Aktualisiert 25.05.2010 12:50

Iran

Arbeitslose attackieren Ahmadinedschad

Neue Spannungen im Iran: Präsident Mahmud Ahmadinedschad wurde bei einer Rede von Arbeitslosen gestört. Die Polizei warnte die Opposition vor neuen Aktionen.

von
pbl
Mahmud Ahmadinedschad plant seine Reden in der Regel generalstabsmässig.

Mahmud Ahmadinedschad plant seine Reden in der Regel generalstabsmässig.

Drei Wochen vor dem ersten Jahrestag der umstrittenen Präsidentenwahl im Iran hat Präsident Mahmud Ahmadinedschad die Unzufriedenheit des Volkes ungewohnt direkt zu spüren bekommen. Bei einer Rede in der Stadt Chorramschahr im Südwesten des Landes wurde er am Montag mehrfach unterbrochen. «Wir sind arbeitslos» riefen etliche unter den Hunderten von Zuhörern.

Öffentliche Unmutsbekundungen wie diese sind selten, da Ahmadinedschad seine Auftritte generalstabsmässig plant. Die iranische Wirtschaft kämpft mit einer Inflation im zweistelligen Bereich und 25 Prozent Arbeitslosigkeit. Ahmadinedschad versprach, die Einfuhrzölle in Chorramschahr und Umgebung um 25 Prozent zu reduzieren, ging ansonsten aber nicht auf die Zwischenrufe ein.

Wegen seines umstrittenen Atomprogramms droht dem Land eine vierte Runde von UNO-Sanktionen. Wenn der Westen dem Iran die friedliche Nutzung von Atomenergie nicht gestatte, werde die iranische Jugend den Feinden «aufs Maul hauen», sagte Ahmadinedschad bei seiner Rede zum 28. Jahrestag der Befreiung von Chorramschahr. Der Irak hielt die Stadt während des Krieges von 1980 bis 1988 eineinhalb Jahre lang besetzt.

Iran warnt Opposition

Die Polizei in Teheran hat die iranische Oppositionsbewegung am Dienstag vor Aktionen zum ersten Jahrestag der umstrittenen Präsidentschaftswahl gewarnt. Die Polizei werde sich «jeder illegalen Versammlung» entgegenstellen, sagte Polizeichef Hossein Sadschedinia nach einer Meldung der halbamtlichen Nachrichtenagentur Ilna.

Die Opposition hat ihre Anhänger dazu aufgerufen, mit massiven Strassenprotesten an die Wahl vom 12. Juni vergangenen Jahres zu erinnern. Damals wurde Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad zum Sieger erklärt. Die Opposition betrachtet hingegen ihren Kandidaten Mir Hossein Musawi als rechtmässigen Wahlsieger. Bei Protesten kamen seitdem nach Schätzungen von Regierungsgegner etwa 80 Demonstranten ums Leben. (pbl/dapd)

Filmemacher gegen Kaution frei

Der seit Wochen inhaftierte Filmregisseur Jafar Panahi kommt bis zu einem Prozess auf freien Fuss. Seine Ehefrau hat die Freilassung bestätigt. Panahi sei nach Zahlung einer Kaution aus dem berüchtigten Ewin-Gefängnis in Teheran entlassen worden, sagte Tahereh Saidi am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP.

Zuvor hatten staatliche Medien über die Freilassung Panahis bis zum Beginn seines Prozesses berichtet. Der Regisseur sei nach Zahlung von zwei Milliarden Rial (228 600 Franken) entlassen worden, zitierten sie die Teheraner Staatsanwaltschaft. Das Kulturministerium wirft Panahi vor, an einem Film über die Massenproteste nach der Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad gearbeitet zu haben.

Vor einer Woche war der Filmemacher in den Hungerstreik getreten. Er wollte damit eine Zusage der Behörden erreichen, dass seine Familie in Sicherheit sei, sagte er in einem Telefonat mit seiner Frau. Zuvor sei ihm gedroht worden, dass auch Familienmitglieder verhaftet würden. Panahi war im Februar als Ehrengast zur 60. Berlinale eingeladen, durfte aber nicht ausreisen. Ausserdem sollte er der Jury bei den Filmfestspielen in Cannes angehören. (sda)

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