Zufallsentdeckung bei DNA-Analyse - Archäologen klären Wikinger-Verwandtschaft nach 1000 Jahren
Publiziert

Zufallsentdeckung bei DNA-AnalyseArchäologen klären Wikinger-Verwandtschaft nach 1000 Jahren

Zwei in Dänemark und Grossbritannien gefundene Wikingerskelette sind sich näher als gedacht. 1000 Jahre nachdem sie vergraben wurden, konnten Forschende sie nun ein und derselben Familie zuordnen.

von
fee
1 / 6
Archäologinnen und Archäologen des dänischen Nationalmuseums in Kopenhagen haben die Skelette von zwei verstorbenen Wikingern untersucht. 

Archäologinnen und Archäologen des dänischen Nationalmuseums in Kopenhagen haben die Skelette von zwei verstorbenen Wikingern untersucht.

Ritzau Scanpix/AFP via Getty Ima
Diese waren vor einigen Jahren in Dänemark und England entdeckt worden. 

Diese waren vor einigen Jahren in Dänemark und England entdeckt worden.

Odense Bys Museer
Dabei konnten sie interessante Verbindungen zwischen den Kriegern feststellen: Sie waren miteinander verwandt. (Im Bild: die Überreste des in Grossbritannien gefundenen Wikingers)

Dabei konnten sie interessante Verbindungen zwischen den Kriegern feststellen: Sie waren miteinander verwandt. (Im Bild: die Überreste des in Grossbritannien gefundenen Wikingers)

Ritzau Scanpix/AFP via Getty Ima

Darum gehts

  • Rund 1000 Jahre vergraben und tausende Kilometer voneinander entfernt: Nichts deutete darauf hin, dass zwischen zwei Wikingerskeletten ein Zusammenhang besteht.

  • Doch Archäologen haben nun das Gegenteil bewiesen.

  • Sie konnten mithilfe von DNA-Untersuchungen zeigen, dass es sich um die sterblichen Überreste zweier Familienmitglieder handelt.

Damit hat wohl niemand gerechnet: Archäologen haben die Skelette zweier vor rund 1000 Jahren verstorbenen Wikinger aus England und Dänemark untersucht – und ein Verwandtschaftsverhältnis zweiten Grades festgestellt. Eine zufällige DNA-Überprüfung der beiden habe ergeben, dass sie entweder Halbbrüder, Neffe und Onkel oder Grossvater und Enkel waren, so das dänische Nationalmuseum in Kopenhagen, wo die Skelette ausgestellt sind.

Gefunden wurden diese Überreste an völlig unterschiedlichen Orten: Bei dem einen handelt es sich dem Museum zufolge um einen jungen, dänischen Wikinger aus Otterup auf der Insel Fünen, der in England ermordet und in Oxford in ein Massengrab geworfen wurde. Er war durch schwere Kopfverletzungen gestorben. Sein Halbbruder, Neffe oder Onkel, der 2005 von Archäologen in Otterup ausgegraben worden war, lebte dagegen grossteils daheim als Bauer. Seine Knochen zeigten Spuren, die wahrscheinlich von Kampfverletzungen kamen.

Begeisterte Archäologen

«Es ist eine grossartige Entdeckung», zitiert die Nachrichtenagentur AFP die Archäologin Jeanette Varberg. Mit dieser könnten die Bewegungen innerhalb Europas anhand einer Familie nachvollzogen werden. Ab dem Jahr 850 hatten sich viele Dänen in England als Bauern angesiedelt. Andere dänische Wikinger setzten zur selben Zeit ihre 793 aufgenommenen Beutezüge entlang der englischen Küsten fort.

Wie das Museum weiter mitteilte, ordnete Englands König Æthelred II. im Jahr 1002 ein Massaker an den Dänen in seinem Herrschaftsgebiet an, während andere später bei Kämpfen umkamen. Zu den Toten zählte auch der besagte junge Wikinger aus Fünen: Er wurde ermordet und in das Massengrab in Oxford geworfen, wo seine Überreste 2008 gemeinsam mit denen von mindestens 35 weiteren getöteten Männern entdeckt wurden.

Eine Frage bleibt ungeklärt

Laut Varberg lässt sich eine Verwandtschaft bei Skeletten nur selten nachweisen und wenn, dann vor allem bei Herrschern. Die nun in Kopenhagen ausgestellten Exemplare stellten eine rare Ausnahme dar. Während ihre familiäre Bindung ausser Frage steht, lässt sich ihre genaue Verbindung unmöglich bestimmen. «Es ist sehr schwierig zu sagen, ob sie zur gleichen Zeit lebten oder ob es vielleicht einen Generationsunterschied gibt», so die Expertin zur AFP. In den Gräbern sei nichts gefunden worden, was eine genaue Bestimmung möglich gemacht hätte.

Wissen-Push

Abonniere in der 20-Minuten-App die Benachrichtigungen des Wissen-Kanals. Du wirst über bahnbrechende Erkenntnisse und Entdeckungen aus der Forschung, Erklärungen zu aktuellen Ereignissen und kuriose Nachrichten aus der weiten Welt der Wissenschaft informiert. Auch erhältst du Antworten auf Alltagsfragen und Tipps für ein besseres Leben.

So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten rechts auf «Cockpit», dann «Einstellungen» und schliesslich auf «Push-Mitteilungen». Beim Punkt «Themen» tippst du «Wissen» an – et voilà!

(DPA)

Deine Meinung

22 Kommentare