Aktualisiert 20.08.2013 12:56

Lieber Phil GeldArbeitgeber pleite – wer zahlt meinen Lohn?

Arnold (47) arbeitet bei einer Firma, die Konkurs anmelden muss. Was passiert mit seinem Lohn? Und ab wann bekommt er Arbeitslosengeld?

Ist der Arbeitgeber zahlungsunfähig, ist Mitleid die falsche Strategie für den Arbeitnehmer.

Ist der Arbeitgeber zahlungsunfähig, ist Mitleid die falsche Strategie für den Arbeitnehmer.

Lieber Phil Geld

Bei meinem Arbeitgeber (einer GmbH) sind fünf Angestellte beschäftigt. Aktuell wurden Betreibungen eingeleitet. Seit Juni wurden keine Beiträge mehr an die BVG bezahlt. Gemäss meinem Chef sind wir pleite. Wie sieht es jetzt mit meinem Lohn aus? Wie gehe ich vor, wenn mein Arbeitgeber mir diesen nicht mehr ausbezahlen kann? Und erhalte ich bei Konkurs sofort Arbeitslosengeld? Welche Schritte muss ich unternehmen?

Lieber Arnold

Mitleid ist nicht angebracht: Wenn dir der Arbeitgeber Geld schuldet, dann ist er gemäss Obligationenrecht Artikel 103 zu Schadenersatz verpflichtet. Um das zu beweisen, musst du deiner Firma eine angemessene Frist ansetzen, in der sie eine Sicherheit für den geschuldeten Betrag zu leisten hat (zum Beispiel Bankgarantie oder Wertschriftendepot). Am besten machst du das schriftlich. Eine Frist von einigen Tagen genügt. In der Regel wird die Hausbank deines Arbeitgebers für den aktuellen und künftigen Lohn einstehen.

Sollte die Firma nicht in der Lage sein, deinem Begehren nachzukommen, musst du schriftlich mit kurzer Nachfrist mahnen. Anschliessend muss der Lohn mit einer Betreibung eingefordert werden. Hierbei kannst du auch Verzugszins ab dem jeweiligen Fälligkeitsdatum geltend machen, also zum Beispiel für den Juli-Lohn ab August.

Du hast ein patentes Mittel, um deiner Forderung Nachdruck zu verleihen: Arbeitnehmer, deren Arbeitgeber mit fälligen Lohnzahlungen im Rückstand sind, dürfen die Arbeit so lange niederlegen, bis der geschuldete Betrag beglichen wird. Der laufende Lohnanspruch besteht in diesem Fall weiter.

Bei endgültiger Zahlungsunfähigkeit kannst du das Arbeitsverhältnis sogar fristlos auflösen (am besten mit einer vorgängigen schriftlichen Androhung). Dabei hast du Anspruch auf den vollen Schadenersatz und den Lohn für die ordentliche Kündigungsfrist gemäss Obligationenrecht Artikel 337.

Der Konkurs führt schliesslich dazu, dass das Arbeitsverhältnis automatisch aufgelöst wird. Du musst dabei keine Angst haben, leer auszugehen. In jedem Fall erhältst du ab dem Tag der Konkurseröffnung Arbeitslosengeld. Zudem deckt die Insolvenzentschädigung die Lohnansprüche, die während des Arbeitsverhältnisses entstanden sind, in der Regel vollständig.

Du musst die Insolvenzentschädigung innert 60 Tage nach der Publikation der Konkurseröffnung oder nach Pfändungsvollzug beantragen, und zwar bei der Arbeitslosenkasse des Kantons (oder gegebenenfalls der Gemeinde), in dem die Betreibung stattfindet.

Achtung: Die Insolvenzentschädigung deckt nur Lohnansprüche, die während des Arbeitsverhältnisses entstanden sind. Wenn du von dir aus fristlos kündigst, kommt sie nicht zum Tragen. Zudem deckt sie maximal eine Zeitspanne von vier Monaten ab. Falls später im Konkurs- beziehungsweise Pfändungsverfahren vom Arbeitgeber Geld für die von dir gestellten Lohnforderungen lockergemacht werden kann, musst du die in diesem Umfang bezogene Insolvenzentschädigung entsprechend wieder zurückzahlen.

Der Grund: Die ausstehenden Lohnforderungen werden Teil der Konkursmasse. Das heisst: Aus dem Auflösungserlös der Firma wird Geld für die Arbeitnehmer bereitgestellt, und es werden so viele Forderungen wie möglich beglichen. Allerdings musst du als Arbeitnehmer beim zuständigen Konkursamt auch rechtzeitig deine Forderung anmelden. Erkundige dich dort schon im Voraus über die nötigen Schritte und Fristen. Es lohnt sich, hier aktiv zu werden, denn die Lohnforderungen der letzten sechs Monate vor dem Konkurs werden vor den meisten anderen Forderungen entschädigt.

Freundlich grüsst

Phil Geld

Haben Sie eine Frage? Schreiben Sie eine E-Mail an: phil.geld@20minuten.ch

Ihre Frage an Phil Geld

Nutzen auch Sie unseren Ratgeberservice rund ums Geld: Phil Geld beantwortet Fragen zu den Themen Konsum, Arbeit, Wohnen, Versicherungen und Finanzanlagen. Setzen Sie uns ebenso über Missstände ins Bild und teilen Sie uns mit, was Sie besonders ärgert. Sie können Ihre Frage senden an phil.geld@20minuten.ch oder

dieses Formular verwenden (siehe auch Button oben rechts). Die Altersangabe hilft uns, die Tipps noch konkreter auf Ihre Situation zu beziehen. Interessante Anfragen und die entsprechenden Antworten publizieren wir unter geändertem Vornamen in dieser Rubrik. Wir bitten um Verständnis, dass nicht jede Frage beantwortet werden kann.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.