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Lieber Phil Geld Arbeitgeber geht Konkurs – wer zahlt nun den Lohn?

Yvonne (40) arbeitet bei einem Unternehmen, das in Kürze Konkurs anmelden muss. Wer bezahlt nun ihren Lohn?

Gegen ausbleibende Lohnzahlungen sollte man mit einer eingeschriebenen Mahnung vorgehen.

Gegen ausbleibende Lohnzahlungen sollte man mit einer eingeschriebenen Mahnung vorgehen.

Keystone/Christian Beutler

Lieber Phil Geld

Mein Arbeitgeber wird ziemlich sicher in Kürze Konkurs anmelden müssen. Ich frage mich, wie es nun mit meinem Lohn weitergeht. Wie gehe ich am besten vor, wenn mein Arbeitgeber mir meinen Lohn nicht mehr ausbezahlen kann? Kann ich Arbeitslosengeld fordern?

Liebe Yvonne

Bei ausbleibenden Lohnzahlungen solltest du am besten (so hart es auch klingen mag) radikal gegen den Arbeitgeber vorgehen. Mitleid ist hier nicht angebracht. Mahne deinen Arbeitgeber schriftlich mittels eingeschriebenem Brief unter Ansetzung einer kurzen Frist. Eine Frist von einigen Tagen sollte dabei genügen. Verstreicht die Frist ungenutzt, kannst du eine Betreibung beim zuständigen Betreibungsamt am Sitz des Unternehmens einleiten. Hierbei kannst du auch Verzugszinsen ab dem jeweiligen Fälligkeitsdatum geltend machen (für den Juli-Lohn ab August). Um deiner Forderung etwas Nachdruck zu verleihen, kannst du im Übrigen deine Arbeit so lange verweigern beziehungsweise niederlegen, wie der Arbeitgeber mit der fälligen Lohnzahlung im Rückstand ist. Der laufende Lohnanspruch besteht in diesem Fall weiter. Die ausgefallenen Stunden musst du später nicht nacharbeiten.

Weiter verlangst du am besten von deinem Arbeitgeber, dass er dir für den aktuellen sowie den künftigen Lohn Sicherheit leistet in Form einer Bankgarantie oder eines Wertschriftendepots. Ist der Arbeitgeber aufgrund endgültiger Zahlungsunfähigkeit nicht in der Lage, deinem Begehren nachzukommen, kannst du das Arbeitsverhältnis fristlos auflösen und Schadenersatz fordern. Dieser Schritt sollte allerdings gut überlegt sein (siehe dazu unten).

Ab dem Tag der Konkurseröffnung erhältst du Arbeitslosengeld. Die Insolvenzentschädigung der Arbeitslosenversicherung deckt die Lohnansprüche aus der Zeit vor dem Konkurs, die während des Arbeitsverhältnisses entstanden sind, in der Regel vollständig. Nicht gedeckt sind allerdings Kinderzulagen, Spesen sowie Kranken- oder Unfalltaggelder. Die Insolvenzentschädigung musst du innert 60 Tagen nach der Publikation der Konkurseröffnung bei der Arbeitslosenkasse des Kantons oder allenfalls der Gemeinde beantragen.

Merke: Die Insolvenzentschädigung deckt nur Lohnansprüche, die während des Arbeitsverhältnisses entstanden sind. Kündigst du das Arbeitsverhältnis wegen Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers von dir aus fristlos, kommt sie nicht zum Tragen. Ansprüche, die nach einer fristlosen Kündigung entstehen, werden von der Versicherung nicht gedeckt. Darum wird von voreiligen fristlosen Kündigungen abgeraten. Zudem deckt die Insolvenzentschädigung nur die Lohnforderungen der letzten vier Monate des Arbeitsverhältnisses ab.

Freundlich grüsst

Phil Geld

E-Mail: phil.geld@20minuten.ch (20 Minuten)

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