Queere Menschen sind in der Schweiz von Mobbing am Arbeitsplatz betroffen
Publiziert

«Anfeindungen und blöde Sprüche»Arbeitskollegen verspotten queere Mitarbeitende oft

In der EU berichtet die Hälfte aller LGBTIQ-Personen von Mobbing am Arbeitsplatz. Auch in der Schweiz kommt es zu Diskriminierung, weshalb Richtlinien gefordert werden.

von
Leo Butie
1 / 5
In Europa sind Menschen aus der LGBTIQ-Community oft Mobbing am Arbeitsplatz ausgesetzt.

In Europa sind Menschen aus der LGBTIQ-Community oft Mobbing am Arbeitsplatz ausgesetzt.

PantherMedia / Andriy Popov
Darunter gehört auch das Spotten und Lästern über Arbeitskolleginnen und -kollegen. 

Darunter gehört auch das Spotten und Lästern über Arbeitskolleginnen und -kollegen.

20min/Celia Nogler
Der daraus resultierende Stress kann sich gesundheitsschädigend auswirken.

Der daraus resultierende Stress kann sich gesundheitsschädigend auswirken.

20min/Celia Nogler

Darum gehts

In Europa möchte man oft mit gutem Beispiel vorangehen, was die Integration von Menschen aus der LGBTIQ-Community angeht. Doch wie eine neue Studie der europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz mitteilt, werden queere Menschen während der Arbeit verspottet oder es wird über sie gelästert. In der Folge leiden sie unter psychischen Problemen und sind dadurch auch häufig von Muskel- und Skeletterkrankungen betroffen.

Rund die Hälfte aller LGBTIQ-Personen in der EU sagen aus, dass sie am Arbeitsplatz gemobbt werden. Als psychologische Risikofaktoren werden sogenannte Mikroaggressionen aufgeführt, zu denen auch das Verspotten, Lästern und Anstarren gehören. In einer europäischen Studie vom Jahr 2020 sagen sogar 90 Prozent der befragten Transgender-Personen aus, dass sie am Arbeitsplatz belästigt oder schlecht behandelt wurden.

Auch in der Schweiz ein Problem

Dieses Problem ist auch hierzulande bekannt. «Queere Menschen erleben immer wieder Diskriminierung am Arbeitsplatz in der Schweiz», sagt Roman Heggli, Geschäftsleiter von Pink Cross. Mobbing sei ein weit gefasster Begriff, doch es komme regelmässig zu Anfeindungen oder zu blöden Sprüchen während der Arbeit. «Es gibt auch unsichtbare Diskriminierung, beispielsweise wenn in einem Formular kein gleichgeschlechtlicher Partner vorgesehen ist», so Heggli.

Momentan gibt es keine repräsentativen Studien zum Mobbing der LGBTIQ-Community am Arbeitsplatz. «Dieses Thema ist noch relativ unerforscht in der Schweiz», sagt Heggli. Doch im Abschlussbericht des Schweizer LGBTIQ+ Panels 2020 wird erwähnt, dass mehr als die Hälfte der Angehörigen Diskriminierung durch ihre Familie, im öffentlichen Raum, durch rechtliche Institutionen, am Arbeitsplatz, im Krankenhaus, durch Bekannte, an der Universität und in der Schule erfahren haben.

In der Schweiz hat sich die Sensibilisierung von LGBTIQ-Themen am Arbeitsplatz in den letzten Jahren verbessert. «Insbesondere bei internationalen Konzernen wird das Thema Diversität gross auf die Fahne geschrieben», sagt Heggli.

Anti-Diskriminierungsrichtlinien gefordert

Auch bei kleinen und mittleren Unternehmen hat man einen Wandel festgestellt, auch weil dies die Arbeitnehmenden erwarten. «In der Schweizer Bevölkerung ist die Akzeptanz von Personen mit anderer Sexualität noch immer nicht fantastisch», so Heggli. Man fordere deshalb, dass möglichst alle Unternehmen klare Anti-Diskriminierungsrichtlinien aufstellen. «Auch muss man mit der Sensibilisierung der Bevölkerung bereits in der Schule beginnen.»

Schlussendlich sei man um jede Person froh, die sich gegen Homo- oder Transphobie am Arbeitsplatz wehre. «Wir sind darauf angewiesen und es stärkt extrem», sagt Heggli. Man nehme LGBTIQ-Personen damit eine Last ab. «Wenn man beispielsweise einen homo- oder transphoben Spruch hört, sollte man das ansprechen und kritisieren.»

Die Arbeitgeberseite sieht hingegen keinen Handlungsbedarf. Gemäss SVP-Nationalrat und Mitglied des Vorstandsausschusses des Arbeitgeberverbandes Franz Grüter sind Richtlinien nicht notwendig. «Aus meiner Sicht gehen Unternehmen sehr respektvoll mit den Arbeitnehmenden um und benachteiligen keine Personen, weder nach Sexualität, Hautfarbe, Rasse oder Religion», sagt Grüter. Vor allem grosse Unternehmen gehen damit sorgfältig um. «Ansonsten muss man im Einzelfall eines Unternehmens schauen und nicht allen anderen Unternehmen noch mehr bürokratische Richtlinien aufbürden.»

My 20 Minuten

Deine Meinung