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SunriseArbeitet der Kollege schlecht, sinkt der Lohn

Bei Verkaufsjobs ist üblich: Wer mehr verkauft, erhält mehr Lohn. Das ist auch bei Sunrise so, wobei Teamziele viel Gewicht haben. Derzeit sorgt dies bei den Mitarbeitern für Unmut.

von
K. Wolfensberger
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Der Telekomanbieter Sunrise kämpft mit den Kosten und setzt den Rotstift an. Bis zu 175 Mitarbeiter verlieren ihre Stelle, wie das Unternehmen vor kurzem mitteilte.

Der Telekomanbieter Sunrise kämpft mit den Kosten und setzt den Rotstift an. Bis zu 175 Mitarbeiter verlieren ihre Stelle, wie das Unternehmen vor kurzem mitteilte.

Keystone/Gaetan Bally
In den Shops gelten für die Mitarbeiter Teamziele. Erreichen sie diese, erhalten sie mehr Lohn.

In den Shops gelten für die Mitarbeiter Teamziele. Erreichen sie diese, erhalten sie mehr Lohn.

Keystone/Christian Beutler
CEO von Sunrise ist Libor Voncina.

CEO von Sunrise ist Libor Voncina.

Keystone/Gaetan Bally

Wer mehr verkauft, erhält mehr Lohn. Diese Regel gilt bei vielen Verkaufsjobs. Auch beim Telekom-Anbieter Sunrise trifft dies zu, wobei Sunrise die Shops stärker mittels Teamzielen führt. Zu diesen Teamzielen gehört beispielsweise der Verkauf möglichst hochpreisiger Monatsabos, die mindestens 65 Franken pro Monat kosten oder die Erhöhung des Anteils an Geschäftskunden, wie 20 Minuten von Sunrise-Mitarbeitern erfahren hat.

Derzeit sorgen bei vielen Mitarbeitern diese Teamziele für grossen Unmut, obwohl sie bereits 2014 eingeführt wurden. Unzufrieden sind zum Beispiel gewisse Filialleiter. Sie bekommen einen Fünftel ihres Lohnes als variablen Lohnbestandteil. Es hängt somit von ihrer persönlichen Leistung sowie derjenigen ihres Teams ab, ob sie diesen Teil des Salärs ausbezahlt erhalten oder nicht.

Kunden können immer wechseln

Mitarbeiter sagen 20 Minuten nun, dass es für sie keinen Sinn ergebe, den Kunden möglichst teure Abos verkaufen zu müssen, da die neuen Sunrise-Freedom-Abos keine feste Vertragslaufzeit mehr hätten. Die Kunden können somit jederzeit auf ein günstigeres Abo wechseln. Zum Beispiel,wenn sie merken, dass sie das teurere nicht brauchen. Ausserdem können sie den Anbieter jederzeit auch ganz wechseln.

Bei der Sunrise Medienstelle versteht man die Unzufriedenheit gewisser Mitarbeiter nicht. «Bei der Zielerreichung 2015 ist festzustellen, dass der bis heute gemessene durchschnittliche Payout höher ist als im Jahr 2014.» Will heissen: Im Schnitt haben die Mitarbeiter ihre Ziele dieses Jahr bisher besser erreicht als letztes Jahr und werden entsprechend im Schnitt wohl auch mehr Lohn erhalten.

Die Effizienz steigern

Allgemein möchte Sunrise laut Aussagen von Mediensprecher Roger Schaller Massnahmen einleiten, die die Effizienz steigern und Doppelspurigkeiten innerhalb des Konzerns vermeiden. Vor allem in den Bereichen Produkt- und Prozessentwicklung sowie Digitalisierung sollen Synergien geschaffen werden, die weiteres Wachstum ermöglichen sollen.

Der Grund: Sunrise kämpft mit Problemen. Im ersten Halbjahr 2015 drückten die Kosten für den Börsengang auf das Ergebnis und bescherten dem Unternehmen einen Verlust von 152 Millionen Franken. Nun soll der Telekomanbieter wieder fit gemacht werden.175 verlieren deshalb bald ihre Stelle. Und auch bei denen, die bleiben, sei der Druck spürbar höher geworden, so Sunrise-Mitarbeiter zu 20 Minuten.

Leistungslöhne sind üblich

Nicht nur bei Sunrise, auch bei Swisscom und Salt gibt es Leistungslöhne für die Verkäufer. Swisscom-Mediensprecher Olaf Schulze sagt dazu: «Der variable Lohnbestandteil ist gegenüber dem festen Basislohn sehr gering.» Die Provisionen beim Marktführer basieren im Gegensatz zu Sunrise nicht auf (Laden-)Team-, sondern auf regionaler Zielerreichung. Auch bei Salt hat das Verkaufspersonal im Gesamtlohn einen variablen Lohnanteil, wie Sprecherin Therese Wenger auf Anfrage bestätigt.

«Sunrise ist zu profillos»

Für Ralf Beyeler vom Vergleichsdienst Comparis liegt das Problem von Sunrise primär im fehlenden Profil des Unternehmens. «Der Kunde weiss nicht, was er von Sunrise erwarten kann», so Beyeler zu 20 Minuten. Als Anbieter stehe Sunrise weder klar für günstige Preise, noch für eine besonders hohe Qualität. Wenn es um den Preis geht, so habe beispielsweise M-Budget in vielen Fällen klar die Nase vorn. Positiv bewertet Beyeler grundsätzlich die Einführung der Freedom-Abos durch Sunrise. Der Telekomexperte bewertet diesen Schritt als kundenfreundlich, können die Konsumenten doch ihr Abo jederzeit künden oder an einen gewecheslten Konsum anpassen. Beyeler hält aber fest: «Auch andere Anbieter ermöglichen ihren Kunden den kurzfristigen Wechsel des Abos.» (kwo)

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