Aktualisiert 24.05.2020 15:03

Homeoffice

Arbeitgeber muss sich an Wohnungsmiete beteiligen

Das Bundesgericht hat eine Firma zu einer Entschädigung fürs Homeoffice verknurrt. Das Urteil dürfte grosse Auswirkungen haben.

von
Yasmin Rosner
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Wer unfreiwillig im Homeoffice arbeitet, könnte vom Arbeitgeber eine Entschädigung erhalten. (Symbolbild)

Wer unfreiwillig im Homeoffice arbeitet, könnte vom Arbeitgeber eine Entschädigung erhalten. (Symbolbild)

Keystone/Jean-Christophe Bott
Eine Entschädigung könne erwarten, wer durch das Homeoffice stark eingeschränkt werde, so ein Experte. (Symbolbild)

Eine Entschädigung könne erwarten, wer durch das Homeoffice stark eingeschränkt werde, so ein Experte. (Symbolbild)

Keystone/Christian Beutler
Wer auf eigenen Wunsch von zu Hause aus arbeitet, dürfe keinen Anspruch auf Entschädigung erwarten, so der Experte.

Wer auf eigenen Wunsch von zu Hause aus arbeitet, dürfe keinen Anspruch auf Entschädigung erwarten, so der Experte.

KEYSTONE/Lisa Ducret

Schweizer Unternehmen müssen Angestellten einen Anteil an die Wohnungsmiete zahlen, wenn sie diese im Homeoffice arbeiten lassen. Das hält das Bundesgericht in einem aktuellen Fall fest, wie die «Sonntagszeitung» berichtet. Ein Mitarbeiter einer Zürcher Treuhandfirma hatte die Entschädigung geltend gemacht.

Die Firma wandte zwar ein, dass sie mit dem Angestellten nie eine entsprechende Entschädigungsvereinbarung getroffen habe. Doch die Richter liessen das nicht gelten. Die Firma muss die Entschädigung sogar rückwirkend zahlen.

Coronakrise sei Grenzfall

Thomas Geiser, Professor für Arbeitsrecht an der Universität St. Gallen betont im Interview mit der Zeitung, dass dieses Urteil jedoch nicht bedeute, dass jeder Anspruch auf eine Mietbeteiligung durch den Arbeitgeber habe. Nur wenn man unfreiwillig im Homeoffice arbeite, könne man den Anspruch geltend machen. «Wer auf eigenen Wunsch zu Hause arbeitet, hat diesen Anspruch nicht.»

Die Coronakrise, die zahlreiche Arbeitnehmer ins Homeoffice schickte, sei ein Grenzfall. Das Homeoffice sei nur vorübergehend. Gerichte könnten deshalb seiner Ansicht nach argumentieren, «dass die vorübergehende Phase noch keinen Grund für eine Entschädigung darstellt». Wenn das Homeoffice allerdings eine starke Einschränkung mit sich führe, dann wäre eine Entschädigung wieder denkbar. Mit starker Einschränkung meint Geiser beispielsweise die Situation, wenn ein Arbeitnehmer von einer kleinen Vierzimmerwohnung aus arbeiten müsse – zusammen mit seiner Frau und zwei Kindern. Das «kann schon über eine kurze Zeitdauer einen grossen Verzicht bedeuten».

Grunsätzlich, so Geiser, dürfte das Urteil schweizweit grosse Auswirkungen haben. Er glaubt, dass Mietentschädigungen für Homeoffice in Zukunft selbstverständlich werden – «ähnlich wie das heute bei Generalabonnements im öffentlichen Verkehr oder bei Privatautos, die teilweise geschäftlich genutzt werden».

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88 Kommentare
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Dänu

26.05.2020, 04:04

Schade, denn nach einer 2 monatigen Homeofficezeit, hat es mir ermöglicht mehr Freizeit zu haben. Aber gewisse gierige Arbeiter wollen immer mehr! Ich werde in jedenfall in Erwägung ziehen, auch zukünftig 1-2 Tage Homeoffice zu machen. Ich denke, jeder Arbeitgeber MUSS in Zukunft klare Regel im Arbeitsreglement verfassen, wer nicht zufrieden ist mit "Gratis"-Homeoffice muss ins Büro ohne wenn und aber, wie bis jetzt!

jomosap

25.05.2020, 14:04

Akzeptiert bitte die Realitäten: Den Steuerstaat trägt der Bürger, nicht die Unternehmen! In DE ist die Verteilung 87 vs 12 %. Wieso wollt ihr die Unternehmen dann auch noch auf Kosten der Bürger entlasten?

Reun

25.05.2020, 13:44

WTF? Wer kommt denn auf sowas? Und wer zahlt mir die Einschränkungen, die entstanden sind, weil die Grosseltern oder Kitas die Kinder nicht mehr betreuen durften? Und wer entlohnt mich, weil ich die Kinder wegen geschlossener Schule zu Hause unterrichten musste? Geldgierige Person!