Arbeiten ab 50 - aber wo?
Aktualisiert

Arbeiten ab 50 - aber wo?

In Sonntagsreden sind ältere Arbeitnehmende begehrt. Die Realität sieht laut Gewerkschaften anders aus.

Immer weniger ältere Arbeitnehmende gehen in der Schweiz einer Erwerbsarbeit nach. Die Erwerbsquote der älteren Beschäftigten ist laut Gewerkschaftsinformationen in den letzten 15 Jahren ständig gesunken und liege mittlerweile noch bei 67,7 Prozent, stellte SGB-Präsident Paul Rechsteiner am Dienstag vor den Medien in Bern fest.

Frühpensionierung für alle

Der freiwillig gewählte Ausstieg (Frühpensionierung) sei heute das Privileg hoher Einkommen. Häufig stehe das vorzeitige Ausscheiden mit gesundheitlichen Problemen im Zusammenhang. Die IV- Quote der Männer vor dem ordentlichen Rentenalter sei enorm hoch, so Rechtsteiner.

Immer häufiger sind laut SGB aber die Fälle des unfreiwilligen Ausscheidens aus dem Erwerbsprozess. Diese Menschen seien meist ohne reale Chancen, im Alter von 55 bis 65 Jahren noch eine Arbeitsstelle finden zu können.

Der SGB fordert daher ein Recht auf einen flexiblen Übergang in die Pensionierung auch für untere und mittlere Einkommen. Ältere Arbeitnehmende sollten das Recht auf eine Frühpensionierung in der AHV ab Alter 62 haben. Arbeitnehmende in gesundheitlich besonders belastenden Berufen sollten ab Alter 60 eine Überbrückungsrente erhalten.

Möglichkeit zur Arbeitszeitreduktion

Ab 55 Jahren sollen laut SGB die Beschäftigten ausserdem ihren Stellenumfang um 10 bis 20 Prozent kürzen können. Dabei soll durch Änderungen bei den Sozialversicherungen die volle Versicherung für den Lohn für 100 Prozent weiter gelten.

Wer gesund sei und an seinem Arbeitsplatz geschätzt und anständig behandelt und bezahlt werde, der werde in der Regel bis zum ordentlichen Rentenalter weiter arbeiten wollen, heisst es beim SGB. Es brauche eine betriebliche Alterspolitik, welche die Diskriminierung älterer Beschäftigter bekämpfe und vermeide, das gelte insbesondere für die Weiterbildung.

Als rein theoretische Diskussion und völlig realitätsfremd bezeichnete Rechsteiner die Idee einer Erhöhung des Rentenalters. Dieser unsoziale Ansatz diene lediglich zur Legitimation von Rentenkürzungen. Älteren Beschäftigten müsse mit mehr Rechten die Möglichkeit gegeben werden, überhaupt bis zum bisherigen Rentenalter zu arbeiten.

«Unternehmen verhalten sich heute gegenüber älteren Beschäftigten prohibitiv», betonte auch SGB-Vizepräsident Andreas Rieger. Ab 45 Jahren seien Stellenwechsel kaum noch möglich, die Langzeitarbeitslosigkeit besonders hoch und Bewerbungen würden oft schon gar nicht mehr angeschaut.

Lebenslanges Lernen

Statistiken bewiesen, dass ältere Angestellte sehr flexibel und anpassungsfähig seien. Sie seien bereit, niedrige Anstellungsgrade und sinkende Löhne in Kauf zu nehmen. Das grösste Problem sei die Entwertung der Ausbildung, stellte Rieger fest. Punkto Weiterbildung am Arbeitsplatz sei die Schweiz ein Entwicklungsland. Für alle Beschäftigten, besonders auch für ältere Arbeitnehmende, brauche es einen jährlichen bezahlten Weiterbildungsurlaub von fünf Tagen.

Der SBG fordert im weiteren eine kostenlose professionelle Standortbestimmung zwischen 45 und 50 Jahren. Diese soll die vorhandenden Qualifikationen aufzeigen und notwendige Weiterbildung oder Umschulung anzeigen. Die Kosten dafür soll ein überbetrieblicher Fonds übernehmen. (sda)

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