Aktualisiert 13.01.2016 18:44

10 Jahre FHNW«Arbeitswelt fordert mehr Kompetenzen»

Die FHNW hat innert zehn Jahren ihre Studentenzahl fast verdoppelt. Der Boom sei dem raschen Wandel der Arbeitswelt geschuldet, sagt Direktionspräsident Crispino Bergamaschi.

von
lha
FHNW Direktionspräsident Crispino Bergamaschi sieht das Ende des Booms bei den Studierendenzahlen gekommen.

FHNW Direktionspräsident Crispino Bergamaschi sieht das Ende des Booms bei den Studierendenzahlen gekommen.

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Wie relevant ist die FHNW für die Bildungslandschaft in der Nordwestschweiz heute?

Crispino Bergamaschi: Ich denke, sie ist sehr relevant. Das hat verschiedene Gründe. Einerseits ist es die einzige kantonsübergreifende Bildungsinstitution in allen vier Kantonen und andererseits sind wir ein wichtiger Player mit über 11'000 Studierenden.

Vor zehn Jahren ging die FHNW aus vier bestehenden Fachhochschulen hervor, was sollte mit dieser Fusion erreicht werden?

Man wollte den Bildungs-, Innovations- und Wirtschaftsraum Nordwestschweiz stärken, indem man die neue Fachhochschule mit starker regionalen Verankerung und nationaler Ausstrahlung in praxisorientierter Ausbildung und anwendungsorientierter Forschung konzipiert. Das ist gelungen. Vor allem die nationale Ausstrahlung bei regionaler Verankerung – die Marke FHNW konnte man etablieren.

Zwei Drittel Ihrer Studierenden kommen via Berufsmatur zu Ihnen. Warum entscheiden sich so viele ausgebildete Berufsleute heutzutage für ein Studium an der FHNW?

Generell machen etwa 20 Prozent der Lernenden die Berufsmatur. Die habe in sich schon das Potenzial an eine Fachhochschule zu gehen. Eine grosse Rolle spielt auch der Druck der Veränderung in der Arbeitswelt, die immer mehr Kompetenzen einfordert, die man sich hier aneignen kann. Wir haben viele Lehrlinge, die eine Berufsmatur machen in der Nordwestschweiz und wir haben eine nationale Ausstrahlungskraft. Das zieht leistungsstarke Menschen mit Berufsmatur an, hier zu studieren.

Mittlerweile zählt die FHNW fast so viele Studenten wie die Universität Basel. Längst haben auch Maturanden ihre praxisnahen Studiengänge entdeckt. Läuft die Fachhochschule der Uni den Rang ab?

In keiner Art und Weise. Wir ergänzen uns komplementär. Studierende mit gymnasialer Matur studieren Fachgebiete, die es an Universität nicht gibt wie Musik, Soziale Arbeit, Kunst oder Pädagogik.

Die Fachhochschule kann noch keine Doktortitel vergeben. Stellen Sie dieses Monopol der Universitäten hierzulande infrage?

Nein, das stellen wir nicht infrage. Wofür wir aber einstehen, ist, dass begabte Absolventen die Möglichkeit haben, in ihrem spezifischen Fachgebiet an einer universitären Hochschule zu doktorieren. Da haben wir mit Uni Basel ein sehr gutes Einvernehmen und kooperieren seit Jahren. Wir haben auch gemeinsam mit der Uni das Institut für Bildungswissenschaften gegründet für Abgänger der Pädagogischen Hochschule. Auch im Bereich Life Sciences sind Doktorate möglich.

Auf dem Dreispitz konnte jüngst der Campus der Künste bezogen werden, in Brugg wurde ebenfalls ein neuer Campus eingeweiht, und in Muttenz befindet sich einer im Bau. Welche weiteren Projekte werden die kommenden zehn Jahre prägen?

Nach Muttenz planen wir kein Bauprojekt mehr, dann ist genug. Jetzt haben wir noch viele Projekte. Inhaltlich werden wir relevante Themen wie Alterung und Digitalisierung der Gesellschaft aufnehmen und mit Schwerpunkten und Projekten angehen.

Nicht nur im Baselbiet, auch in den Trägerkantonen Aargau und in Solothurn stehen klamme Kantonskassen weit oben auf der politischen Agenda. Macht Ihnen das Sorgen für die weitere Entwicklung der Fachhochschule?

Ich habe Verständnis, dass die Kantone ihre Finanzen im Lot halten müssen. Als Staatsbürger leuchtet mir das ein. Wir müssen aber nicht nur auf heute, sondern auch auf morgen schauen. Was macht uns auch noch in Zukunft kompetitiv? Da muss man investieren. Die Veränderung kommt immer schneller. Da lohnt es sich, in die duale Berufsbildung zu investieren. Ich bin deshalb überzeugt, dass es sich lohnt, in die Zukunft der FHNW zu investieren, um zukunftsfähig zu bleiben.

Vor zehn Jahren zählte die FHNW 6162 Studierende, heute sind es mit 11'268 fast doppelt so viele. Wird dieser Boom auch die kommenden zehn Jahre noch anhalten?

Es ist so, dass wir von einer Konsolidierung ausgehen. Dieses schnelle Wachstum wollen wir nicht mehr. Schon in vier Hochschulen haben wir Beschränkung der Studienplätze Musik, Gestaltung und Kunst, Soziale Arbeit sowie Angewandte Psychologie. In den nächsten Jahren werden wir nur noch moderat wachsen. Der Raum ist dann auch ausgeschöpft. Bei rund 15'000 ist etwa die Grenze erreicht. Zurzeit sind die Grenzen eher finanzieller als räumlicher Natur.

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