Zürcher Obergericht: Architektur-Student als Sprayer verurteilt

Aktualisiert

Zürcher ObergerichtArchitektur-Student als Sprayer verurteilt

Ausgerechnet ein angehender Architekt hat sich als Sprayer betätig und an mehreren SBB-Gebäuden sowie im Uetliberg-Tunnel grosse Sachschäden angerichtet. Mit seinem Antrag auf einen vollen Freispruch hatte der erwischte Täter auch vor Obergericht keine Chance.

von
Attila Szenogrady

In seinem nun eröffneten Urteil hat das Zürcher Obergericht einen heute 22-jährigen ETH-Studenten aus dem Bezirk Affoltern wegen mehrfacher Sachbeschädigung zu einer bedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu 15 Franken verurteilt. Damit hat das Obergericht einen erstinstanzlichen Entscheid des Bezirksgerichts Affoltern umfassend geschützt.

Zerstörerische Ader

Die Vorwürfe waren vor Obergericht grundsätzlich nicht mehr bestritten. So hatte sich der in der Sache geständige Beschuldigte zwischen Frühjahr 2007 und Mitte 2008 immer wieder bei Nacht und Nebel als Sprayer betätigt. Seine zerstörerische Ader stellte er zuerst beim Bahnhof Wettswil-Bonstetten unter Beweis. So überzog er das SBB-Gebäude mit grossflächigen Schriftzügen, wobei sich der Schaden von rund 1 700 Franken noch in Grenzen hielt.

Graffiti geht nach hinten los

Erheblich kostspieliger erwiesen sich seine Anschläge im Uetliberg-Tunnel, wo das kantonale Tiefbauamt bedeutete Schäden für über 30 000 Franken geltend machte. In einem Fall malte der „Hobby-Künstler" einen grossen Teufelskopf an die Wand.

Aus rechtlichen Gründen Freispruch verlangt

Trotz seiner umfassenden Geständnisse wollte der angehende Architekt bei der Strafjustiz seinen Kopf noch aus der Schlinge ziehen. Was ihm teilweise auch gelang. So konnte er sich mit den Geschädigten der SBB aussergerichtlich einigen, indem er für einen Schaden von über 3 500 Franken aufkam. Im Gegenzug zog die staatliche Bahn ihre Strafanträge zurück.

Bei den Sachschäden zulasten des Tiefbauamtes verlangte die Verteidigung aus rechtlichen Gründen einen Freispruch. Rechtsanwalt Hadrian Meister versuchte bereits am Bezirksgericht Affoltern die Gültigkeit der Strafanträge in Frage zu stellen. Vor Obergericht erneuerte Meister seine Anträge und führte aus, dass der Bund und nicht der Kanton Opfer der Sprayereien seines Klienten geworden sei.

Erneut abgeblitzt

Die Verteidigung ist jedoch auch vor Obergericht abgeblitzt. Die Oberrichter gingen von gültigen Strafanträgen aus und befanden den Sprayer für schuldig. Er muss nun für die Berufungskosten von rund 2 500 Franken aufkommen. Zudem muss er mit einem aufwändigen Zivilprozess gegen den Kanton Zürich rechnen.

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