Konflikt: Arboner Hotel schmeisst Buddhist raus
Aktualisiert

KonfliktArboner Hotel schmeisst Buddhist raus

Der Tibeter Tulku Lobsang wollte am Freitag einen Vortrag im Hotel Metropol in Arbon halten. Doch der Direktor warf ihn kurzerhand wieder aus dem Hotel.

von
Jeroen Heijers
Aus diesem Hotel in Arbon wurde Tulku Lobsang kurzer Hand rausgeschmissen.

Aus diesem Hotel in Arbon wurde Tulku Lobsang kurzer Hand rausgeschmissen.

Unter dem Thema «Gut leben, gut sterben» wollte der buddhistische Meister Tulku Lobsang einen Vortrag im Hotel Metropol in Arbon halten. Es sollte einer der vielen Vorträge werden, die der Tibeter auf der ganzen Welt hält. Doch der Hotelmanager Sami Debbabi machte ihm und den Schweizer Organisatoren einen Strich durch die Rechnung. Kurz vor Beginn stürmte Debbabi den Raum, beschimpfte laut Augenzeugen die Anwesenden und schmiss Lobsang mitsamt dem Publikum aus dem Hotel.

Göttlicher Auftrag

«Gegen 12.40 Uhr ist Herr Debbabi in den Sitzungsraum gekommen und begann die aufgehängten Gebetsfahnen und Mikrofone niederzureissen», beschreibt Corinne Perdrizat die Ereignisse vom letzten Freitag. Sie und ihre Schwester leiten mit ihrer Organisation «Nangten Menlang» die Termine von Tulku Lobsang in der Schweiz. Da die Situation zu eskalieren drohte, beschloss Perdrizat, vorsichtshalber die Polizei zu rufen. In einem Vier-Augen-Gespräch wollte sie den aufgebrachten Hotelmanager beruhigen. Doch dieser habe sie als Sektenmitglied bezeichnet und ihr erklärt, dass es nur einen Gott gebe. «Sie verehren hier andere, falsche Götter», soll Debbabi weiter gesagt haben.

Filmemacher Thomas Lüchinger war am Freitagnachmittag einer der Besucher des Vortrags. Er wollte Lobsang bei seinem Auftritt filmen und in seinen Dokumentarfilm einbinden. Auch er zeigt sich geschockt vom Verhalten des Hoteldirektors: «Er wirkte sehr aggressiv und sagte, er habe von seinem Gott den Auftrag erhalten, diesen Anlass zu beenden.»

Geschockte Besucher

Gegenüber der «Ostschweiz am Sonntag» bestätigt der Hotelier den Abbruch der Veranstaltung. «Wir hätten nicht gedacht, dass der Vortrag so religiös geprägt sein würde. Das war einfach unpassend für unser Hotel.» Er sei gegenüber den Organisatoren und Besuchern höflich geblieben und hätte sogar mit aufgeräumt. Er gibt zu, dass er die Gebetsfahnen von den Wänden entfernt habe. «Ich habe sie sicher nicht gewaltsam heruntergerissen, sondern wollte einfach helfen», so Debbabi. Für 20 Minuten war Debbabi am Sonntag nicht erreichbar.

Nach dem Vorfall mussten die Organisatoren improvisieren. Mit einer rund halbstündigen Verspätung konnte der Vortrag in einem Arboner Yoga-Studio beginnen. Einige der rund 120 Besucher waren aber so geschockt, dass sie auf direktem Weg nach Hause gingen, so die Organisatorin.

Deine Meinung