Höhere Löhne: «Arbeitgeber müssen jetzt ein Zeichen setzen»
Aktualisiert

Höhere Löhne«Arbeitgeber müssen jetzt ein Zeichen setzen»

Die Schweizer haben gut gearbeitet. Deshalb fordern die Gewerkschaften eine generelle Lohnerhöhung von 1 bis 2 Prozent. Der Arbeitgeberverband winkt ab, für Forderungen sei es noch zu früh.

von
Dino Nodari

Die Gewerkschaften setzen zum Powerplay gegen Arbeitgeber an. Mit der Mindestlohn- und der 1:12-Inititiative kommen gleich zwei lohnpolitische Themen an die Urne. Nun setzen die Gewerkschaften weiter Druck auf und fordern eine generelle Lohnerhöhung für alle. Weil die Aussichten für das nächste Jahr noch besser seien als für dieses Jahr, fordert der Gewerkschaftsverbund Travail Suisse über alle Branchen eine durchschnittliche Reallohnerhöhung von 2 Prozent.

«Die Zukunftsaussichten sind noch unklar, zudem belasten die Finanzkrise und der starke Franken die Schweizer Wirtschaft immer noch», entgegnet Roland A. Müller. Der Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes ist überzeugt, dass es nicht möglich sein wird, die generelle Forderung umzusetzen. «Es gibt aber sicher Unternehmungen, die das umsetzen können», sagt Müller zu 20 Minuten. Für ihn sind keine bis 2 Prozent Lohnerhöhung möglich – je nach Branche und Unternehmung. Mitte Jahr sei für Zukunftsprognosen jedoch noch zu früh. Von einer generellen Lohnerhöhung hält Müller ohnehin nichts, der Arbeitgeberverband tendiere zu individuellen Lohnerhöhungen.

Powerplay gegen Arbeitnehmer

Genau diese individuellen Lohnerhöhungen sind den Gewerkschaften jedoch ein Dorn im Auge. «Individuelle Lohnerhöhungen sind oft ungerecht», so Syna-Vizepräsident Arno Kerst auf Anfrage von 20 Minuten. «Wenn die Arbeitgeber jetzt kein Zeichen setzen, müssen sie sich nicht wundern, wenn die Stimmbürger die anstehenden Lohninitiativen annehmen», so Kerst weiter. Zudem wolle die Syna für einzelne Unternehmen gar eine Lohnerhöhung von 3 Prozent fordern.

Es zeichnet sich also ein veritables Powerplay gegen die Arbeitgeber ab. Das sieht auch Kerst so: «Mit den steigenden Managerlöhnen und der Mindeslohn-Initiative entsteht Druck auf die Arbeitgeber.»

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«Bedrohung für flexiblen Arbeitsmarkt»

«Der Arbeitgeber darf nicht immer als der Böse angesehen werden», sagt Roland A. Müller. Von einem übermässigen Druck auf die Arbeitgeber will er indes nichts wissen und sich auch nicht von den anstehenden Lohn-Initiativen beeindrucken lassen: «Da gibt es keinen Zusammenhang. Und wenn nun die Lohnrunde mit Blick auf die Abstimmungen zu Mindestlohn- und 1:12-Initiative geführt würde, wäre das unglaubwürdig.» Die Lohndiskussionen gehörten in die Branchen und Unternehmen – da brauche es den Staat nicht. Dennoch lässt die politische Agenda den Arbeitgeberverband-Direktor nicht kalt. «Durch staatliche Eingriffe würde der flexible Schweizer Arbeitsmarkt bedroht», ist Müller überzeugt.

Korrekturbedarf bei Lohngleichheit

Grossen Korrekturbedarf sieht Travail Suisse insbesondere bezüglich Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern sowie bei den Mindestlöhnen. So sollen Mindestlöhne generell um monatlich 100 Franken erhöht werden und Efforts geleistet werden, damit Frauen für gleichwertige Arbeit auch den gleichen Lohn wie Männer erhielten.

Von Boni und Einmalzahlungen an Stelle von generellen Lohnerhöhungen hält Travail Suisse dagegen wenig. Zu Wirtschaftswachstum und Produktivitätsfortschritten würden alle Arbeitnehmenden beitragen. Entsprechend sollten auch alle Arbeitnehmenden von Lohnerhöhungen profitieren dürfen, hält der Verband fest.

(Video: Keystone)

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