14.08.2018 05:39

Augusta RauricaArchäologen tauschen Schaufel mit Sensoren

Seit Jahrhunderten gibt das Gebiet der römischen Stadt Augusta Raurica Forschern ein Rätsel auf. Nun sollen neueste geophysikalische Methoden Licht ins Dunkel bringen.

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lb/sda

Mit modernen geophysikalischen Methoden wollen Archäologen herausfinden, was sich noch auf dem Gebiet der ehemaligen Römerstadt Augusta Raurica befindet. (Video: Keystone/sda)

«Wir hoffen, dass sich hier Gebäude befinden, die bis jetzt noch nicht bekannt sind», so Archäologe Till Sonnemann. Im Umkreis des Tempels in der römischen Stadt Augusta Raurica haben Forscher am Montag mit archäologischen Bodenuntersuchungen begonnen. Das Interesse am Areal ist gross, da kein Ensemble bekannt ist, das dem von Augusta Raurica gleicht.

Gearbeitet wird für einmal nicht mit Schaufel und Pickel, sondern mit den neusten geophysikalischen Methoden, heisst es in einer Medienmitteilung. Eine internationale Kooperation zwischen den Universitäten Basel, Bamberg (Deutschland), Brünn (Tschechien), der Fachhochschule Nordwestschweiz und Augusta Raurica will dem Rätsel auf die Spur kommen.

Mit Magnetik und Radar statt Pickel und Schaufel

Welche Spuren menschlicher Aktivität sich noch im Boden befinden, wird nun im Rahmen des internationalen Projekts analysiert. Die Forscher versprechen sich, wichtige neue Erkenntnisse zur Bebauung und Funktion des Areals in römischer Zeit zu erhalten. Ausserdem könnten die Untersuchungen Aufschluss über die Landschaftsveränderung durch die Verlagerung der Flussläufe der Ergolz von der Antike bis in die moderne Zeit geben, so die Medienmitteilung.

«Es wurden vorher Luftbilder ausgewertet, die gezeigt haben, dass sich hier viele archäologische Stätten befinden», so Sonnemann. «Diese können wir jetzt mit anderen Methoden besser untersuchen», sagt er. Mithilfe von Magnetik und Radar könnten beispielsweise Mauerreste in einer gewissen Tiefe gemessen werden.

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Georadar statt Schaufel: Valentin Haeseli von der Universität Basel untersucht den Boden bei Augusta Raurica im Rahmen eines internationalen Projektes.

Georadar statt Schaufel: Valentin Haeseli von der Universität Basel untersucht den Boden bei Augusta Raurica im Rahmen eines internationalen Projektes.

Keystone/Ennio Leanza
Unter der Wiese bei der antiken Römerstadt werden noch weitere bis heute unsichtbare Strukturen vermutet.

Unter der Wiese bei der antiken Römerstadt werden noch weitere bis heute unsichtbare Strukturen vermutet.

Keystone/Ennio Leanza
Mittels Magnetik und Georadar sollen diese sichtbar gemacht werden. Till Sonnemann, Juniorprofessor für Informationsverarbeitung von der Universität Bamberg und Valentin Haeseli bei der Arbeit mit dem Georadar.

Mittels Magnetik und Georadar sollen diese sichtbar gemacht werden. Till Sonnemann, Juniorprofessor für Informationsverarbeitung von der Universität Bamberg und Valentin Haeseli bei der Arbeit mit dem Georadar.

Keystone/Ennio Leanza

War die Anlage einst ein monumentaler Kultbezirk?

Untersucht wird eine fünf Hektar grosse römische Anlage am westlichen Stadtrand. Bis heute ist unbekannt, wie das Ensemble im Detail aussah. Gesichert ist einzig ein luxuriös ausgestatteter Bau in der Mitte des Platzes, heisst es. Weiterhin weisen frühere Funde von Götterstatuen und Weihinschriften darauf hin, dass die Anlage einst ein monumentaler Kultbezirk war. Es wird angenommen, dass dort unter Anleitung heilkundiger Priester medizinische Badekuren durchgeführt wurden. In den 1930er-Jahren ist ein Heilbad teilweise ausgegraben worden, von dem heute jedoch nichts mehr erhalten ist.

Die an den Untersuchungen beteiligten Institutionen erhoffen sich in kurzer Zeit neue Erkenntnisse über die römische Siedlung. Abgleiche der Resultate der geophysikalischen Untersuchungen mit historischen Ausgrabungserkenntnissen sowie Zeichnungen und Stichen sollen Licht ins Dunkel bringen.

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