossraumbüro.

  • Eine Mitarbeiterin hat dafür nur wenig Verständnis und begrüsst Homeoffice.

  • Die Verantwortlichen sind der Meinung, bei Homeoffice würde die Qualität der Arbeit leiden.

Im Kanton Thurgau gilt seit letztem Mittwoch «eine Homeoffice-Pflicht, sofern es die betrieblichen Umstände zulassen». Das hat die Regierung des Kantons verordnet. Für die Contact-Tracer in Felben-Wellhausen hat sich die Arbeitssituation dadurch aber nicht verändert. Eine der Mitarbeiterinnen sagt: «Wir sitzen dort in einem Grossraumbüro mit über 50 Plätzen. Es gibt Platzmangel. Aber wir halten Abstand und tragen immer Masken.»

Dennoch versteht die Contact-Tracerin nicht, warum sie nach der Verschärfung der Vorschriften nach wie vor ins Büro müssen und nicht im Homeoffice arbeiten können. Sie erklärt: «Wir arbeiten mit unseren eigenen Handys und unseren eigenen Laptops. Homeoffice ist somit kein Problem.»

Gewissenskonflikt

Die Mitarbeiterin hat sich erkundigt, warum sie weiterhin vor Ort sein müssen. Die Begründung sei gewesen, dass die Qualität darunter leiden würde, wenn die Mitarbeitenden von zu Hause aus arbeiten würden. Das Contact-Tracing müsse jetzt funktionieren. Ihr Fazit: «Somit wird die Arbeit höher gestellt als die Gesundheit der Mitarbeiter.» Für sie sei es unverständlich, den Menschen am Telefon zu erklären, wie sie sich zu verhalten hätten und möglichst zu Hause zu bleiben, aber selbst im Grossraumbüro zu arbeiten.

Präsenz vor Ort bringt Vorteile

Zuständig für das Contact-Tracing ist im Kanton Thurgau die kantonale Lungenliga. Mediensprecherin Janina Diethelm sagt: «Alle bei der Lungenliga – bei denen es betrieblich möglich ist – machen Homeoffice. Im Contact-Tracing wird aus Qualitätsgründen darauf verzichtet.» Sie führt aus, die Teammitglieder seien meist noch nicht lange dabei und arbeiteten auch Teilzeit, zudem gebe es täglich Änderungen. Im Arbeitsalltag seien viele kurze Absprachen notwendig und da sei die Präsenz vor Ort von Vorteil. «Wir wollen ein effizientes und zuverlässiges Contact-Tracing gewährleisten», so Diethelm.

Das Team der Contact-Tracer ist im Thurgau seit Beginn des Tracings stark gewachsen. Am Anfang mit nur wenigen Mitarbeitern seien noch alle im Homeoffice gewesen. «Dann wurde das Team grösser und wir haben gemerkt, dass es nicht mehr funktioniert. Es wurde eine Grenze erreicht», meint Diethelm. Man habe sich auch mit den kantonalen Behörden ausgetauscht.

Laut der Mediensprecherin der Thurgauer Lungenliga werden auch im Grossraumbüro die Hygienemassnahmen eingehalten und es wird regelmässig gelüftet.

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