So kommst du als Temporärarbeitender an eine Gratis-Weiterbildung

Aktualisiert

Bis 5000 FrankenArbeitest du temporär? Dann kannst du gratis eine Weiterbildung machen

Du arbeitest temporär und willst dich weiterbilden? Ein Fonds ermöglicht das bereits nach wenigen Tagen Temporärarbeit. Das musst du tun, um eine Gratis-Weiterbildung zu erhalten.

von
Marcel Urech
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Wer sich beruflich weiterentwickeln will und temporär arbeitet, hat Anrecht auf eine Gratis-Weiterbildung.

Wer sich beruflich weiterentwickeln will und temporär arbeitet, hat Anrecht auf eine Gratis-Weiterbildung.

20min/Marco Zangger
Diese ermöglicht der Fonds Temptraining. So entstehen spannende Lebensläufe. Ein Surflehrer (Symbolbild) wurde etwa zum …

Diese ermöglicht der Fonds Temptraining. So entstehen spannende Lebensläufe. Ein Surflehrer (Symbolbild) wurde etwa zum …

Tamedia
… Gabelstaplerfahrer (Symbolbild), und ein …

… Gabelstaplerfahrer (Symbolbild), und ein …

Tamedia/Thomas Peter

Darum gehts

  • Vom Surflehrer zum Gabelstaplerfahrer, vom Metallbauer zum Masseur, vom Reifenpraktiker zum ICT-Spezialisten: Solche Lebensläufe sind heute keine Seltenheit mehr.

  • Oft ist aber eine Weiterbildung nötig, um sich beruflich umzuorientieren.

  • Wer temporär arbeitet, kann diese über einen Fonds erhalten – und muss nichts dafür bezahlen.

In der Schweiz arbeiten jährlich fast 400’000 Personen temporär. Sie unterstehen dem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) für Temporärarbeit. Dieser fördert auch Weiterbildungen: Du brauchst nur wenige Tage temporär zu arbeiten, und schon hast du Anspruch auf Weiterbildungszuschüsse in der Höhe von bis zu 5000 Franken.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Weiterbildungen in der Übersicht.

Wer gilt als Temporärarbeitender?

Personen, die über einen der rund 900 Personaldienstleister in der Schweiz für einen Einsatzbetrieb arbeiten. Der Dienstleister ist dabei der gesetzliche Arbeitgeber und überträgt die Weisungsbefugnis dem Betrieb.

So gestaltet sich das Verhältnis zwischen Personaldienstleister, Einsatzbetrieb und Temporärmitarbeitenden.

So gestaltet sich das Verhältnis zwischen Personaldienstleister, Einsatzbetrieb und Temporärmitarbeitenden.

Swissstaffing

Wer hat ein Anrecht auf die subventionierten Weiterbildungen?

Man muss in den letzten zwölf Monaten mindestens 88 Stunden für ein Temporärunternehmen gearbeitet haben. Nach 88 Stunden hat man Anspruch auf 500 Franken Weiterbildungsgelder, nach 880 Stunden auf 5000 Franken. Nach Ende der Temporärarbeit bestehen die gesammelten Ansprüche sechs Monate fort.

Gibt es weitere Anforderungen?

Ja, die Temporärarbeitenden müssen dem GAV Personalverleih unterstehen, und die Weiterbildung muss die Gesuchstellenden fit für den Arbeitsmarkt halten oder beruflich weiterbringen. Sie muss an einer der 600 Schulen oder bei einem Laufbahnberater in der Schweiz stattfinden, die vom Temptraining-Fonds (siehe Box) anerkannt sind. Bei der Einreichung des Gesuches darf die Weiterbildung noch nicht begonnen haben.

Das ist Temptraining

Temptraining ist ein Fonds, der Weiterbildungen für Temporärarbeitende subventioniert, die dem GAV Personalverleih unterstehen. Hinter ihm stehen die Vertragspartner Angestellte Schweiz, Swissstaffing, Syna, Unia und der Kaufmännische Verband. Den Fonds finanzieren die Personalverleiher (0,3 Prozent des Lohns) und die Arbeitnehmenden (0,7 Prozent des Lohns) gemeinsam.

Wo kann man sich für eine Weiterbildung anmelden?

Wer die Bedingungen erfüllt, kann sich im Bildungsverzeichnis einen Kursanbieter aussuchen und dann ein Gesuch stellen. Dieses muss vor Kursbeginn bei Temptraining eingehen. Bei positivem Bescheid bezahlen die Teilnehmenden den Kurs im Voraus selbst und erhalten die Kosten nach Kursende auf Antrag rückerstattet.

Kann man auch mitmachen, wenn man noch keine Grundausbildung hat?

Ja, rund 40 Prozent aller Gesuchsteller haben keine formelle Bildung absolviert.

Wie viele Gesuche gibt es pro Jahr?

«Seit 2012 gab es rund 111'000 Gesuche», sagt Marius Osterfeld, Leiter Ökonomie & Politik bei Swissstaffing. Der Fonds habe seit 2012 Weiterbildungsbeiträge in der Höhe von knapp 100 Millionen Franken ausbezahlt.

Ist es auch möglich, sich in einem völlig neuen Bereich weiterzubilden?

Die Wahl der Weiterbildung ist für den Temporärarbeitenden frei – Umschulungen und Quereinstiege sind also möglich. Eine Zustimmung des Personaldienstleisters oder Einsatzbetriebs ist dafür nicht nötig.

Gibt es Beispiele für Lebensläufe, die Temptraining hervorgebracht hat?

Ein Surflehrer wurde Gabelstaplerfahrer, ein Metallbauer Masseur, ein Reifenpraktiker ICT-Spezialist.

Hast du auch schon temporär gearbeitet?

Wer bezahlt, wenn man eine Weiterbildung nicht abschliesst?

Damit Temptraining die Kosten rückerstattet, muss man den Kurs zu mindestens 80 Prozent absolvieren. Eine bestandene Prüfung ist keine Voraussetzung. 

Viele Temporärarbeitende wissen wohl nichts davon – warum?

«Fast alle Personaldienstleister informieren zu Beginn der Temporärarbeit darüber», sagt Osterfeld. Dann sei die Weiterbildungsidee aber bei vielen noch nicht konkret und gerate in Vergessenheit. Eine Person, die bei Swissstaffing für Bildungsmarketing zuständig sein wird, soll ab 2023 die Reichweite des Angebots verbessern.

Kommen Temporärarbeitende leichter an Weiterbildungen als Festangestellte?

«Ein Temporärmitarbeitender kann im Gegenteil zu einem Festangestellten auch Weiterbildungen absolvieren, die nicht direkt mit dem bestehenden Beruf zu tun haben», sagt Osterfeld. Er oder sie müsse sich auch zu nichts verpflichten und könne jederzeit zu einer anderen Firma wechseln.

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