Wirtschaftskrise: Argentinien hat an seinen Problemen zu knabbern
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WirtschaftskriseArgentinien hat an seinen Problemen zu knabbern

Es war kein gutes Jahr für Brasilien und Argentinien, die beiden grössten Wirtschaftsnationen Südamerikas. Und die Zukunft verspricht nur für Brasilien Besserung.

Präsidentin Cristina Fernandez beschimpfte die Hedgefonds jüngst als «Aasgeier».

Präsidentin Cristina Fernandez beschimpfte die Hedgefonds jüngst als «Aasgeier».

Experten rechnen damit, dass sich Brasilien recht schnell von seiner aktuellen Schwächephase erholt, während Argentinien wohl noch länger an seinen Problemen zu knabbern hat. Hier gebe es noch wesentlich grössere Baustellen als in Brasilien, sagt Deka-Ökonom Mauro Toldo.

Argentinien hängt noch immer der Staatsbankrott 2002 nach. Vor US-Gerichten fechtet die Regierung derzeit einen erbitterten Streit gegen Hedgefonds aus, die sich den Vereinbarungen zu den Schuldenschnitten von 2005 und 2010 nicht beugen wollen.

Präsidentin Cristina Fernandez beschimpfte die Hedgefonds jüngst als «Aasgeier». Die Ratingagentur Fitch warnte Ende November vor einem Zahlungsfall der nach Brasilien und Mexiko drittgrössten Volkswirtschaft Lateinamerikas.

Argentinien hat wieder Probleme

Allerdings ist das nicht das einzige Ärgernis für die Witwe und Amtsnachfolgerin von Nestor Kirchner. Fernandez streitet sich seit langem mit der einflussreichen Clarin-Mediengruppe. Ausserdem hat ihr die Verstaatlichung der argentinischen Repsol-Tochter YPF viel Ärger im Ausland eingehandelt.

Im Kampf gegen die Einfuhrbeschränkungen ihrer Regierung beantragte die EU zuletzt ein Schiedsverfahren der Welthandelsorganisation WTO.

Im Inland schwindet der Rückhalt für die streitbare Präsidentin ebenso: Ein Generalstreik legte am 20. November Teile des Landes lahm, die Umfragewerte sinken. Das vor kurzem noch kräftige Wirtschaftswachstum Argentiniens leidet zunehmend unter der zögerlichen Nachfrage aus dem Ausland.

Auch die hohe Inflation, die nach Meinung unabhängiger Experten schwindelerregende 25 Prozent beträgt, eine schlechte Erntesaison sowie die Kontrollen der Regierung bei Importen und Devisen tragen nicht zur Förderung des Investitionsklimas bei.

Brasilien steht besser da

Für Brasilien sind die Experten optimistischer, obwohl das Bruttoinlandprodukt (BIP) im dritten Quartal mit mageren 0,6 Prozent nur halb so kräftig zugelegt hat wie erwartet. Mit einem Wachstum von voraussichtlich 1,3 Prozent im Gesamtjahr weist Brasilien die schlechteste Entwicklung unter den BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika auf.

Der Leitindex Bovespa an der Börse von São Paulo ist zudem seit dem Amtsantritt von Präsidentin Dilma Rousseff im Januar 2011 um rund 15 Prozent gefallen - mehr als die meisten anderen Aktienmärkte Lateinamerikas.

Dennoch geniesst Rousseff - anders als ihre Amtskollegin Fernandez - weiterhin Vertrauen bei den Investoren. Allianz Global Investors etwa ist mit einigen Schwellenländer- und einem Länderfonds stark am Zuckerhut engagiert. Fondsmanager Carlos de Leon rechnet für 2013 mit einem Wirtschaftswachstum von 3,5 bis 4 Prozent.

Auch Toldo von der Deka sieht keinen Grund, dem Land den Rücken zu kehren, da die brasilianische Regierung den Märkten gegenüber sehr viel freundlicher eingestellt sei als die von Argentinien. «Die Verlangsamung des Wachstums in Brasilien hat auch mit der europäischen Schuldenkrise zu tun.»

Wo Konsum ist, ist Wachstum

De Leon sieht noch zwei weitere Gründe für die Schwächephase: «Rousseff hatte das Problem, dass sie Ende 2010 gewählt wurde, zu einem Zeitpunkt, als die Wirtschaft sehr stark stimuliert worden war.» Das BIP legte damals, am Ende der Ära von Präsident Luiz Inacio Lula da Silva, um 7,5 Prozent zu. Zudem präsentiere sich der brasilianische Industriesektor schwächer als erwartet.

Erste Erfolge haben sich bereits gezeigt. So legte der private Konsum im dritten Quartal um 0,9 Prozent zu. Der HSBC-Index für den brasilianischen Dienstleistungssektor stieg im November auf 52,4 Punkte zu und damit so deutlich wie seit fünf Monaten nicht mehr. Er rechne deshalb schon im vierten Quartal diesen Jahres mit einer Erholung der Wirtschaft, prognostiziert de Leon. (sda)

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