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3 mit Sex«Arbeitest du heute im Homo-Office?»

Lars erzählt von drei Situationen an der Grenze zur Schwulenfeindlichkeit.

von
Lars
Meret Steiger
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Lars erzählt von drei Situationen, in denen er «schwulenfeindliche Vibes» empfangen hat.

Lars erzählt von drei Situationen, in denen er «schwulenfeindliche Vibes» empfangen hat.

Anna Deér
Er ist ein schwuler Designer aus dem Aargau, WG-Mami und wilder Single, der gut mit Hammer und Nägeln umgehen kann. Insgeheim hat Lars aber genug davon, im und ausserhalb des Betts immer den aktiven Part zu übernehmen.
Lars

Er ist ein schwuler Designer aus dem Aargau, WG-Mami und wilder Single, der gut mit Hammer und Nägeln umgehen kann. Insgeheim hat Lars aber genug davon, im und ausserhalb des Betts immer den aktiven Part zu übernehmen.

Illu: Anna Deér
Sie ist single mit wechselnden Liebschaften. Verliebt sich wahllos. Sucht Mr. Right und vertreibt sich die Zeit mit amourösen Fettnäpfchen und seltsamen Begegnungen zwischen feuchten Laken.
Ella

Sie ist single mit wechselnden Liebschaften. Verliebt sich wahllos. Sucht Mr. Right und vertreibt sich die Zeit mit amourösen Fettnäpfchen und seltsamen Begegnungen zwischen feuchten Laken.

Illu: Anna Déer

Darum gehts

  • Lars weiss, dass seine Gesprächspartner beim Thema «Schwulsein» manchmal nervös werden.

  • Das liegt nicht an der Orientierung an sich, sondern an der Angst, etwas Falsches zu sagen.

  • Lars erzählt von drei Situationen, in denen er «schwulenfeindliche Vibes» empfangen hat.

Leute, mal ehrlich: Wer von euch fühlt sich sicher, wenns um Political Correctness gegenüber LGBTIQA+ geht? Ich merke, wie verunsichert meine Gesprächspartner sind, sobald mein «Schwulsein» Thema wird. Als ob ich jeden Moment mit dem Finger auf sie zeigen würde: «Erwischt – du elender Homophob!» Stimmt schon – man kann viel Falsches sagen. «Wer ist von euch der Mann in der Beziehung?» Das hat mein Vater mich mal gefragt.

Seine Absicht war nicht, mich zu beleidigen. Er hat einfach versucht, mich und meinen Freund (also, Ex, der mit der Gleitcreme, remember?) zu verstehen. «Wir fühlen uns beide als Männer, Papi.» Ihm sei verziehen. Ihr seht also: Ich fühle mich nicht schnell angegriffen, wenn es ums Thema Homophobie geht. Zumindest nicht, solange ich keine bösen Absichten bei meinem Gegenüber erkenne. Hier drei Situationen, in denen ich schwulenfeindliche Vibes empfangen habe.

Im «Homo-Office»

Einer meiner besten Kumpels bei der Arbeit heisst Simon. Simon ist smart, spielt in einer Band (wie Bruce, bloss ohne Erfolg), und ist schlagfertig. Ich mag Simon sehr – ganz ohne ihn attraktiv zu finden. Wir gehen sogar zusammen Sport machen nach der Arbeit. Simon kommt zwar nicht mit unter die Dusche nach dem Sport – aber hey –, vielleicht ist er einfach ein Stinker.
Im Büro sitzen Simon und ich so, dass wir uns nicht sehen, aber hören können. Am Schluss eines Calls habe ich Simon sagen gehört: «Höhö und du, bist du morgen auch im Homo-Office?» Ich dachte zuerst, ich hätte mich verhört. Aber die Homo-Office-Witzelei ging weiter. «Ich bin der grösste Homo-Officer». (Nein – wer jetzt gelacht hat, ist nicht zwingend homophob). Inzwischen hat sich das «Homo-Office» bei den jüngeren Männern in unserer Abteilung eingebürgert. Die haben zwar nichts gegen Schwule – aber doch fühle ich mich angegriffen. Als ob jedes Mal ein blöder Witz auf meine Kosten gemacht würde. Als ich Simon gesagt habe, was ich davon halte, hat er sich sofort entschuldigt. Ich höre Simon seitdem nicht mehr vom Homo-Office reden.

Im Bekanntenkreis: «Du bist ein Verlust für die Frauenwelt!»

Nach meinem Coming-out war ich mit meiner Mutter bei ihrer langjährigen Kollegin Marie zum Apéro. Marie raucht zwei Packungen Marlboro pro Tag – und sie wusste angeblich schon immer, dass ich mal schwul werde. Das wiederholt sie gefühlt nach jeder vierten Zigarette. Nach dem ersten Glas Prosecco schiebt sie nach: «Ich hab ja immer schon gewusst, dass du schwul wirst. Schade, du bist ein Verlust für die Frauenwelt!» Das hat Marie zwar gut gemeint. Aber ich bin doch kein «Verlust». Warum kann ich stattdessen nicht ein «Gewinn für die Männerwelt» sein? Ich fand die Aussage einfach total doof.

In der Community: «Ich bin schwul, weil ich einen Mann will und nicht eine Tunte.»

Das hat zwar noch keiner zu mir gesagt. Aber ich bin dieser Aussage schon in vielen Formen begegnet. Beim Online-Daten schreiben Typen, dass sie «heterolike» mögen, also wenn man einem Mann nicht anmerkt, dass er schwul ist. Oder wenn einer in sein Profil schreibt «Masc4Masc». Also «maskuliner Mann sucht maskulinen Mann». Dann ist er zwar schwul – aber mag das «tuntige Getue» eines schwulen Mannes nicht.

Hier versteckt sich die Homophobie hinter einer sexuellen Präferenz. Diese Form der Homophobie von Schwulen gegenüber anderen Schwulen finde ich besonders brisant, weil sich in der Community alle sicher und akzeptiert fühlen sollten. Einmal sagte mein Arbeitskollege Simon zu mir: «Lars, bei dir merke ich gar nicht so, dass du schwul bist.» Im ersten Moment war ich stolz darauf. Aber warum? Ich bin ja schwul – und es gibt keinen Grund, weshalb ich mich dafür schämen müsste.

Ich hoffe, dass die drei Anekdoten nicht ein Wink mit dem moralischen Zeigefinger sind. Die grosse Frage ist eben: Machen gute Absichten homophobe Aussagen weniger schlimm? Für mich meistens schon. Was meint ihr? Schreibt mir an onelove@20minuten.ch. Küsse und Knuddels vom Homo im Office!

Sex-WG

3 mit Sex

Ella, Lars und Bruce heissen in Wirklichkeit gar nicht so, und auch einige Angaben sind geändert. Wahr ist aber, dass sie leidenschaftlich gern durch die Keller und Clubs der besten Stadt dieses Landes tanzen. Die drei Singles lieben Techno, Rührei und die stabilen Betten ihrer WG. Und sie wissen: Falls sie sich je zu dritt darin vergnügen, ist das das Ende von allem – oder der Beginn von etwas noch Grösserem. 20 Minuten erzählen sie exklusiv von ihren Abenteuern.

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