01.04.2020 17:19

Avenir Suisse

Arbeiter sollen nachts ran wegen Corona-Gefahr

Avenir Suisse fordert, dass an sieben Tagen gearbeitet werden kann. Verbände unterstützen das Begehren. Die Unia hält nichts von diesem Vorschlag.

von
bsc
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Die Denkfabrik Avenir Suisse fordert eine Lockerung des Arbeitsrechts. Das würde vor allem den Verkauf und die Logistik betreffen.

Die Denkfabrik Avenir Suisse fordert eine Lockerung des Arbeitsrechts. Das würde vor allem den Verkauf und die Logistik betreffen.

So würden Ladenöffnungszeiten verlängert und Läden auch am Sonntag offen haben. Der Detailhandelsverband Swiss Retail Federation stimmt Avenir Suisse zu, dass eine Lockerung des Arbeitsgesetzes und der Ladenöffnungszeiten in Krisenzeiten helfen könne.

So würden Ladenöffnungszeiten verlängert und Läden auch am Sonntag offen haben. Der Detailhandelsverband Swiss Retail Federation stimmt Avenir Suisse zu, dass eine Lockerung des Arbeitsgesetzes und der Ladenöffnungszeiten in Krisenzeiten helfen könne.

Keystone/Marcel Bieri
So wären Nachtarbeit und flexible Öffnungszeiten zu Beginn der Hamsterkäufe sinnvoll gewesen.

So wären Nachtarbeit und flexible Öffnungszeiten zu Beginn der Hamsterkäufe sinnvoll gewesen.

Keystone/urs Flueeler

Um das Coronavirus einzudämmen und die Wirtschaft am Laufen zu halten, fordert die Denkfabrik Avenir Suisse eine Lockerung des Arbeitsgesetzes. «Wir sprechen uns für eine Lockerung des Arbeitsgesetzes in allen Branchen aus, in denen eine erhöhte Nachfrage durch die Corona-Krise entstanden ist», sagt Forschungsleiter Patrick Dümmler.

So solle ermöglicht werden, dass in Schichten rund um die Uhr gearbeitet werden kann. Dadurch werde auch das Social Distancing besser erfüllt, weil nicht alle Mitarbeiter gleichzeitig arbeiten müssten. Statt 8,4 Stunden könnte dann in Schichten von bis zu 12 Stunden gearbeitet werden. «Natürlich müssen innerhalb einer Schicht entsprechende Ruhezeiten ermöglicht werden», so Dümmler.

Hamsterkäufe besser managen

Von dieser Massnahme wäre vor allem der Detailhandel betroffen. Die Denkfabrik fordert längere Öffnungszeiten und dass Läden auch am Sonntag geöffnet sind. So würden sich die Ladenbesuche besser verteilen. Zuschläge für die Mehrarbeit, das Arbeiten an Sonn- und Feiertagen sowie in der Nacht sollten dabei grundsätzlich beibehalten werden. «Aber auch hier braucht es eine gewisse Flexibilität», sagt Dümmler.

Der Detailhandelsverband Swiss Retail Federation stimmt Avenir Suisse zu, dass eine Lockerung des Arbeitsgesetzes und der Ladenöffnungszeiten in Krisenzeiten helfen könne. So wären Nachtarbeit und flexible Öffnungszeiten zu Beginn der Hamsterkäufe sinnvoll gewesen, denn damit hätte das Auffüllen der Regale von den Kundenströmen getrennt werden können und so hätten auch die Mitarbeiter geschützt werden können, erklärt Geschäftsführerin Dagmar Jenni. Allerdings seien die grössten Hamsterkäufe vorüber und das Thema sei inzwischen nicht mehr so aktuell.

Auch die Logisitk soll laut Avenir Suisse 24 Stunden an sieben Tagen laufen. Dafür müsse das Sonntags- und Nachtfahrverbots für Lastwagen aufgehoben werden. Diese Massnahmen würde auch Handel Schweiz, der Dachverband des Schweizerischen Handels, befürworten: «Wenn rund um die Uhr gearbeitet werden könnte, würde das die Lieferketten entlasten», erklärt der Verbandsdirektor Kaspar Engeli, denn im Moment komme es zu gewissen Zeiten immer wieder zu Überlastungen. Weil die Massnahmen temporär wären und dadurch Stellen gesichert würden, wären laut Engeli wohl auch viele Arbeitnehmer bereit, so zu arbeiten.

Mehr Schutz, nicht weniger

Die Unia spricht sich ganz klar gegen den Vorschlag der Avenir Suisse aus: «Es braucht sicherlich keine Gesetzesänderung», sagt der Unia-Kommunikationsverantwortliche Serge Gnos. Die Arbeitnehmer im Verkauf und in der Logistik brauchten zurzeit mehr Schutz und nicht weniger.

Denn gerade in diesen Branchen würden die Menschen besonders belastet und benötigten deshalb einen besseren Gesundheitsschutz. Zudem seien längere Ladenöffnungszeiten vonseiten der Kunden gar nicht gefragt: «Das zeigt die Massnahme der Migros, die die Öffnungzeiten nun verkürzt – unter anderem weil weniger Menschen in die Läden gehen», sagt Gnos.

Dass Lastwagen auch in der Nacht fahren sollen, davon hält die Unia ebenfalls nichts. Das führe nur zu übermüdeten Fahrern auf der Strasse, und das sei gefährlich. Eine Änderung des Arbeitsgesetzes lehnt die Unia grundsätzlich ab. Es sei aber sinnvoll, im gesetzlichen Rahmen nach Lösungen zu suchen, so Gnos. Unternehmen könnten sich auch mit den bestehenden Gesetzen neu organisieren, damit die Produktion unter Einhaltung der Schutzmassnahmen des Bundes weiter aufrechterhalten werden könne.

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