Truppenreduktion: Arbeitgeber freuen sich über Armee-Abbaupläne
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TruppenreduktionArbeitgeber freuen sich über Armee-Abbaupläne

Verkürzung von RS und WK und ein kleinerer Truppenbestand: Während VBS-Chef Maurer den «Abbau von Sicherheit» beklagt, sparen Firmen laut dem Arbeitgeberverband mehrere Millionen ein.

von
Antonio Fumagalli

18 statt 21 Wochen Rekrutenschule und nur noch 100'000 Soldaten - Verteidigungsminister Ueli Maurer hat sich am Montag zu den Plänen über den Umbau der Armee geäussert. Eine schlankere Armee bedeute unter dem Strich «den Abbau von Sicherheit», sagte er.

Die geplante Reduktion des Truppenbestandes habe zur Folge, dass die Schweiz während mehrerer Wochen im Jahr «keine Armee» habe. «Wir bewegen uns in Zukunft auf relativ dünnem Eis», sagte der Bundespräsident an einem Kasernengespräch in Mägenwil AG.

Schlanker und flexibler: Das sind die Merkmale, welche die künftige Armee laut Maurer aufweisen soll. Dafür soll der Truppenbestand von heute rund 180'000 Armeeangehörigen auf 100'000 reduziert werden. Die Rekrutenschule würde 18 statt 21 Wochen dauern, und die Zahl der Ausbildungstage würde von 260 auf 225 Tage reduziert. Die Wiederholungskurse wiederum sollen neu zwei statt drei Wochen dauern.

Good news für die Arbeitgeber

Der Schweizerische Arbeitgeberverband reagiert mit Zufriedenheit auf Maurers Pläne: «Wir begrüssen es, wenn die Arbeitnehmer so kurz wie nötig vom Arbeitsplatz abwesend sind», sagt Ruth Derrer Balladore, Mitglied der Geschäftsleitung. Dass die Militärkarriere in Zukunft früher abgeschlossen sein wird, sei ein «Schritt in die richtige Richtung». Wie viel die Unternehmen dank der Verkürzung der Dienstdauer einsparen, sei schwierig zu beantworten – Derrer Balladore schätzt die Summe auf «mehrere Millionen Franken pro Jahr». Da ein Grossteil der Ausfälle von der Erwerbsersatzordnung entschädigt werde, sei der Verlust von Know-How während der Abwesenheit aber viel entscheidender als die finanzielle Komponente.

Die Abschaffung der Dienstpflicht – wie sie die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSOA) fordert – ist hingegen kein Anliegen des Arbeitgeberverbandes, dafür sei die Armee zu entscheidend für die Sicherheit des Landes. Nur: Wo liegt die richtige Balance zwischen militärischer und beruflicher Anwesenheit? Derrer Balladore will sich nicht auf die Äste hinauslassen: «Die Beantwortung dieser Frage liegt nicht in unserer Kompetenz.»

Wieviel spart die EO ein?

Das Bundesamt für Sozialversicherungen kann die möglichen Einsparungen aufgrund der Verringerung der Anzahl Diensttage noch nicht beziffern: «Die Angaben, die wir für eine genaue Berechnung benötigen, liegen uns noch nicht vor», sagt Sprecher Rolf Camenzind.

Ein Blick in die Statistik gibt aber einen Eindruck, in welcher Grössenordnung sich die Zahlen bewegen könnten: Multipliziert man die durchschnittliche Erwerbsausfallentschädigung von täglich rund 105 Franken pro Militärdienstleistendem (Zahlen aus dem Jahr 2011) mit rund 900'000 Diensttagen, die künftig eingespart werden werden sollen, ergibt dies nicht ganz 100 Millionen Franken jährlich.

Kritik von rechts

Die Gruppe Giardino, eine Vereinigung von konservativen Offizieren, lässt kein gutes Haar an den VBS-Plänen: «100'000 Wehrleute reichen bei weitem nicht aus, um die nötige Durchhaltefähigkeit zu gewährleisten», sagt Sprecher Markus Müller. Er spricht von «verfassungswidriger Salamitaktik» und vom «Tod der Milizarmee»: Bei jeder Armeereform werde versprochen, dass für die verbleibenden Truppen anteilsmässig mehr Mittel zur Verfügung stünden, doch dann werde weiter abgebaut. Es sei nun Zeit für einen Kurswechsel.

Für die GSOA, deren Initiative zur Abschaffung der Dienstpflicht im September zur Abstimmung kommt, geht der Abbau hingegen zu wenig weit: «Wo ist der Unterschied, ob man sich im WK zwei oder drei Wochen langweilt», fragt Sekretär Stefan Dietiker rhetorisch. Er wirft dem VBS vor, die Abstimmung beeinflussen zu wollen. Nun könne man dem Volk erzählen, dass man ja etwas unternehme.

Im Juni in die Vernehmlassung

Die Abbaupläne des VBS sind Teil des Projekts «Weiterentwicklung der Armee» (WEA), die Armee soll in Zukunft aus dem Stand auf ausserordentliche Ereignisse reagieren können. Und das sind laut Maurer kaum Verteidigungskriege, sondern beispielsweise Naturkatastrophen. Die Unterstützung der zivilen Behörden ist denn auch eine der zentralen Aufgaben der künftigen Armee.

Die Änderung des Militärgesetzes wird laut Maurer im Juni in die Vernehmlassung geschickt. Die Umsetzung der Armeereform soll dann 2016 beginnen und 2020 abgeschlossen sein.

(Mit Material von der SDA)

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